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Teisendorf soll Waldkindergarten bekommen

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Teisendorf – In Teisendorf soll ein Waldkindergarten entstehen. Die Initiative dafür geht von zwei Erzieherinnen und Müttern, Barbara Hartel aus Teisendorf und Susanne Rogl aus Rückstetten, aus. Bei einem ersten Informationsabend im Pfarrsaal Teisendorf meldeten sich spontan 21 Eltern, die ihre Kinder gern in so einen Waldkindergarten schicken würden. Neun weitere Eltern würden die Gründung eines Trägervereins unterstützen.


Die Initiatorinnen erklärten bei dem Treffen, wie sie auf die Idee gekommen sind. Barbara Hartel hat eine dreijährige Tochter und arbeitete vor zwei Jahren im Waldkindergarten Traunstein. »Ich war fasziniert, wie die Kinder da spielen, wie sie die Jahreszeiten hautnah erleben«, erzählte sie. Die dreifache Mutter Susanne Rogl hat ebenfalls einen Dreijährigen und absolviert derzeit eine Zusatzausbildung zur Waldpädagogin. Seit sie mitbekam, wie ihre Schwägerin einen Waldkindergarten in Mittenwald gründete, ließ sie die Vision eines solchen naturnahen Erlebnis-, Spiel- und Lernraums nicht mehr los. »Teisendorf hat so viele Kinder und Familien«, gab sie zu bedenken. Daher hält sie ein solches alternatives Betreuungsangebot für durchaus sinnvoll.

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Areal westlich von Thumberg im Visier

Auch einen Platz haben die beiden Erzieherinnen schon gefunden: In seinem Wald würde der Förster und Hoferbe Martin Fritzenweger ein Areal westlich von Thumberg, neben einer mächtigen Eiche am Waldrand, zur Verfügung stellen. Der junge Vater würde seine beiden jüngeren Mädchen sofort in den Waldkindergarten schicken. »Ich habe als Kind ganz viel im Wald gespielt. Das bringt den Kindern, die ab Schulbeginn und vor allem im G 8 nur noch wenig raus kommen, ganz viel. Sie können dann vielleicht auch später mit dem Wald mehr anfangen.«

Ziel der Informationsveranstaltung war, den Bedarf zu ermitteln. Danach soll geklärt werden, ob die Gemeinde oder ein neu zu gründender Verein die Trägerschaft übernimmt, um danach das Konzept weiter auszuarbeiten. Am liebsten würden Hartel und Rogl gleich im Herbst beginnen.

Damit die Besucher im gut besetzten Saal sich den Alltag im Waldkindergarten besser vorstellen können, berichtete Veronika Görlich, 2009 Mitinitiatorin des Waldkindergartens Palling, von ihren Erfahrungen. Als naturverbundene Bauerntochter war es der Erzieherin schon lange »suspekt«, dass bestimmte Bewegungsfertigkeiten bei den Kindern durch künstliche Einrichtungen wie einen »Kriechtunnel« geschult werden, wo doch in der Natur solche Bewegungs-Lern-Orte massenweise bereit stehen.

Eine Spielgruppenleitung im Waldkindergarten Chieming überzeugte sie von der Waldpädagogik. In Erzählungen und Bildern zeigte sie, wie Körpergefühl, Emotionen und das kognitive Lernen im Wald gleichermaßen Raum haben. Die Beschäftigungen der Kinder reichen vom Lagerbau, Schnitzen, Erforschen der Tiere und Pflanzen oder Klettern bis hin zum Legen von Mandalas oder des Namens mit Naturmaterialien. Als Unterschlupf bei Kälte und Regen dienen ein Bauwagen und eine Holzhütte. In Palling war der vom Trägerverein aufgenommene Kredit von 20 000 Euro nach drei Jahren refinanziert.

Der Bürgermeister zeigte Interesse

Bürgermeister Thomas Gasser zeigte sich offen und interessiert, zumal er als Kind auch viel im Wald war. Bevor eine Entscheidung im Gemeinderat fallen kann, möchte er jedoch die rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen geklärt haben. Er schlug den Initiatorinnen eine gemeinsame Fahrt ins Landratsamt und ein Gespräch am Amt für Kinder, Jugend und Familien vor. Für Martin Fritzenwenger spricht für die Schaffung eines Waldkindergartens auch die Tatsache, dass aktuell – bis auf Weildorf – alle Kindergartenplätze in der Marktgemeinde belegt sind.

Bedenken von Grünen-Gemeinderat Matthias Spiegelsperger wegen der Haftung bei Unfällen konnte Görlich zerstreuen: Der Waldbesitzer hafte grundsätzlich nicht. Es liege in der Verantwortung des Personals, Gefahren einzuschätzen und die Kinder entsprechend anzuweisen.

Einige Eltern vermissten bei den Initiatorinnen ein konkreteres Konzept. Diese erklärten, am Anfang stehe die Bedarfsermittlung und die Suche nach einem Träger. Erst dann könnten sie tätig werden. Als Träger komme neben der Gemeinde die Kirche, der Landesverband für Waldkindergärten, die Arbeiterwohlfahrt oder eine Elterninitiative in Frage.

Interessierte Väter und Mütter werden gebeten, sich bei Barbara Hartel, Telefon 08666/98 96 00, oder bei Susanne Rogl, Telefon 08666/98 91 74, zu melden. fb