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Standort für Geothermieprojekt noch nicht festlegbar

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So könnte das Betriebsgebäude aussehen, sollte das Geothermieprojekt Seebruck umgesetzt werden. Ein Standort ist aus heutiger Sicht noch nicht fixierbar. (Foto: Rasch)

Seeon-Seebruck. Die Skepsis der Bürger ist auch beim Ausbau der Erneuerbaren Energien da. Wenn ein Projekt, wie im Falle des geplanten Geothermieprojekts Seebruck dann auch noch touristisch geprägte Regionen berührt, ist besonderes Fingerspitzengefühl gefordert. Bei einer Informationsversammlung beim Alten Wirt in Seeon versuchten die Beteiligten, Vorbehalte gegen die Nutzung der Wärme aus dem Erdinneren abzubauen.


Bebauungsplanverfahren soll Beteiligung aller ermöglichen

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Bürgermeister Bernd Ruth sagte, nach seinem Kenntnisstand soll im »Erlaubnisfeld Seebruck« ein Geothermieprojekt zur Stromerzeugung entwickelt werden. Wie es von den Projektentwicklern hieß, habe der Freistaat Bayern das Bergrecht ausgeschrieben, um es unter der Prämisse des EEG (Erneuerbare Energien Gesetz) umzusetzen. Das Erlaubnisfeld berührt auch Gstadt, Breitbrunn und Eggstätt, deren Bürgermeister ebenfalls bei der Versammlung waren. Aufgrund der bergrechtlichen Genehmigung könnte das Projekt in einem privilegierten Verfahren durchgezogen werden.

Die Projektleitung will aber ein Bebauungsplanverfahren. »Wir haben diesen Weg gewählt, um alle am Verfahren Beteiligten zu involvieren«, sagte Geschäftsführer Johannes Falk. Es werde ein Bürgertelefon für Fragen eingerichtet, und die Projektabschnitte werden mit allen Beteiligten eng abgestimmt. Weiter versicherte Falk, dass zu den planerischen Schritten Zweit- und Drittmeinungen eingeholt würden und die Anlage in den landschaftlichen Kontext eingefügt werde.

Standortfaktoren müssen erst noch untersucht werden

Zum Standort konnte er noch keine Aussage treffen. Er hänge von Faktoren ab, die noch untersucht werden müssten. Bevor dem Investor ein Standort vorgeschlagen werden könne, müssen die Untertagesituation und die Verträglichkeit geprüft werden. Auch die Anschlussmöglichkeiten seien ein Kriterium. Falk hielt ein Gewerbegebiet oder eine wiederverfüllte Kiesgrube für geeignet.

Er bestätigte auch die Aussage Ruths, dass das Projekt ausschließlich für die Verstromung geplant sei, zumal der Gemeinde die Infrastruktur für eine Wärmversorgung fehle. Rein technisch bestünde aber die Option, später auch Fernwärme auszukoppeln.

Sollte das 90-Millionen-Euro- Projekt ohne Komplikationen umgesetzt werden können, würde auch die Gemeinde profitieren. Bei einer Laufzeit von 20 Jahren würde sich die Gewerbesteuer für die betreffende Gemeinde bei 15,5 Millionen Euro bewegen.

Effiziente, nachhaltige und regenerative Energie

Für das Projekt sprächen aber vor allem der effiziente, nachhaltige und regenerative Energieträger, der einen großen Beitrag zur Energiewende leisten könne. »Die Energie wird dort erzeugt, wo man sie braucht«, betonte der Projektleiter. Der Flächenverbrauch sei gering und man werde sich alle Mühe geben, die Anlage so landschaftsschonend wie möglich zu situieren, wurde mehrfach versprochen.

Dass es auch Komplikationen geben könne, wurde ebenso nicht verschwiegen wie die Tatsache, dass das Vorhaben nicht ganz geräuschlos verlaufen wird. Die Geräuschentwicklung sei aber als sehr niedrig einzustufen, für etwaige Komplikationen sei man versicherungstechnisch abgesichert.

Nach Aussagen des Geologen Professor Dr. Johann Goldbrenner seien die geologischen Verhältnisse für geothermische Projekte in Bayern besonders günstig. Das süddeutsche Molassebecken sei sehr interessant für hydrothermale Energiegewinnung. In einer Tiefe von rund 4700 Metern erwartet man 130 Grad heißes Wasser, das nach oben gepumpt und wieder in den Kreislauf zurückgeführt wird. Zuvor aber müssten Bohrungen durchgeführt werden. Sollten diese zum Erfolg führen, könnte der Bohrplatz nach einem Jahr wieder abgebaut werden. Dann wären nur ein Betriebsgebäude und eine Luftkühleranlage zu sehen.

»Werden niemanden in den Ruin treiben«

In der Diskussion, in der es wiederholt um die Standortfrage ging, wurden auch kritische Stimmen laut. Andreas Dorn (FW) stellte die Integrität des Auftraggebers infrage, zumal dieser das Projekt bereits im Internet intensiv bewerbe. In seinen Augen sei auch die Verstromung noch nicht ausgereift. Er bezweifle, dass das Projekt der richtige Weg in der Chiemseeregion sei.

Dass das Projekt für den Tourismus den Ruin bedeuten könnte, versuchte Falk einzugrenzen. »Wir werden keinen Gastronomen in den Ruin treiben«, bestätigte er und verwies erneut auf das Versprechen, den Standort mit der Bevölkerung zu definieren.

Zur Sorge von Alois Daxenberger, dass das Vorhaben Auswirkungen auf das Landschaftsschutzgebiet oder landwirtschaftliche Flächen habe, sagte Falk, landwirtschaftliche Flächen würden in keinster Weise berührt. Ebenso werde auch die Grundwasserqualität nicht ernsthaft gefährdet. Auch die Räume des Erdgasspeichers und der FFH-Gebiete sollten bei den Planungen ausgeschlossen werden. Michel Regnauer (CSU) störte die Tatsache, dass keine Wärme produziert werde und das Projekt aus ökologischer Sicht keinen Nutzen bringe. ga