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Parkchaos, Müllprobleme und Schäden an der Natur

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Chiemgau: Parkchaos, Müllprobleme und Schäden an der Natur | Achtenal
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Dicht an dicht stehen die Autos der Ausflügler am Straßenrand. Wer dabei Parkverbote nicht beachtet, für den kann schnell teuer werden. (Foto: Wunderlich)

In Zeiten von Corona wollen viele Urlauber die Ferien in Deutschland verbringen. Bayern gehört sicher zu den bevorzugten Zielen. An den Wochenenden kommen dann noch die Ausflügler aus der näheren Umgebung dazu und dann wird es schon mal richtig eng auf den Parkplätzen und besonders an den touristischen Lieblingsorten.


Das Achental ist ein Ausflugsparadies, was an den Autokolonnen links und rechts der Straßen vor den Wanderparkplätzen nach der Corona-Lockerung zu sehen war und ist. Wenn die Parkplätze voll sind, wird ringsherum wild alles zugeparkt, auf den Wiesen, selbst vor Rettungswegen wird keine Rücksicht genommen.

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Andreas Scheck, Bürgermeister von Marquartstein und Vorsitzender des gemeinsamen Kommunalunternehmens Achental Tourismus, richtet einen dringenden Appell an die Besucher des Achentals: »Wenn ein Parkplatz voll ist, bitte entweder auf einen anderen Parkplatz ausweichen oder im Ort parken und einen Fußweg in Kauf nehmen«.

Die Bergwacht und die Feuerwehr sehen die Situation ebenfalls kritisch berichtet Scheck weiter, denn wenn sie durch zugeparkte Rettungswege bei einem Einsatz Umwege fahren müssen, wird es gefährlich.

Gäste seien im Achental natürlich herzlich willkommen und die meisten Erholungssuchenden benehmen sich rücksichtsvoll gegenüber der hiesigen Bevölkerung und der Natur, aber von den »Uneinsichtigen« wünscht sich Andreas Scheck Einsicht und Rücksichtnahme. Empfindliche Bußgelder drohen als letzte Maßnahme.

Auch auf den Bergen wird es deutlich enger, dort wünscht sich Scheck, dass die Besucher auf den ausgewiesenen Wegen bleiben, keine Abkürzungen nehmen und dabei das Weidevieh und das Wild vertreiben und seltene Bergblumen und Kräuter zerstören. Leider werde beobachtet, wie Mountainbiker, die den Kick und das Risiko suchen, nicht auf den ausgewiesenen Wegen blieben und querfeldein führen. Dabei würden immer wieder die Gatter offengelassen, das Almvieh erschreckt und die Tiere in Panik versetzt, resümierte Andreas Scheck.

Hans Stöckl setzt auf Aufklärung und Lenkung

Von diesen Problemen kann auch Hans Stöckl, Geschäftsführer vom Almwirtschaftlichen Verein Oberbayern, ein Lied singen. Er sieht darin durchaus keine bösen Absichten, die Menschen wollen nach den Corona bedingten Beschränkungen wieder in die Natur. »Es ist eher Unachtsamkeit und Unwissenheit und ich setze auf Aufklärung und Lenkung.«

Allen Ausflüglern legt er einige Punkte dringend ans Herz: Gatter, die geöffnet werden, müssen auch wieder geschlossen werden; auf den Wegen bleiben und keine neuen Abkürzungen in die Wiese trampeln; kein Picknick auf der Wiese machen, sondern die Pause an den Wirtschaften machen oder am Waldrand; den Müll danach nicht einfach in der Natur liegen lassen; nicht mit den Rädern durch die Herde fahren; nicht mit dem Hund an der Leine auf die Weidetiere zugehen, »weil die den Hund für einen Wolf halten und ihr natürliches Abwehrverhalten zeigen«. Ansonsten gelte natürlich auch am Berg: Hunde an der Leine zu führen, deren Kot, wie im Tal einzusammeln und unten zu entsorgen.

Hans Stöckl sieht in dem in der Bayerischen Verfassung verankerten »allgemeinen Betretungsrecht« ein Problem, das einer Reformierung bedarf und ein weiteres Problem in der Durchsetzung eventueller Einschränkungen. Ziel sollte jedoch immer die Aufklärung und Lenkung sein, zum Beispiel mit speziell ausgewiesenen schwierigen Mountainbike-Touren.

Almbauer Ralf Wegener ist »stocksauer«

Stocksauer über das Benehmen mancher Besucher ist Ralf Wegener als betroffener Almbauer. Er berichtet von seinen Problemen, als er im Frühjahr sein Vieh mit dem Tiertransporter auf das Weidegebiet bringen wollte und durch die unrechtmäßig zugeparkten Wege schlecht oder gar nicht durchkam. »Das ist Stress für die Tiere im Transporter, der sich durch Umwege noch unnötig erhöht«.

Er ist gerade dabei, seinen Hainzenkaser in der Weitwies im Hochplattengebiet umzubauen, der angeforderte Betonlaster kam ebenfalls durch Falschparker – trotz Beschilderung – nicht durch und musste mit seinen 35 Tonnen Gewicht einen Riesenumweg von fast zwanzig Kilometern fahren.

Auch auf seiner Alm musste sich Ralf Wegener mit Besuchern auseinandersetzen, die auf seinem Grundstück und vor seiner Nase, einfach Pfähle entfernen wollten, um querfeldein laufen zu können. Ralf Wegener will Unterschriften bei den Almbauern sammeln, damit die Zustände besser reguliert werden.

Polizei appelliert an die Vernunft

Florian Helminger, Polizeioberkommissar von der Polizei Grassau, versucht, an die Vernunft der Besucher zu appellieren. Er wünscht sich mehr Flexibilität der Besucher, »wenn ein Ziel nicht mehr Leute verträgt, sollte eine Alternative gesucht werden«. In Corona Zeiten werden auch Parkplätze reduziert, sie stehen nicht in Hülle und Fülle zur Verfügung, weiß er zu berichten. Urlaubern im Achental empfiehlt er, gleich von der Unterkunft mit dem Radl loszufahren, damit findet sich am Berg immer ein Parkplatz. Die Falschparker weist er darauf hin, dass das Vergehen durchaus teuer werden kann, mit Abschleppkosten können bis 500 Euro zusammen kommen. wun

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