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Mutmaßlicher Doppelmörder von Traunreut besaß Waffe illegal

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Polizeibeamte der Spurensicherung stehen bei einem Einsatzfahrzeug vor einem Traunreuter Lokal. Ein Mann hatte am späten Samstagabend gegen 22.30 Uhr mit einem Gewehr die Kneipe betreten und das Feuer auf mehrere Personen eröffnet. Foto: Tobias Hase/dpa

Traunreut – Bei einer Schießerei in einer Traunreuter Kneipe sterben zwei Menschen, zwei weitere werden schwer verletzt. Jetzt rätselt die Polizei über das mögliche Motiv hinter der Tat.


Der mutmaßliche Doppelmörder von Traunreut hat die Tatwaffe nach ersten Erkenntnissen der Ermittler illegal besessen. Es liege keine Erlaubnis für das Gewehr vor, sagte ein Sprecher der Polizei am Montagabend. Der 62-Jährige sei zur Tatzeit zudem betrunken gewesen.

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Ein in Traunreut wohnhafter 62-jähriger Mann steht in dringendem Verdacht, am späten Samstagabend in der Kneipe "Hex-Hex" zwei Männer im Alter von 31 Jahren erschossen zu haben. Die 50-jährige Wirtin und eine 28-jährige Besucherin des Lokals wurden schwer verletzt.

Nachdem er die Waffe zurück in seine Wohnung gebracht habe, soll er sich laut Medienberichten unter die Menschenmenge in der Nähe des Tatortes gemischt haben. Beamten fiel auf, dass die von den zwei Frauen abgegebene Beschreibung des Täters auf den Mann passte. Der 62-Jährige wurde angesprochen und festgehalten. Bei seiner Vernehmung ergab sich ein konkreter Verdacht.

Offen ist, ob der Todesschütze die Kneipe am Tattag schon einmal besucht hatte oder er erst unmittelbar vor den Schüssen gegen 22.30 Uhr mit der Repetierbüchse in der Hand betrat. Nach den bisherigen Ermittlungen waren außer dem Täter nur die vier Opfer dort – alle deutsche Staatsbürger.

Was war das Motiv?

Das Tatmotiv gibt den Ermittlern Rätsel auf. Eine Beziehungstat kommt nicht in Frage, wie es hieß. Der in die geschlossene Abteilung einer psychiatrischen Klinik eingewiesene 62-Jährige hat sich nach den Polizeiangaben bisher nicht zur Tat geäußert. Er wohnt in unmittelbarer Nähe des Tatorts.

Die Kripo ist zuversichtlich, die Wirtin des Lokals bald zum Tathergang befragen zu können. Die Kripo geht davon aus, dass sich Täter und Opfer kannten. Der Täter hatte die tödlichen Schüsse am Samstag kurz vor 22.30 Uhr abgegeben. Eine knappe Stunde später wurde er festgenommen.

Die Polizei äußerte sich nicht dazu, warum der Ermittlungsrichter keinen Haftbefehl erließ, sondern die Unterbringung des Mannes in einer Nervenklinik veranlasste. Ein psychiatrisches Schnellgutachten hatte die Grundlage dafür geschaffen.

Was sagen Zeugen, die in der Samstagnacht in der Nähe waren?

"Der Täter wohnt gleich hier", glaubt eine Nachbarin zu wissen und deutet auf einen dreistöckigen Wohnblock ebenfalls am St.-Georgs-Platz – ihren vollen Namen will die Frau nicht nennen. "Es war schon lange die Rede davon, dass hier jemand eine Waffe hat", ergänzt die 52-Jährige, die selbst keine 200 Meter vom Tatort entfernt wohnt. Es sei zwar eine schwierige Gegend, meint sie, "aber bei mir hat noch nie jemand eingebrochen." Als sie schon am Gehen ist, sagt sei fast beiläufig, dass im Haus nebenan vor zwei Jahren ein Mord geschehen sei.

Unter den Passanten, die am Sonntagmittag an der Kneipe vorbeigehen, schießen Gerüchte ins Kraut. "Es war eine Eifersuchtstat", will ein Mann wissen. "Das Viertel ist in Verruf", meint ein anderer Mann in gebrochenem Deutsch.

Ein jugendliches Pärchen schaut ebenfalls am "Hex-Hex" vorbei. "Ich habe Schüsse gehört, obwohl ich ungefähr 500 Meter weiter weg wohne", sagt der 16-jährige Junge. An Schlaf sei danach nicht mehr zu denken gewesen. "Es kreiste ständig ein Hubschrauber über der Gegend."

Ermittlungen am Tag nach der Bluttat:

Polizeieinsatz und Großfahndung am Samstagabend:

Zu unserem Bericht vom Wochenende geht es hier.

dpa / Paul Winterer / th