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»Milchbauern tragen die Verluste der Molkereien alleine«

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Die Podiumsteilnehmer diskutierten sowohl untereinander, als auch mit dem Publikum (von links): Rainer von Hößlin, Reinhold Stangl, Moderator Alfons Leitenbacher, Gisela Sengl, Dr. Klaus Alois Hein und Manfred Gilch. ( Foto: Albrecht)

Palling – Etwa 300 Landwirte kamen zur Podiumsdiskussion des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter und der Milcherzeugergemeinschaft Milch Board zum Michlwirt. Bei der von Hermann Dempfle aus Rott initiierten und vom Leiter des Landwirtschaftsamts Traunstein, Alfons Leitenbacher, moderierten Veranstaltung wurde zuerst ein Video über die Probleme der Milchvermarktung gezeigt.


Teilnehmer auf dem Podium waren Initiator Dempfle, Leitenbacher, Rainer von Hößlin, Geschäftsführer MEG Milch Board, Reinhold Stangl von der Molkerei Gropper, Gisela Sengl, MdL der Grünen und landwirtschaftspolitische Sprecherin, Dr. Klaus Alois Hein, Genossenschaftsverband Bayern und Manfred Gilch, Landesvorsitzender des BDM in Bayern. CSU-MdL Klaus Steiner sei durch einen anderen Termin verhindert gewesen und der BBV habe nicht rechtzeitig einen Vertreter benannt, antwortete Dempfle auf entsprechende Nachfrage.

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In dem Video prangerte Peter Guhl, der Vorsitzende des Milch Board, die Andienungspflicht der Bauern an, das heißt, sie dürfen nur die jeweilige Molkerei beliefern, mit der sie einen Vertrag haben. Dadurch seien die Bauern den Molkereien mehr oder weniger auf Gedeih und Verderb ausgeliefert, so Guhl. Der Erzeuger-Preis orientiere sich nicht etwa an der Wertschöpfung der Molkereien, sondern an der Wertschöpfung der schlechtesten Molkerei. Bauern hätten keinen Einfluss auf den Preis für ihre Milch. Die Andienungspflicht müsse abgeschafft und stattdessen ein System entwickelt werden, in dem Bauern endlich auch die ihnen zustehende Marktmacht bekämen.

Im Video und auch in der Diskussion wurde bemängelt, selbst während der schweren Krise 2008 hätten die Molkereien keine Gewinneinbußen hinnehmen müssen, sondern sogar mehr verdient als vorher. Damals, wie auch jetzt, hätten alleine die Bauern die gesamten Verluste getragen. Selbst Genossenschaftsmolkereien, die bundesweit etwa 60 Prozent der Milch verarbeiten und eigentlich den Bauern gehörten, seien weniger am Wohl ihrer Mitglieder interessiert, als am Profit, hieß es in der Debatte. Dieser Behauptung hielt Reinhold Stengl zwar entgegen, die Molkereien täten das »Menschenmöglichste« für die Bauern. Von den Bauern im Saal wurde dies allerdings vehement infrage gestellt.

Natürlich kam sowohl auf dem Podium, als auch im Saal das Thema Mengenregulierung zur Sprache. Genossenschaftsvertreter Dr. Hein stellte eine solche sofort mit einer gesetzlich verordneten Deckelung gleich, die den Wettbewerb unterbinden würde. Manfred Gilch widersprach, die Mengenregulierung würde nur in Krisenzeiten für eine beschränkte Zeit eingesetzt, um existenzbedrohende Situationen zu lindern. Außer dem BDM hätten weder der BBV oder die Politik, noch die Genossenschaften ein Konzept vorgelegt, das die Situation der Bauern veränder. Trotzdem lehnten alle Genannten das BDM-Konzept ab, ohne es ernsthaft zu prüfen oder plausible Gründe zu nennen.

Besonders von den Vertretern der Molkereien und Genossenschaften auf dem Podium, Stangl und Dr. Hein, wurde wiederholt der »Weltmarkt« als Argument für den niedrigen Milchpreis angeführt, während Sengl und Gilch das nicht gelten lassen wollten. Gilch meinte, Produzenten und Verarbeiter sollten sich vielmehr auf den europäischen Markt konzentrieren, denn dieser sei das größte Marktsegment und hier könnten gute Regeln geschaffen werden, die ein Überleben der Bauern und einen fairen Wettbewerb ermöglichten.

Auch Gisela Sengl hieb in diese Kerbe, wollte aber vor allem eine Regionalisierung der heimischen Milchproduktion mit durchschaubaren, sicheren Herkunftsregelungen. Auf jedweder Verpackung müssten nachvollziehbare, akkurate Herkunfts- und Bestandteilauskünfte stehen, um dem Verbraucher echte Kaufentscheidungen zu ermöglichen. »Es muss in der Packung sein, was außen draufsteht«.

Rainer von Hößlin forderte eine viel größere Bereitschaft zum Konsens der Beteiligten, denn nur so könne zum Wohle aller gearbeitet werden.

Der frühere BDM-Vorsitzende im BGL, Hans Haunerdinger, sagte: »Wenn nicht bald die Einsicht der Genossenschaften, Verbände und Politik zur Zusammenarbeit zustande kommt, wird sich die Milchindustrie selbst an die Wand fahren«. Albert Aschauer, der Stellvertretende Vorsitzende des BDM im BGL forderte Ämter und Politik auf, nicht nur endlos Konzepte und Thesen zu prüfen, sondern auch Taten folgen zu lassen. al