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Magisches Quadrat im Gotteshaus

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Das magische Quadrat auf dem Dachboden der Kirche St. Peter und Paul ist teilweise zerstört.

Übersee. Im Dunkeln und gewissermaßen im hintersten Eck der Kirche St. Peter und Paul auf dem Westerbuchberg bei Übersee ist eine besondere Wandmalerei verborgen. Sie zeigt das sogenannte Sator-Quadrat. In der Spätantike und im Mittelalter schrieb man der lateinischen Formel magische Eigenschaften zu.


Der romanische Kirchenbau auf dem Westerbuchberg gehört zu den ältesten Gotteshäusern in der Gegend, die Steinmauern sind zum Teil noch aus dem 13. Jahrhundert. Im Seitenschiff der Kirche befinden sich seltene gotische Fresken aus der Zeit um 1410. Etwas noch Einzigartigeres aber ist unter dem Dach zu finden.

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Es ist stockfinster im Dachboden von St. Peter und Paul. Eine romanische Flachdecke schließt den Raum nach oben hin ab, den Fußboden bilden die sechs Gewölbebögen des Gotteshauses. Die Wände zieren Gemälde. Eines zeigt den Erzengel Gabriel. Ein anderes, wiederentdeckt im Jahr 1902, ist eine in gotischen Minuskeln geschriebene Formel. Es ist das sogenannte Sator-Quadrat.

Das Besondere: Es ist horizontal und vertikal, vorwärts und rückwärts zu lesen. Es besteht aus fünf lateinischen Wörtern:

SATOR AREPO TENET OPERA ROTAS

»Es entsteht immer die vollständige magische Formel ,sator opera tenet‘ – Der große Sämann, also Gott, hält die Werke, also die Schöpfung, in seiner Hand«, erklärt Ludwig Klarwein, Kirchenpfleger der Pfarrei St. Nikolaus in Übersee. Die Übersetzung mit allen fünf Wörtern ist umstritten – hauptsächlich, weil »arepo« ohne Bedeutung ist. Eine Interpretation fasst arepo als Namen auf und übersetzt die Wortfolge mit: »Der Sämann Arepo hält mit Mühe die Räder.«

Letztlich, so meinen andere, sei die Aussage zweitrangig. Alleine die Tatsache, dass die Buchstabenkette von vorne und von hinten, von oben und von unten zu lesen sei, habe ausgereicht, um dem Quadrat magische Eigenschaften zuzuschreiben. Tatsächlich gehörte die Sator-Formel zu den verbreitetsten Zauberformeln des Abendlandes. Die Menschen im Mittelalter verwendeten sie früher, um sich vor Seuchen und Unheil zu schützen – und so fand sie schließlich auch Eingang in den sakralen Raum. Ein weiteres magisches Quadrat ist noch heute im Dom in Siena zu finden.

Die an die Wand gemalte Sator-Formel in der Kirche auf dem Westerbuchberg bröckelt. Schuld ist »ein unsachgemäßer historischer Versuch, Teile der figürlichen Malerei von der Wand zu nehmen«, wie es im Überseer Kirchenführer heißt. Man habe mit einem scharfen Gegenstand versucht, den Putz von der Wand zu ritzen, wie Kirchenpfleger Ludwig Klarwein erklärt. Er vermutet, dass das in den späten fünfziger, frühen sechziger Jahren gewesen muss.

Einige der Gemäldeteile gingen verloren. Doch viele sind auch noch da. In Bananenkisten lagern die inzwischen akribisch nummerierten Stücke auf dem Dachboden des Gotteshauses, gleich neben dem zerstörten Gemälde. Es bedürfte »mühsamer Arbeit«, sie wieder zusammenfügen, erklärt Klarwein. Dafür wäre ein Fachmann nötig. Und der kostet. »Wann das Geld dafür da ist, weiß ich nicht«, sagt der Kirchenpfleger.

Der Restaurator wird vermutlich der nächste sein, der seinen Fuß auf den Dachboden der Kirche am Westerbuchberg setzten wird. Die Einsturzgefahr auf dem Dachboden ist zu groß, als dass Kirchenpfleger Klarwein dort jeden herumspazieren ließe. Sandra Schwaiger

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