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Kardinal Marx würdigte »riesige Herausforderung«

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Kardinal Reinhard Marx sprach den haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern des Ambulanten Hospizdienstes Traunstein ein herzliches »Vergelt’s Gott« für ihren Einsatz aus. Zuvor traf er sich im privaten Rahmen mit Alfonso und Anneliese Caruso (vorne links) aus Waging. Als Angehörige kam ihnen das Angebot des Hospizdienstes erst jüngst zugute. (Foto: Eder)

Waging am See – Die Arbeit von haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern des Ambulanten Hospizdienst Traunstein stellte Reinhard Kardinal Marx gestern bei seinem Besuch in Waging in den Mittelpunkt. In Waging traf sich der Erzbischof zunächst privat mit Alfonso und Anneliese Caruso, denen als Angehörige erst kürzlich die Arbeit des Hospizdienstes zugute kam. Die Helfer hatten sich um die inzwischen verstorbene Mutter bzw. Schwiegermutter des Ehepaares gekümmert.


In seiner Rede im Pfarrsaal bedankte sich Marx bei den rund 60 aktiven Mitarbeitern des Hospizdienstes, die im Landkreis Traunstein tätig sind. Der Erzbischof von München und Freising blickte um rund 30 Jahre zurück. Damals hatte er als junger Priester eine Tagung zum Thema »Hospiz« organisiert, die auf große Resonanz gestoßen sei. In jener Zeit habe die Hospizbewegung ihren Ursprung, die nach und nach auch in der Kirche aufgegriffen worden sei, so Marx. Seitdem seien viele ökumenische Hospiz-Gruppen entstanden, die fast flächendeckend Hilfe anbieten. Auch auf die zu Beginn schwierige Finanzierung ging der Kardinal ein, die anfangs nur über Spenden möglich gewesen sei.

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Marx bezeichnete es als eine »riesige Herausforderung« dafür zu sorgen, dass »Menschen begleitet und in Würde sterben können«. Möglich sei dies nur unter Mithilfe von Ehrenamtlichen, die viel Freizeit – erst für die nötige Ausbildung, dann für den ehrenamtlichen Hospizdienst – aufbringen. Marx lobte die große Zahl der im Landkreis Traunstein im Hospizdienst Aktiven.

Auch er erlebe, so der Kardinal weiter, dass sich Menschen durchaus ansprechen lassen und dann bereit seien, sich für andere einzusetzen. Weil aber dafür auch Geld notwendig ist, verwies Marx auf den deutschlandweit einmaligen »Hospiz- und Palliativfonds« der Erzdiözese München und Freising, der in den vier Jahren seines Bestehens bereits 1,2 Millionen Euro für Hospiz-Projekte zur Verfügung gestellt habe. Aber, so der Kardinal, »das Geld nützt nichts, wenn die Aktiven nicht da sind.«

Sebastian Heller aus Chieming, der als Fachreferent für Hospizarbeit beim Caritasverband in München tätig ist, benannte das Ziel dieses Treffens: Der Einsatz der Hospizhelfer solle hiermit einmal »ins Scheinwerferlicht gerückt werden«. Denn ansonsten finde deren »wunderbare und wertvolle Arbeit ja stets im privaten Bereich statt«. Heller informierte kurz über den Ambulanten Hospizdienst Traunstein, den es seit 20 Jahren gibt. Die drei hauptamtlichen Koordinatorinnen – Lisa Weßels, Christina Erl-Danhof und Christa Seitz – organisieren die rund 60 Mitarbeiter, die aktiv im Einsatz sind und pro Jahr um die 110 Begleitungen zu schultern haben.

Die Hospizhelfer begleiten schwerkranke und sterbende Menschen und deren Angehörige bis zum Tod und oft auch darüber hinaus. Der Dienst sei kostenlos und überkonfessionell. Darüber hinaus bietet der Hospizdienst Trauercafé und -wanderungen an, begleitet bei Bedarf in Zusammenarbeit mit dem Kinderhospizdienst Kinder nach Todesfällen von Eltern und leistet Bildungsarbeit.

Weg in den Hospizdienst erläutert

Lisa Weßels erläuterte die Ausbildung zum Hospizhelfer. Interessierte können zunächst den Grundkurs »Lebensbegleitung für Sterbende« besuchen, der offen für alle ist und sehr gut angenommen werde. Nach diesem »ersten Baustein« werden etwa alle drei Jahre Aufbauseminare angeboten; eine Teilnahme daran ist die Voraussetzung dafür, als Hospizbegleiter tätig zu sein. Die meisten Hospizhelfer seien Frauen, was nicht weiter verwunderlich sei: »Neben einem Vollzeitjob ist es schwer, Hospizbegleiter zu sein.«

Ist eine Hospizbegleitung nötigt, wird ein Mitarbeiter nach drei Kriterien ausgesucht: nach dessen zeitlicher Verfügbarkeit, dem Wohnort und nicht zuletzt danach, »wer am besten zu dem zu betreuenden Menschen passen könnte«.

Anschließend informierte sich Kardinal Marx bei den Hospizbegleitern über ihre Arbeit. Helga Wilhelmy, die seit 19 Jahren als Hospizbegleiterin tätig ist, betonte, dass man bei den Einsätzen nicht nur gebe, sondern auch viel zurückbekomme. Das sei wichtig für das eigene Leben: »Jede Begleitung ist anders, und man nimmt von jeder etwas mit.« Dabei sei die Hospizbegleitung durchaus »nicht immer nur traurig: Es gibt auch oft etwas zu lachen, und das ist etwas ganz Wertvolles.«

Auch der Vorsitzende des Netzwerkes Hospiz Südostbayern, Alois Glück, und Landrat Siegfried Walch nahmen an der Gesprächsrunde teil. Glück schilderte die Bemühungen um eine stationäre Hospizeinrichtung für die Landkreise Traunstein, Berchtesgadener Land, Rosenheim und die Stadt Rosenheim. Diese wollen eine gemeinsame Trägergesellschaft gründen – möglicherweise schon bis Jahresende, hofft Glück. Landrat Walch dankte den Hospizmitarbeitern für ihren Einsatz. he