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Herta Probst wird heute 100 Jahre alt

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Ruhpolding. Herta Probst, die Witwe des Widerstandskämpfers Christoph Probst, wird am heutigen Montag 100 Jahre alt. Als Mitglied der Widerstandsgruppe »Weiße Rose« war Christoph Probst am 22. Februar 1943 im Alter von 23 Jahren zusammen mit den Geschwistern Scholl vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und noch am gleichen Tag hingerichtet worden.


Christoph Probst wurde 1919 in Murnau geboren und zog mit seinen Eltern Anfang der 1930er Jahre nach Ruhpolding-Zell, wo heute eine Straße nach ihm benannt ist. Von 1932 bis 1935 war er Schüler am »Landerziehungsheim Marquartstein«, dem heutigen Staatlichen Landschulheim, wo eine Gedenktafel an ihn erinnert. Auch Herta Probst lebte ab Anfang 1940 mit ihrem Mann Christoph, den sie am 19. August 1941 im Ruhpoldinger Rathaus heiratete, in Ruhpolding.

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Trauzeuge war Alexander Schmorell, Christophs bester Freund, der ebenfalls 1943 hingerichtet wurde. Dem ersten Sohn der Probsts, Michael, 1940 geboren, folgte der zweite Sohn Vincent, der Ende 1941 in Zell im Hause Kaltenbacher zur Welt kam. Katharina, das dritte Kind der Probsts, kam Anfang 1943 zur Welt. Herta Probst lag im Kindsbettfieber im Tegernseer Krankenhaus, als ihr Mann ermordet wurde. Damals hatte sie ihren Wohnsitz ins tirolische Lermoos verlegt, um näher bei ihrem Mann zu sein, der in Innsbruck Medizin studierte.

Nach Kriegsende 1945 lebte Herta Probst mit ihren Kindern wieder einige Jahre in Ruhpolding, wo sie 1947 Helmut Siebler heiratete. Mit ihm zog sie nach Villingen. Herta Probst musste im Laufe ihres Lebens viele Schicksalsschläge verkraften: Ende April 1945 wurde auch ihr Vater Harald Dorn in München hingerichtet, als die amerikanischen Truppen schon vor der Stadt standen. Ihre Tochter starb mit 16 Jahren, vor vier Jahren starb ihr ältester Sohn Michael kurz vor einem Klassentreffen an der Ruhpoldinger Volksschule.

1993, nach dem Tod ihres zweiten Mannes, zog Herta Probst zu Sohn Michael nach Hechendorf am Pilsensee. Von dort kam sie jedes Jahr zu Besuch nach Ruhpolding, wo sie Luise Schweinöster (aus dem Haus Kaltenbacher) immer besuchte, zu der eine innige Freundschaft bestand, seit die Familie Probst in den 1930er und 1940er Jahren im Haus Kaltenbacher in Zell gewohnt hatte.

Hier konnte auch Ruhpoldings Altbürgermeister Herbert Ohl viele Stunden mit Herta Probst reden und Vieles über die Geschichte ihrer Familie erfahren. Er weiß auch, dass es der Witwe von Christoph Probst schon seit längerer Zeit aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr möglich ist, nach Ruhpolding zu kommen. Christoph Probst wäre heuer am 6. November 105 Jahre alt geworden. gi