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»Die Landwirtschaft erbringt öffentliche Leistungen«

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Regionale Produkte übergaben BBV-Kreisvorsitzender Sebastian Siglreithmayer (rechts) und BBV-Kreisgeschäftsführer Reinhard Lampoltshammer (links) an Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt.

Vachendorf – »Die Landwirtschaft lebt nicht von Almosen, sie erbringt öffentliche Leistungen und produziert gute Nahrungsmittel.« Diese Feststellung traf Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt beim Kreisbauerntag des Bayerischen Bauernverbands (BBV) im Festzelt, wo am Wochenende der Burschen- und Arbeiterverein Vachendorf sein 120. Jubiläum feiern und das Gaufest der Arbeiter- und Burschenvereine stattfinden wird.


»Die Kulturlandschaft muss gepflegt werden«

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Schmidt lobte die Schönheit des Chiemgaus, betonte aber, dass diese auch etwas mit der Landwirtschaft zu tun habe. Leider werde die Landwirtschaft in der Öffentlichkeit oft als Störfaktor angesehen. »Die Kulturlandschaft lebt nicht von selbst, sie muss gepflegt und genutzt werden«, sagte er. Man müsse der Gesellschaft deutlich machen, dass Landschaft kein Freilichtmuseum, sondern eine Erwerbsregion sei.

Man müsse wieder miteinander sprechen – er kämpfe dafür, dass mit den Betroffenen geredet und nicht gegen sie demonstriert werde, weil angeblich die Landschaft zerstört und die Tiere schlecht gehalten würden, so der Minister weiter. Die Landwirtschaft müsse das produzieren, was sie leisten könne.

Papst Franziskus habe über die Welternährung gesprochen. »Wenn diejenigen, die mehr können, nicht mehr produzieren, wird es schwer damit werden.« Schmidt bekannte sich deshalb zum Export landwirtschaftlicher Erzeugnisse. Demonstrationen wie aktuell an der deutsch-französischen Grenze gingen nicht. »Dass Lastwagen mit deutschen Produkten, die regulär nach Frankreich eingeführt werden, von Demonstranten ausgeräumt werden und die französische Polizei schaut zu, ist unmöglich«, so Schmidt. Zum Ausgleich der Sanktionen mit Russland sei man auf der Suche nach anderen Abnahmeländern wie China, Iran und die arabischen Staaten. Das Freihandelsabkommen könne nur nutzen, wenn Vorschriften begrenzt und Standards eingehalten würden. »Bei Wachstumsbeschleunigern machen wir nicht mit«, unterstrich er.

Wegen des Themas »Sickersaft« habe er bei der Anlagenverordnung seine Unterschrift verweigert, so Schmidt weiter. Bei der Düngeverordnung sei man beim Ausgleich zwischen Trinkwasser und Bodennutzung zu vernünftigen Regelungen gekommen. Es sei auch zu Erleichterungen gekommen. Durch intelligente Bewässerung müsse die Landwirtschaft sich auf den Klimawandel einstellen. Die Pflanzenschutzmittel, die man habe, werde man zu untersuchen haben. Bald werde es einige Pflanzenschutzmittel nicht mehr geben. Deshalb sei Forschung wichtig. »Was sie macht, ist anerkennenswert.«

Wettbewerb funktioniert nicht über den Preis

Die Landwirtschaft dürfe nicht nur billig produzieren, denn 80 Prozent der Verbraucher seien bereit, mehr zu bezahlen, aber wenn sie Lebensmittel billig bekämen, nähmen sie sie. Wettbewerb gehe nicht über den Preis, sondern über Qualität. Er werde in Brüssel darüber sprechen, was zu tun sei, damit der Markt wieder ins Gleichgewicht komme. Eine Milchquotenregelung werde es nicht wieder geben, denn sie habe in der Vergangenheit nicht geholfen. Die Mengensteuerung habe nicht funktioniert.

Es müsse aber Leitplanken geben, zum Beispiel beim Zusammenschluss von Erzeugern, ohne dass gleich das Kartellamt einschreite. Die Milchpreise seien in Bayern noch höher als in Norddeutschland. Bei der Milch sah er allgemein gute Zukunftschancen, weil die Weltbevölkerung wachse.

Auf die Rolle der Landwirtschaft im Landkreis Traunstein verwies Landrat Siegfried Walch. 41 Prozent des Landkreises seien landwirtschaftlich genutzte Flächen. Neben der Lebensmittelproduktion sei sie in der Landschaftspflege, im Tourismus und in der Energiegewinnung tätig. Der Landkreis habe den ersten Landwirtschaftsbeirat in Bayern eingeführt, um im gegenseitigen Austausch Handlungsspielräume zu nutzen. Dieser Landwirtschaftsbeirat habe den ersten Regionaltag veranstaltet, um der Bevölkerung die Vielfältigkeit und Hochwertigkeit landwirtschaftlicher Produkte zu zeigen.

Landwirtschaft von Familien und nicht von Investoren

Vachendorfs Bürgermeister Rainer Schroll erklärte, man könne sich glücklich schätzen, dass man noch Landwirtschaft von Familien und nicht von Investoren habe. Deshalb seien die Politiker aufgefordert, die Landwirtschaft zu schützen.

Die Gemeinde Vachendorf habe rund 700 Hektar landwirtschaftliche Fläche, sagte der BBV-Ortsobmann Markus Bierl. Die durchschnittliche Betriebsfläche betrage 38 Hektar. Es gebe 620 Milchkühe. Ein fairer Milchpreis sei gerechtfertigt, denn Qualität habe ihren Preis.

Die Landwirtschaft habe die schöne Region über Jahrhunderte geschaffen, stellte BBV-Kreisobmann Siglreithmayer fest. Er wandte sich gegen ruinöse Preise. Die Politik könne zwar keine Preise machen, aber die Rahmenbedingungen schaffen, dass die Landwirtschaft entsprechend wirtschaften könne. Zusammen mit dem Landwirtschaftsminister überreichte er den neuen Landwirtschaftsmeistern je einen Bierkrug. Dies waren Georg Gmeindl (Altenmarkt), Christian Kern (Tittmoning), Martin Lex (Pittenhart), Andreas Niedermaier (Truchtlaching), Josef Obermeier (Kirchanschöring), Josef Perreiter (Obing), Josef Siglreithmayer (Stein/St. Georgen) und Franz Wagner (Schnaitsee). Bjr