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Die eigenen Träume leben

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»Das Afrika-Experiment«, eine Multivisionsschau von Katja, Beppo und Flo Niedermeier, ist am Dienstag um 20 Uhr im NUTS zu sehen.

Bergen – »Ich hatte mich in meine Einzelteile aufgelöst. Ich existierte nicht mehr. Ich schien nur noch die Mutter 'so eines Kindes' zu sein.« So beschreibt Katja Niedermeier aus Bergen ihre Gefühlslage vor ihrem »Afrika-Experiment«, einer Reise mit Mann, Sohn Flo und Zelt durch den Süden des Kontinents. Die Reportage dazu ist am Dienstag um 20 Uhr im NUTS zu sehen.


Reisen, das war schon immer Katja Niedermeiers Leben, es bedeutete ihr alles. Gemeinsam mit ihrem Mann Beppo, den sie beim Biologie-Studium kennengelernt hatte, hatte sie Reisedokumentationen zu ihrem Beruf gemacht. Ende 2011 kam ihr Sohn Flo zur Welt. Er hat das Down-Syndrom. Drei Jahre verbrachte sie daheim, vermisste das Reisen, und besonders Afrika. Beppo reiste notgedrungen alleine.

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Die Voraussetzungen für eine Reise durch den Süden Afrikas mit Allrad und Dachzelt hätten damals ungünstiger nicht sein können. Flo war zu der Zeit in Therapie, weil er außer Brezen und Spaghetti Bolognese aus den Babygläsern nur einer Marke jegliche Nahrung verweigerte. »Alle Welt hat uns abgeraten, meine Eltern waren entsetzt«, sagt Katja Niedermeier im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt.

»Aber das größere Problem war die innere Stimme. Lass da was schief gehen«, sagt sie. Der Esstherapeut und der Kinderarzt waren es, die Mut machten. »Der Therapeut hat gesagt, 'bewegen sie sich, dann bewegt sich auch Flo'. Und Recht hatte er«, erinnert sie sich und lacht.

Im Flieger schnappte sich das essgestörte Kind Hühnchen und Kroketten seiner Mutter und schlief nach dem Essen satt und zufrieden ein. In Afrika angekommen, war es vor allem die Unvoreingenommenheit, mit der man Flo begegnete, und die Offenheit und das Strahlen, mit denen er den Afrikanern begegnete, die seine Eltern begeisterten.

Natürlich hätten die Menschen gemerkt, dass Flo anders ist als andere Kinder, sagt Beppo Niedermeier. »Aber das ist dem Afrikaner wurscht. Der verbiegt sich nicht, um politisch korrekt zu sein, anders als bei uns, wo manche Leute schon gar nicht wissen, wie sie auf den Flo zugehen sollen vor lauter korrekt sein wollen.« Diese Unverkrampftheit im Umgang mit behinderten Menschen, die sie in Afrika gefunden haben, würden sich beide auch hier wünschen.

»Aber keine Sorge, wir erwähnen das Down-Syndrom in der Reportage genau einmal, dann geht es um das Land und endlich mal nicht um das Down-Syndrom«, sagt Beppo Niedermeier. Ihr gemeinsamer Weg durch Afrikas Süden wurde vor allem eine Reise zurück zu sich selbst. Die Produktion erzählt deshalb auch von dem Mut, den man manchmal im Leben braucht, um trotz aller Widrigkeiten seine Träume zu leben. Ein Plädoyer, sich auf den Weg zu machen.

Und so handelt die Reportage von Afrikas Menschen, Tieren und grandiosen Landschaften. Durch das wüstenhafte Namibia geht es in das tierreiche und wilde Botswana und zu den majestätischen Victoria-Fällen. Auch die zwei kleinen Königreiche Swasiland und Lesotho sowie die »Rainbownation« Südafrika repräsentieren die Vielfalt des südlichen Afrikas. Karten gibt es bei allen Vorverkaufsstellen, im NUTS oder unter Telefon 08662/66 41 96. coho