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Foto: dpa/Symbolbild

Betrunken tödlichen Unfall verursacht – Gerichtsurteil

Nach Alkoholkonsum auf einer Baustelle fuhr ein VW-Lenker nahe Obing von hinten einen Traktor an. Das landwirtschaftliche Fahrzeug überschlug sich und begrub den 31-jährigen Mann am Steuer unter dem Überrollbügel. Wegen fahrlässiger Tötung sowie fahrlässiger Straßenverkehrsgefährdung verurteilte das Amtsgericht Traunstein mit Richter Wolfgang Ott den Unfallverursacher (55) jetzt zu 15 Monaten Freiheitsstrafe. Bewährung versagte das Gericht – unter Verweis auf generalpräventive Gründe.


Der geständige und reuige Angeklagte, ein selbstständiger Handwerker, kam am 7. Dezember 2020 von einer Baustelle in Tacherting, wo er nach seiner Erinnerung vier Bier getrunken hatte. In der Dunkelheit übersah er den vorschriftsmäßig beleuchteten Traktor, der mit den erlaubten 25km/h vor ihm auf der Kreisstraße TS 8 in gleicher Richtung unterwegs war. Der 55-Jährige leitete noch ein Ausweichmanöver ein, konnte aber den Zusammenprall nicht mehr verhindern. Mit einer Geschwindigkeit von 70 bis 80 km/h erfasste der Wagen des 55-Jährigen das linksseitige Heck des Bulldogs. Der Traktor geriet in das Erdreich neben der Fahrbahn und überschlug sich. Der 31-Jährige kam mit dem Oberkörper unter dem Überrollbügel zum Liegen. Letztlich war sein Leben nicht mehr zu retten. Das Unfallopfer verstarb wenige Tage später im Klinikum Traunstein an den Folgen der Brustkorbkompression. Staatsanwältin Barbara Miller ging von einer Alkoholisierung des Unfallverursachers, rückgerechnet auf die Unfallzeit, von 1,38 Promille aus.

Vier Personen, drei Männer und eine Frau, trafen damals an der Unfallstelle ein. Der Motor des havarierten Bulldogs lief noch. Den Ersthelfern gelang es nicht, den eingeklemmten Fahrer, der bereits kein Lebenszeichen mehr von sich gab, zu befreien. Der Traktor war auch nicht mittels Schneestangen zu bewegen. Einer der Helfer rief seinen in der Nähe wohnenden Onkel an, der mit einem schweren Frontlader anrückte. Mittels einer Eisenkette gelang es, den Bulldog aufzustellen. Dann waren auch schon Feuerwehrleute aus Obing und andere Einsatzkräfte da.

Der Angeklagte ließ über seinen Verteidiger, Julian Praun aus Traunreut, erklären, ihm tue das Geschehene »unendlich leid«. Er müsse mit dem Schuldvorwurf leben. Die Anklageschrift treffe in allen Punkten zu. Er habe den Traktor übersehen – warum, wisse er nicht. Sein Auto sei technisch in Ordnung gewesen. An die im Gerichtssaal anwesenden Eltern des Verstorbenen richtete der Angeklagte unter Tränen persönliche Worte der Entschuldigung: »Es tut mir furchtbar leid, dass ich Ihren Sohn aus dem Leben gerissen habe.« Nebenkläger in dem Verfahren waren die Lebensgefährtin und die minderjährige Tochter des Opfers, vertreten durch Rechtsanwältin Dr. Christina Kosanovic aus Rosenheim.

Der unfallanalytische Gutachter Andreas Thalhammer aus Schechen erläuterte, der sichtbar beleuchtete Traktor sei eher ganz rechts gefahren. Für den Angeklagten sei der Unfall vermeidbar gewesen. Zumindest zwischen 50 und 75 Metern vorher hätte er den Bulldog erkennen können. Das Fahrzeug anzuheben, sei den Zeugen unmöglich gewesen. Die Last auf dem Opfer umriss der Gutachter mit rund 600 Kilogramm.

Der Biomechaniker Professor Dr. Jiri Adamec vom Rechtsmedizinischen Institut an der Universität München unterstrich, der 31-Jährige habe Reihenbrüche der Rippen und eine Lungenverletzung erlitten. Eigentliche Todesursache sei keine schwere strukturelle Verletzung, sondern eine »Sauerstoffmangelversorgung« gewesen. Durch das Gewicht von etwa 600 Kilogramm auf dem Brustkorb seien Atembewegungen unmöglich geworden. Dadurch hätten die Organe zu wenig Sauerstoff bekommen. Die Notärzte hätten zwar den Kreislauf wieder herstellen können. »Doch die Schäden waren schon zu groß«, betonte Dr. Adamec.

Staatsanwältin Barbara Miller hielt dem Angeklagten sein vorstrafenfreies Leben und seine glaubhafte Reue zugute. Zu seinen Lasten seien zum Beispiel die hohe Alkoholisierung und die Folgen zu sehen. Eine Freiheitsstrafe von 18 Monaten sei aus generalpräventiven Gründen nicht zur Bewährung auszusetzen.

Von einem »echten Drama für alle Beteiligten« sprach Opferanwältin Dr. Christina Kosanovic. Doch sei der tatsächliche Grund für den Unfall die hohe Alkoholisierung des 55-Jährigen gewesen. Ein junger Familienvater sei »völlig unnötig zu Tode gekommen«.

Verteidiger Julian Praun hob hervor, sein Mandant empfinde große Reue und leide selbst bis heute unter der Tat. Eine Freiheitsstrafe von circa einem Jahr sei ausnahmsweise zur Bewährung auszusetzen. Im »letzten Wort« beteuerte der Angeklagte: »Ich habe seit jenem Tag keinen Alkohol mehr getrunken und werde es auch nie mehr tun. Ich möchte kein Leben mehr zerstören.«

Der 55-Jährige sei absolut fahruntüchtig gewesen, stellte Richter Wolfgang Ott im Urteil fest. Er habe den Traktor zu spät erkannt und sei aufgefahren: »Wenn der Angeklagte rechtzeitig gebremst hätte, wäre nichts passiert.« Jährlich gebe es 250 Tote durch alkoholisierte Fahrer. Daher sei nur eine unbedingte Freiheitsstrafe möglich, so der Vorsitzende. Der 31-Jährige trage keinerlei Mitschuld. In der Strafzumessung berücksichtigte Richter Ott strafmindernd auch eine »Verkettung unglücklicher Umstände«.

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kd

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