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Auf dem Kirchenfriedhof sind wieder Bestattungen möglich

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Der Kirchenfriedhof in Traunwalchen wurde wieder aktiviert. Seit Januar sind dort nach 45 Jahren wieder Bestattungen möglich. Eine Urnenumbettung vom städtischen Friedhof in Traunwalchen in den Kirchenfriedhof fand bereits statt. Einen Grabstein für die neue Grabstätte, an der im Moment ein Holzkreuz und Blumen an die Verstorbene erinnern, hat der Ehemann der Verstorbenen bereits bestellt. (Foto: Rasch)

Traunreut – Auf dem Grab auf der Südseite des Kirchenfriedhofs in Traunwalchen erinnert ein Holzkreuz an die Verstorbene. Die Grabstätte ist mit kleinen Holzklötzchen abgesteckt.


Davor stehen eine Blumenschale und eine Laterne, in der eine Kerze brennt. »Es muss alles erst noch hergerichtet werden. Den Grabstein hab' ich schon bestellt«, erklärt Grabbesitzer Josef Falter. Der Oderberger hat die Urne mit der Asche seiner Frau vom städtischen Friedhof Traunwalchen in den kirchlichen Friedhof umbetten lassen. Seit Jahresanfang sind nämlich im kirchlichen Friedhof an der Pfarrkirche Mariä Geburt nach 45 Jahren wieder Bestattungen möglich. Aus Platzgründen stehen aber nur Urnengräber zur Verfügung.

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»Einer muss ja der Erste sein«

Nach dem bekannt geworden war, dass eine Bestattung im Kirchenfriedhof wieder möglich ist, entschied sich Falter dafür, die im städtischen Friedhof abgelaufene Ruhezeit nicht mehr zu verlängern und sich als erster eine neue Familiengrabstätte im kirchlichen Friedhof zu sichern. »Als ich davon erfahren habe, dass im Kirchenfriedhof wieder Bestattungen möglich sind, habe ich die Umbettung in die Wege geleitet. Einer muss ja der Erste sein«, sagt er. Den Platz habe er sich aussuchen können, sagte er dem Traunsteiner Tagblatt. Er entschied sich für den südlichen Bereich des Gottesackers, nahe dem Priestergrab unter den Arkaden.

Der Gedanke, den Kirchenfriedhof wieder zu aktivieren, war vor einigen Jahren von der Kirchenverwaltung aufgegriffen worden. Vor allem dem rührigen Kirchenpfleger Roland Huber ist es zu verdanken, dass dort jetzt wieder Bestattungen möglich sind. Mit der Inbetriebnahme eines neuen städtischen Friedhofs im Traunwalchner Unterdorf 1972 erlosch das Recht auf eine Bestattung im Kirchenfriedhof. Trotzdem werden bis heute die dort vorhandenen Familiengräber liebevoll gepflegt. Viele Gräber wurden aber aufgelöst und an einigen Stellen erinnert nur noch ein Grabkreuz oder ein Grabstein an die Verstorbenen.

Vor rund zwei Jahren wurden die Grabbesitzer und Familienangehörigen in einem Aufruf darum gebeten zu entscheiden, ob sie ihre Grabstätte für immer auflösen oder weiter erhalten wollen. Daraufhin wurde der aktuelle Bestand aufgenommen und mit Genehmigung des Erzbischöflichen Ordinariats ein Friedhofsplan erstellt, der auch in der unlängst stattgefundenen Pfarrversammlung vorgestellt wurde.

Insgesamt stehen rund 230 freie Grabplätze in drei Kategorien zur Verfügung: 160 auf dem freien Feld und je 35 Wand- beziehungsweise Arkaden-Gräber. Die Zuständigkeit liegt in den Händen der Pfarrei. In einer neuen Friedhofsordnung, die nach Angaben des Kirchenpflegers ebenfalls mit dem Ordinariat abgestimmt wurde, sind die Bestimmungen klar festgelegt. »Sich einen Platz im Voraus zu reservieren gibt es eigentlich nicht«, erklärt Huber.

Die Ruhezeit sei auf 15 Jahre festgelegt worden und es gebe auch feste Preise, die ab einer Bestattung im Voraus für die Länge der Ruhezeit entrichtet werden müssen. Die Preise sind je nach Kategorie gestaffelt: Ein Grab auf dem freien Feld kostet 70 Euro im Jahr, eine Grabstätte an der Wand (Kirchenmauer) 75 Euro im Jahr und ein Grab unter den Arkaden 80 Euro im Jahr. Angehörige, die ihr bestehendes Grab weiterhin behalten wollen, müssen im Jahr 20 Euro für den Friedhofsunterhalt bezahlen.

Charakter des Gottesackers soll erhalten bleiben

Umgestaltungsmaßnahmen wie die Errichtung von Kieswegen sind im Moment nicht geplant, sagt Huber. »Aktuell soll alles so bleiben. Wenn mit der Zeit mehr Gräber belegt sind, kann sich an der Gestaltung schon was ändern.« Der Kirchenpfleger legt großen Wert darauf, dass der Charakter des denkmalsgeschützten Gottesackers erhalten bleibt. So unterliegen auch neue Grabmäler einer Gestaltungsordnung. Neben der Kirchenmauer, der Aussegnungshalle und einigen Gräbern stehen in dem Ensemble auch die Kirchentreppen unter Denkmalschutz. Auch das Kriegerdenkmal befindet sich im Friedhof.

Huber ist mit dem Erreichten zufrieden und fügt an: »Die Bevölkerung ist es auch.« Mehrfach hatten Traunwalchner ihm gegenüber den Wunsch geäußert: »Ich möchte hier oben begraben werden.« ga