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Im Himmel ist es einfach zu schön

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Der Boandlkramer (Herbert Fuchs, rechts) genießt den Kerschgeist, den ihm der Brandner Kaspar (Konrad Seehuber) anbietet, in vollen Zügen. (Foto: H. Eder)

Waging am See – Ein traumhaftes, üppig ausgestattetes Paradies, als Gegenstück eine rustikale einfache Kuchl und als Tüpferl aufs »i« eine rasante Himmelfahrt: Allein schon das Bühnenbild, das die Kreativen des Theatervereins Otting in dreimonatiger Arbeit geschaffen haben, macht ihre Aufführung des Brandner-Kaspar zu etwas Besonderem.


Die Schauspieler passten sich der Umgebung an und füllten ihre Rollen mit Herzblut aus, allen voran Herbert Fuchs als sehr menschlicher Boandlkramer und Konrad Seehuber als Kaspar Brandner, der durch Schicksalsschläge vom fröhlichen Jäger, Schützenkönig und Büchsen-Reparateur zu einem einsamen alten Mann wird.

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In der Bearbeitung von Anderl Haberlander haben die Ottinger das Stück von den vielen Drumherum-Geschichten befreit, wie man sie von der Theaterfassung nach Kurt Wilhelm kennt, einem Ururgroßneffen des Verfassers Franz von Kobell. So konzentriert sich die Handlung auf den Kern: Der Boandlkramer holt zunächst Kaspar Brandners Frau Traudl und will wenig später auch ihn in die Ewigkeit mitnehmen. Das aber erscheint dem lebenslustigen 70-Jährigen viel zu früh: Er macht den Boandlkramer mit Kerschgeist betrunken und luchst ihm beim Kartenspiel die Zusage ab, ihn erst mit 90 Jahren zu holen.

Später wird der Schwindel im Himmel aufgedeckt. Auf Befehl von Petrus begibt sich der Boandlkramer also wieder auf die Erde, um den längst Überfälligen endlich zu holen. Dieser lässt sich immerhin dazu überreden, einen kurzen Blick ins Paradies zu werfen, wo er seine Frau, seine Söhne und andere Verwandte wiedersieht – was ihn sehr freut. So sehr, dass er einfach da bleibt.

Bilder von der ersten Aufführung:

Für den Ottinger Theaterverein galt somit Wilhelms Mahnung nicht, der in seinen Regieanweisungen geschrieben hatte, dass der Aufstieg des Brandner-Kaspar und des Boandlkramer »durch Wolken, Blitz und Donner immer weiter gen Himmel« nur für »große Bühnen mit modernster technischer Einrichtung« geeignet sei. Dieser Aufstieg mit dem Pferdefuhrwerk und dem Sarg hinten drauf auf dem Wagen war ein optisches wie akustisches Erlebnis für die Besucher.

In der Stubn liegt anfangs die kranke Traudl (Sylvia Obpacher) im Sterben – erster Auftritt des Boandlkramers. Wenig später, der Brandner trauert um seine Frau – zweiter Auftritt des Boandlkramers. Beredt schildert der Brandner seinem unwillkommenen Gast, dass er unmöglich Zeit habe zum Sterben, das ganze Jahr über sei schließlich viel zu viel zu tun. Dank des Kerschgeists kommt es zum Kartenspiel. Gewinnt der Tod, geht der Brandner mit ihm mit, gewinnt er, darf er noch 20 Jahre auf der Erde bleiben.

Jahre gehen ins Land – die Szenen werden von den Melodien einer fünfköpfigen Abordnung von Jung-Otting voneinander getrennt – der Brandner verzweifelt am Leben, sind doch nach seiner Frau auch die Söhne im Krieg gefallen und auch das Marei (Magda Schmid), die ihm im Haushalt hilft, kommt ums Leben.

Derweil kommt es im Himmel zu detektivischen Ermittlungen – da fällt nämlich dem Petrus (Sepp Thaler) auf, dass der Brandner schon längst im Himmel sein müsste, was aber nicht der Fall ist. Der Boandlkramer ist mit ausreichend schlechtem Gewissen auch bald zur Stelle. Mit allerlei Ausflüchten versucht er seine Rolle in der Betrügerei auszuräumen, ohne Erfolg: Vom Petrus wird er mächtig angeraunzt, die Sache umgehend in Ordnung zu bringen.

So begibt er sich wieder auf die Erde, kommt in die Kuchl des Brandner, lässt sich wieder einen Kerschgeist schmecken und kriegt den Brandner letztlich dazu, wenigstens mal mit ihm in den Himmel hochzufahren, um sich selbst anzuschauen, wie es dort ist. Nach der eindrucksvollen Himmelfahrt darf der Brandner per Fernrohr einen Blick ins Paradies werfen, sieht dort Frau und Söhne und will nicht mehr zurück auf die Erde.

Im Ottinger Himmel ist es auch zu schön. Man sitzt am Tisch, trinkt Bier, drischt Karten, lässt den Herrgott sprichwörtlich einen guten Mann sein. Ermahnungen von »ernsteren« Engeln prallen ab, heilige Musik wird eher als störend empfunden.

Hier spielt sich das letzte Kapitel ab. Nach einem Blick in die Lebenschronik des Brandner wird ihm der sofortige Eintritt in den Himmel gewährt, ohne Umweg ins Fegfeuer. Auch seine Betrügerei beim Kartenspiel wird ihm nach Rücksprache mit »ganz oben« verziehen: Petrus berichtet, dass »die Trinität, und die Maria war auch dabei«, herzlich darüber gelacht habe und ihm das nicht als Sünde anrechne. Langer Beifall lohnte die Leistung der Schauspieler wie auch all deren, die im Hintergrund arbeiteten.

Die weiteren Aufführungen sind am heutigen Mittwoch, am Freitag, am Sonntag und am Dienstag, 26. Juni, sowie am Mittwoch, 4. Juli, und zusätzlich am Samstag und Sonntag, 7. und 8. Juli, jeweils um 20.30 Uhr im Pfarrstadel. Das Spiel beginnt in einem benachbarten Stadel, von dem aus die Zuschauer in den Pfarrstadel hinüberziehen. Bereits ab 19.30 Uhr trifft man sich nebenan bei musikalischer Unterhaltung und Bewirtung. Karten gibt es im Vorverkauf von 8 bis 12 Uhr unter 0700/88 68 84 64. he