Stoßlüften in den Schulen: Probleme beim Anbau der Ludwig-Thoma-Grundschule

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Nur kippen lassen sich die Fenster des Anbaus der Ludwig-Thoma-Grundschule. Das reicht in Zeiten von Corona nicht aus. Deshalb wurden für die vier Klassenzimmer Luftreinigungsgeräte angeschafft und aufgestellt. (Foto: Reiter)

Traunstein – Wie gut kann in öffentlichen Gebäuden – und hier vor allem in Schulen und Kindergärten – der Großen Kreisstadt gelüftet werden?

Mit dieser Frage beschäftigte sich der Traunsteiner Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung. Das Ergebnis: Probleme gibt es eigentlich nur in den vier Klassenzimmern des Erweiterungsbaus der Ludwig-Thoma-Grundschule. Seit Schuljahres­beginn sind diese Klassenzimmer deshalb mit Luftreinigungsgeräten ausgestattet.

Dieser Anbau lässt sich – wie eine Erhebung der Stadtverwaltung in allen Gebäuden ergab – nicht ausreichend belüften, da die großen Fenster nicht zu öffnen sind. Lediglich die kleinen Fenster lassen sich kippen, was aber in Zeiten von Corona als nicht ausreichend gilt. Deshalb wurden hier vier Lufreinigungsgeräte angeschafft. Ein Gerät kostete 3500 Euro, wie Kämmerer Reinhold Dendorfer im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatts sagte.

Schulen und Kindergärten sollten in Räumen grundsätzlich alle 45 Minuten stoßlüften beziehungsweise querlüften – und das für mindestens fünf Minuten. Eine Kipplüftung habe sich als weitgehend unwirksam herausgestellt, wie es in der Beschlussvorlage heißt.

Sei ein Querlüften nicht möglich, müsse durch längeres Lüften oder durch Öffnen von Türen ausreichend Luftaustausch ermöglicht werden. Wichtig sei des Weiteren auch das Reinigen von Oberflächen, vor allem auch der Türklinken, der Lichtschalter oder der Handläufe zu Beginn oder am Ende eines Schultags.

»Da, wo wir verantwortlich sind, sind wir gut ausgerüstet«, betonte Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer. »Wir geben unser Bestes, damit das Infektionsrisiko am geringsten ist.«

Dr. Patrick Nepper (Grüne) fragte, ob nicht noch mehr getan werden könnte – wie etwa das Aufstellen von Plexiglasscheiben auf den Tischen und Luftreinigungsgeräte für alle Klassenzimmer. »Jetzt kommt die kalte Zeit. Da kann das Lüften sehr unangenehm sein«, gab er eine Sorge von Eltern weiter.

Grundsätzlich sei man für alles offen, was sinnvoll sei, betonte der Rathauschef. »Aber es muss passend sein. Und die Lehrer müssen es wollen.« Es wäre auch möglich, noch weitere Räume zur Verfügung zu stellen – doch es habe sich herausgestellt, dass das im Schulalltag gar nicht so einfach umzusetzen sei. Wichtig sei, nicht in sinnlosen Aktionismus zu verfallen, »sondern das zu machen, was unter pädagogischen Gesichtspunkten und als Infektionsschutzmaßnahme richtig ist«, so Hümmer.

Denis Holl (SPD/Die Linke) sprach ein Beispiel aus einer Mainzer Schule an, wo mit einfachsten Mitteln Luftreinigungsgeräte mit Material aus dem Baumarkt gebaut worden seien. Das habe pro Klassenzimmer nur 200 Euro gekostet und lasse laut des Beitrags, den er gesehen habe, 90 Prozent der Aerosole verschwinden.

»Diese Idee nehmen wir gerne mit auf«, betonte Oberbürgermeister Christian Hümmer. – Behandelt worden war der Punkt nach einer Anfrage von Stadtrat Konrad Bauer (CSU) in der September-Sitzung. Er wollte angesichts der Corona-Ausbreitung wissen, wie es um die Be- und Entlüftungsmöglichkeiten in öffentlichen Gebäuden stehe – und hier vor allem in Bezug auf die Schulen, Kindergärten und Kindertageseinrichtungen in Trägerschaft der Großen Kreisstadt.

Neben der vier Lüftungsgeräte für den Anbau der Ludwig-Thoma-Schule seien Kindergärten und Schulen auch mit 20 C02-Sensoren ausgestattet worden, die melden würden, wann gelüftet werden sollte, sagte Kämmerer Reinhold Dendorfer. KR

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