Stadtrat stellt Weichen für neues Baugebiet in Seiboldsdorf

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Ein neues Baugebiet in Seiboldsdorf auf Höhe des Kreisverkehrs plant die Stadt Traunstein. (Foto: Pültz)

Traunstein – Zwei Weichen in der Diskussion um die Ausweisung von Bauland in Traunstein hat der Stadtrat am Donnerstagabend im Landratsamt gestellt. Zum einen hat er den Rahmen für die beabsichtigte Bebauung in Seiboldsdorf abgesteckt, eine Planskizze gebilligt und beschlossen, auf dieser Grundlage einen Entwurf für einen Bebauungsplan zu erarbeiten. Zum anderen hat er dem Vorhaben, das die Chiemgau-Residenzen GmbH in der Daxerau plant, einen Riegel vorgeschoben und sich entschieden, die beiden Verfahren zur Aufstellung des Bebauungsplans und zur Änderung des Flächennutzungsplans einzustellen. Beide Weichenstellungen erfolgten in einem Beschluss, den der Stadtrat mit 23 Ja- und sieben Nein-Stimmen fasste.


Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer (CSU) sprach von der Hochwassergefahr in der Daxerau. Er erläuterte, dass er seit 15 Monaten im Amt sei – und in dieser Zeit sei er nach starken Regenfällen bereits zweimal mit Gummistiefeln und Regenjacke zusammen mit dem Katastrophenschutz des Landkreises in diesem Gebiet gestanden. »Wir müssen die Natur verstehen lernen«, forderte der Oberbürgermeister ein Umdenken in der Frage der Bebauung in der Daxerau. Er sagte, dass ihn die Ereignisse »sehr nachdenklich« gestimmt hätten – und dass er die Botschaft verstanden habe.

»Nach allem, was wir erlebt haben,« schlug er vor, aus dem laufenden Bebauungsplanverfahren für die Entwicklung eines Wohngebiets in der Daxerau mit einer beabsichtigten Versiegelung von 15.000 bis 16.000 Quadratmetern auszusteigen. Allein der Blick ins Berchtesgadener Land zeige, »wir können nicht sicher sein, dass wir verschont bleiben«. Am Wochenende 16. und 17. Juli sei eine Hochwasserwarnung für die Traun bis Meldestufe vier ausgegeben worden. Dass die vorhergesagte Katastrophe dann nicht in Traunstein – sondern »einige Kilometer« entfernt – eingetreten sei, sei »nichts anderes als Glück« gewesen.

»Es macht großen Sinn, gemischt zu denken«

Mit der Ablehnung des Vorhabens in der Daxerau bestehe erst recht die Notwendigkeit, anderswo – in Seiboldsdorf – für eine Bebauung zu sorgen. »Wir wissen alle, dass wir einen unheimlichen Bedarf an Wohnraum haben«, so Hümmer. Stark nachgefragt seien vor allem Einfamilien- und Reihenhäuser. 171 Bewerbungen seien für die Parzellen in Traunstorf eingegangen, nur 21 Interessenten seien zum Zug gekommen. Im Vergleich nicht so hoch sei die Nachfrage nach städtischen Vier-Zimmer- und noch größere Wohnungen. Auf der Warteliste stünden 18 Interessenten. Vor diesem Hintergrund mache es »ganz großen Sinn, in Seiboldsdorf gemischt zu denken«. Auf der einen Seite sei Geschoßwohnungsbau wünschenswert, auf der anderen sei der Errichtung von Einfamilien- und Kettenhäusern der Weg zu ebnen.

Das neue Baugebiet Seiboldsdorf ist laut Hümmer 3,6 Hektar groß, 60 Prozent der Fläche gehören der Stadt, 40 Prozent liegen in privatem Eigentum. Geplant seien insgesamt rund 120 Wohneinheiten. Der Oberbürgermeister will zügig vorankommen und strebt an, wie er sagte, bereits im nächsten Jahr die Vergabe zu starten. Er erläuterte, dass unter anderem ein Vierseithof, ein Parkstadel und ein Dorfplatz geplant seien – ein Parkstadel deshalb, weil den Anwohnern jeweils die Möglichkeit zu geben sei, zusätzlich zu einem Parkplatz, den sie auf ihrem Grundstück darstellen, einen zweiten zu bekommen.

Nils Bödeker (SPD/Die Linke) berichtete, dass die Stadträte schon sehr oft über die Planung gesprochen hätten. Zum einen forderte er dazu auf, dass der beabsichtigte Anschluss des Baugebiets an den Öffentlichen Personennahverkehr »wirklich reinkommt«. Zum anderen schlug er vor, zu prüfen, ob denn das eine oder andere Grundstück in einer Größe von 500 oder 600 Quadratmetern verkleinert werden kann – in der Zielsetzung, unterm Strich dann die Zahl der Parzellen insgesamt zu erhöhen. Peter Forster (ebenfalls SPD/Die Linke) regte an, Gehwege mit einzuplanen, die aus den Höfen 1 und 2 nach Süden aus der Siedlung führen.

Wilfried Schott (Bündnis 90/Die Grünen) forderte – sein Antrag fand dann aber keine Mehrheit – eine getrennte Abstimmung zum einen zur Daxerau und zum anderen zu Seiboldsdorf. Mit der Einstellung der Verfahren in der Daxerau sei er einverstanden, mit der Planung für Seibolddorf hingegen nicht. Denn ursprünglich seien drei Vierseithöfe mit jeweils der Möglichkeit, viele Wohnungen darzustellen, geplant gewesen, übrig geblieben sei nur noch einer. Im Süden wäre ein weiterer möglich – wobei dann aber der Bau von Einfamilienhäusern gestrichen werden müsste. Schott: »Wir hätten dann deutlich mehr Wohnungen.«

Hümmer entgegnete ihm zum einen, dass im Falle einer Überarbeitung der Planskizze »sehr viel Zeit« verloren gehe. Und zum anderen erinnerte der Oberbürgermeister an den hohen Bedarf an Einfamilien- und Kettenhäusern. Und er sah die Gefahr, dass Einheimische, die kein Angebot unterbreitet bekommen, aus Traunstein wegziehen und sich den Traum von den eigenen vier Wänden dann anderswo erfüllen.

Projekt hat an Leuchtkraft verloren

Thomas Stadler (Bündnis 90 / Die Grünen) erinnerte an die Fahrten nach Brannenburg und Weyarn. Von den dortigen Projekten habe sich der Stadtrat inspirieren lassen, auch in Traunstein ein alternatives Projekt zu schaffen und einen »Leuchtturm« zu setzen. Ursprünglich sei von 170 Wohneinheiten die Rede gewesen, jetzt jedoch nur noch von 120. Die ersten Überlegungen seien sehr ansprechend gewesen – was man von den nun vorliegenden nicht mehr behaupten könne. Die Leuchtkraft des Projekts sei zur Hälfte verschwunden.

In das gleiche Horn stieß Dr. Patrick Nepper (ebenfalls Bündnis 90 / Die Grünen). Mit der jetzt vorliegenden Planung verfehle die Stadt das Ziel, Wohnraum gerade für die mittleren und unteren Einkommen zu schaffen, bedauerte auch er, dass nun nur noch ein Vierseithof angedacht ist. »Ich hätte mir mehr Mut für eine nachhaltige Stadtplanung gewünscht.«

»Alles, was wir in Weyarn gesehen haben, können wir machen«, betonte hingegen der Oberbürgermeister. Er forderte dazu auf, »bitte nicht so zu tun, als ob ein reines Einfamilienhaus-Gebiet entstehen würde«.

»Wir wollen ambitionierte Ziele erreichen«, unterstrich Konrad Baur (CSU). Zum einen meinte er: »Wir sagen klar, dass wir in der Daxerau nicht bauen können.« Zum anderen führte er aus, dass die Stadt nun in Seiboldsdorf Angebote schaffen müsse. Die Mischung an Wohnformen sei »perfekt«, sagte er mit Blick auf die Nachfrage. Baur fordert dazu auf, »möglichst viele zu bedienen«.

Zweite Bürgermeisterin Burgi Mörtl-Körner (Bündnis 90 / Die Grünen) meinte, die Verfahren für eine Bebauung in der Daxerau einzustellen, sei »absolut richtig«. Die Grünen hätten sich von Anfang an gegen eine Bebauung in den Flussauen ausgesprochen. Sie bedauerte, dass in Seiboldsdorf nur noch ein Vierseithof übrig geblieben sei und sprach von einer »verpassten Chance, auch einmal eine alternative Siedlung zu schaffen«.

Stefan Namberger (CSU) konnte nicht verstehen, »dass man jede Beschlussvorlage schlechtredet«. Er sprach von einem »guten Kompromiss«.

»Wir können bezahlbaren Wohnraum für Familien anbieten«, stellte sich auch Georg Osenstätter (Initiative Traunstein) hinter die Planung. Die Mischung an verschiedenen Wohnformen sei der »beste Kompromiss, den wir finden konnten«.

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