Nach zweitem Badeunfall im Traunsteiner Schwimmbad: Oberbürgermeister ehrt Lebensretterinnen

Bildtext einblenden
Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer ehrte Anna de Filippo und Rebecca Großmann (rechts), die einen vierjährigen Buben vor dem Ertrinken gerettet haben. (Foto: Reiter)

Traunstein – Es waren dramatische Minuten im Traunsteiner Freibad, die die beiden Retterinnen eines vierjährigen Buben emotional noch immer mitnehmen. Rebecca Großmann (19) und Anna de Filippo (38) haben Tränen in den Augen, als sie über den Vorfall am vergangenen Donnerstag sprechen (wir berichteten). 


Beide waren an diesem Tag im Traunsteiner Freibad, als sie plötzlich eine Mama fürchterlich schreien hörten. »Zunächst dachte ich, da schimpft jemand sein Kind«, sagt Anna de Filippo, die selbst drei Kinder hat und sich zunächst nicht sonderlich wunderte. Sie stand zusammen mit einer Freundin im Nichtschwimmerbecken. Und auch Rebecca Großmann schaute sich aufgrund der Schreie um. Auch sie war im Nichtschwimmerbecken etwas weiter entfernt von dem Buben, der mit dem Kopf nach unten im Wasser trieb.

Beide Frauen sagen, dass es sehr schwer einzuschätzen sei, was da im Becken tatsächlich vor sich gehe. »Da sind ja viele Kinder im Wasser. Man weiß nicht: Tauchen sie, wollen sie einfach nur schauen, wie lange sie die Luft anhalten können... Eine Mama war mit ihrem Kind direkt neben dem Buben, aber sie hat nichts bemerkt«, erinnert sich die 19-Jährige. Und auch die 38-Jährige betont, dass sie zunächst gedacht habe, der Junge mache nur Spaß. Aufgrund der Schreie – die Mama des Vierjährigen war auf der anderen Seite des Beckens und rannte panisch los – habe sie den Bub einfach gepackt. »Eigentlich dachte ich, der schaut mich jetzt gleich ganz verwirrt an, was die fremde Frau da macht. Aber er war ganz blau im Gesicht.«

»Ich war so froh, dass sie da war«

Zusammen mit Rebecca Großmann hat sie den Vierjährigen, den beide älter eingeschätzt hätten, aus dem Becken gezogen. »Ich war so froh, dass sie da war«, sagt Anna de Filippo über Rebecca Großmann. »Sie wusste, was zu tun ist.« Die 19-Jährige hat sofort nachgesehen, ob die Atemwege frei sind und den Buben auf die Seite gedreht. Der Bademeister hat die Reanimation des Kindes übernommen. In so einer Situation kommen einem Minuten ewig vor. »Irgendwann hat er dann Wasser gespuckt und die Beine bewegt«, erinnern sich die beiden.

Rebecca Großmann stand nach eigenen Angaben den ganzen Tag unter Schock, erst am nächsten Tag seien die Tränen gekommen. Anna de Filippo weinte noch im Schwimmbad. »Mir war das wirklich zu viel«, sagte die Mama von drei Kindern.

Und auch eine Woche nach dem Vorfall sind die beiden Retterinnen sichtlich bewegt. Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer ehrte sie am Mittwoch im Rathaus. »Das war eine ganz tolle Leistung. Sie haben dem Buben das Leben gerettet«, betonte er. »Es ist immer besser, zu handeln, als nicht zu handeln. Damit sind Sie zu Vorbildern geworden.«

Auf die Frage, ob die Stadt aus dem bereits zweiten Vorfall im Freibad Traunstein nun Konsequenzen ziehe, sagte Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer, dass den Bademeistern kein Vorwurf gemacht werden könne. »Die Rettungskette hat funktioniert.« Für die Aufsicht der Kinder seien die Eltern zuständig. Aber auch ihnen wolle er nichts vorwerfen. »Ich weiß, wie schnell das gehen kann. Plötzlich sind sie weg. Das geht wirklich blitzschnell«, sagte Hümmer, der mit seinen beiden Buben selbst gerne ins Schwimmbad geht. Doch er wolle nun von einer externen Stelle prüfen lassen, ob das Personal – angesichts der Gegebenheiten im Traunsteiner Freibad – ausreichend ist. »Wenn man hier zu dem Schluss kommt, dass dem nicht so ist, dann handeln wir selbstverständlich«, betonte er.

»Es geht ihm wieder besser«

Der vierjährige Bub, den die beiden Frauen aus dem Wasser gezogen haben, ist laut Kliniken-Sprecher Ralf Reuter noch im Krankenhaus. »Aber es geht ihm wieder besser. Er liegt noch zur Beobachtung bei uns.«

»Wichtig ist, bei Ertrinkungsunfällen sofort mit der Wiederbelebung anzufangen und diese ununterbrochen fortzuführen, bis Rettungsdienst und Notarzt eintreffen«, betont der Chefarzt der Kinderklinik in Traunstein, Dr. Gerhard Wolf. »Dies ist wirklich wichtig, denn die Überlebenschancen eines beinahe ertrunkenen Kindes fallen mit jeder Minute, in der keine effektive Wiederbelebung stattfindet.« Deshalb sei es so entscheidend, einen Erste-Hilfe-Kurs zu machen und diesen auch regelmäßig aufzufrischen. Denn hier werde die Reanimation immer wieder geübt.

KR

Mehr aus der Stadt Traunstein