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»Es ist für uns alle Neuland« – Friseure hoffen, am 4. Mai wieder zur Schere greifen zu dürfen

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Traunstein: Friseure hoffen, am 4. Mai wieder öffnen zu dürfen
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Auch in den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land wollen die Friseursalons am kommenden Montag wieder öffnen – ob sie das dürfen, entscheidet sich tatsächlich erst am Donnerstag. (Foto: dpa)

Traunstein – »Leider jetzt Maskenpflicht: Auch wenn wir Ihr strahlendes Lächeln lieben, wollen wir uns in diesen Tagen auf das Wesentliche konzentrieren« – mit diesem Spruch an der Tür will Friseurmeisterin Susanne Holzapfel ab kommendem Montag die Kunden ihres Salons in Traunstein über die Maskenpflicht informieren. Der Satz macht aber auch deutlich, dass mit der Wiedereröffnung des Geschäfts nach sechs Wochen Lockdown nichts mehr ist wie vorher.


Einwegmasken, Desinfektionsmittel und Schneideplätze mit Sicherheitsabstand – die Friseurin hat in den letzten Tagen alles getan, um ihren Salon den neuen Hygieneauflagen entsprechend umzugestalten. »Ich freue mich darauf, wenn es wieder losgeht«, sagt Susanne Holzapfel. Wenn es nach den Kunden geht, lieber heute als morgen, denn das Telefon steht kaum noch still. Termine könnten doppelt vergeben werden, so groß ist die Nachfrage. »Wir erwarten einen kleinen Run«, sagt die Friseurmeisterin. Doch ob es am Montag, 4. Mai, um 8 Uhr tatsächlich losgeht, ist noch nicht ganz gewiss.

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»Wir warten alle gespannt auf die Pressekonferenz am Donnerstag mit Ministerpräsident Söder«, sagt Susanne Holzapfel. Dass von einem Politiker einmal die Öffnung ihres Ladens abhängen würde, hat sie auch nicht gedacht.

»Die neue, erweiterte Hygieneverordnung muss noch von der Staatsregierung freigegeben werden«, sagt Evelyn de Marco-Maier, Obermeisterin der Friseurinnung Traunstein-Berchtesgadener Land. Daher sind alle Maßnahmen, die vom Zentralverband des Friseurhandwerks ausgearbeitet wurden, bisher nur als vorläufig zu betrachten. Es könne sein, so die Obermeisterin, dass die Staatsregierung diese so nicht durchwinkt, oder dass Ergänzungen nötig sind.

Generell seien die Hygienestandards im Friseurhandwerk hoch, das betonen Susanne Holzapfel und Evelyn de Marco-Maier. Neu hinzu kommt, dass es nur noch einen Haarschnitt mit Termin gibt. Der Abstand zwischen den einzelnen Kunden muss mindestens 1,5 Meter betragen. Es darf nur nach der Haarwäsche im Salon geschnitten werden. Die gern gereichten Erfrischungsgetränke dürfen ebenso nicht mehr angeboten werden wie die obligatorischen Zeitschriften. Nach jeder Kundenbehandlung sind Kontaktflächen wie Friseurstuhl und Ablagen mit einem fettlösenden Haushaltsreiniger abzuwischen. »Auch Augenbrauenzupfen, Wimpernfärben, Rasieren oder Bartpflege sind uns derzeit nicht erlaubt«, ergänzt die Traunsteinerin die lange Liste der nun geltenden Vorgaben.

Dokumentationspflicht über Kunden

Doch auch die Kunden werden verstärkt in die Pflicht genommen. Sowohl das Personal als auch der Kunde muss einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Die Kunden müssen sich beim Betreten des Salons die Hände desinfizieren. Kunden dürfen sich derzeit die Haare nicht selbst föhnen, um so den Kontakt mit Geräten zu minimieren.

»Auch müssen wir künftig genau dokumentieren, welcher Kunde wann den Salon betritt und verlässt, und dessen Telefonnummer notieren – um im Fall der Fälle jeden Kontakt nachvollziehen zu können«, sagt Susanne Holzapfel. Will ein Kunde dies nicht, darf er laut Vorgabe nicht bedient werden.

Der Mehraufwand sei enorm, doch »wir tun dies gern, um unsere Kunden bedienen zu können, aber auch, um uns und unsere Kunden bestmöglich zu schützen«, sagt die Traunsteiner Friseurmeisterin. Gesundheitsschutz hat auch für Obermeisterin de Marco-Maier absoluten Vorrang, »schon allein, um meine Mitarbeiter zu schützen«. Angst, sich zu infizieren, haben aber weder Susanne Holzapfel noch Evelyn de Marco-Maier. »Wir haben hauptsächlich Stammkundschaft, da rechnen wir mit großem Verständnis und keinen Problemen bei der Umsetzung der neuen Hygienevorschriften«, sagt die Obermeisterin, deren Salon in Surheim ist.

»Es ist für uns alle Neuland«, sagt Susanne Holzapfel. Die neuen Vorgaben bedeuten für die Saloninhaber eine große Umstellung – nicht nur darin, dass die Kunden, denen sie die Haare schneiden, eine Maske tragen müssen. Herausfordernd war es für Holzapfel, Einwegmasken und Desinfektionsmittel zu beschaffen. Inzwischen gebe es aber eine verbindliche Zusage von zwei Lieferanten – »wir sind bereit«. Bei Evelyn de Marco-Maier gab es kein größeres Beschaffungsproblem.

Obwohl der Andrang groß sein wird, können die Friseure nur mit halber Kraft fahren. »Von zehn Plätzen kann ich wegen der Abstandsregelung aktuell nur vier nutzen«, bringt es Holzapfel auf den Punkt. Gerade wird geprüft, ob noch ein separater Raum hinzukommt, um die Nachfrage zu bewältigen. Ihr Personal teilt sie in zwei Gruppen auf, die tageweise arbeiten – auch, um immer ein Back-up zu haben. »Daher können meine neun Mädchen auch nicht vollbeschäftigt werden.« Mit einer Sechs-Tage-Woche wollen sie in nächster Zeit den Kundenandrang aber bestmöglich meistern. Ähnlich will es auch de Marco-Maier in ihrem Surheimer Salon umsetzen.

Preiserhöhungen sind wahrscheinlich

Wirtschaftliche Einbußen werden weiterhin nicht ausbleiben. Wie alle ihrer Kollegen musste sie erst einmal für die Umsetzung der zusätzlichen Hygienevorschriften tief in die Tasche greifen. Zudem fehlen die Einkünfte der vergangenen Wochen. Um diese Mehrkosten zu decken, werden Preisanpassungen nicht ausbleiben können. Immerhin, »den Lockdown konnten wir noch ganz gut abfedern«, sagt Susanne Holzapfel.

Sollte sie ihren Salon ein weiteres Mal für längere Zeit schließen müssen, wäre das existenzgefährdend. Daher appelliert sie an das Verantwortungsbewusstsein der Kunden: »Gehen Sie nur zum Friseur, wenn Sie wirklich gesund sind – uns und Ihnen zuliebe.« vew

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