Demokratieausstellung in der Klosterkirche – Impulsvortrag von Dr. Kronawitter
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Foto: Hubert Hobmaier

Demokratieausstellung in der Klosterkirche – Impulsvortrag von Dr. Kronawitter

Traunstein – „So ein herrlicher Tag – und ich soll gehen“, dies war der letzte Satz von Sophie Scholl vor ihrer Hinrichtung. In großen beleuchteten Lettern werden die Besucher der Ausstellung „Jeder macht Geschichte – aber nicht jeder wird dabei sichtbar!“, mit genau diesem Satz vor dem Kulturforum Klosterkirche empfangen.


Neben einer Podiumsdiskussion trat Dr. Hildegard Kronawitter als Vorsitzende der „Weißen Rose Stiftung“ mit einem Impulsvortrag ans Rednerpult. Die Ausstellung ist das Ergebnis eines dreijährigen Demokratieprojektes, das federführend durch Bildungsquartier Q3 zusammen mit vielen Kooperationspartnern auf die Beine gestellt wurde. Die Ausstellung ist noch bis Freitag, 21. Oktober, im Kulturforum geöffnet.

Als großes Ziel der Ausstellung sollen sich Schulklassen kritisch mit der Vergangenheit, aber auch mit den aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen sowie der demokratischen Gegenwart auseinandersetzen. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen dabei die bekannte Widerstandskämpferin des NS-Regimes in der Nazizeit, Sophie Scholl, und der gebürtige Traunsteiner Jakob Schmid, der als Hausmeister an der Universität in München arbeitete und die Gruppe bei der Verteilung von Flugblättern erwischte und sie entsprechend der Anweisungen „gemeldet“ hatte, was letztlich zur Hinrichtung führte.

Durch den Abend führten die beiden Moderatorinnen Sabine Schneider und Veronika Pummerer, die gleichzeitig die Gesamtprojektleitung innehatte. In einer Eröffnungsdiskussion mit einigen Ehrengästen wurde die Frage in den Raum geworfen, was man mit der Weißen Rose verbindet, sagte die Landtagsabgeordnete Gisela Sengl „in erster Linie Mut und Vorbild“. Zum starken Wahlergebnis der AfD in Niedersachsen sowie dem politischen Rechtsruck in mehreren Ländern Europas sagte der Vorsitzende des Bezirksjugendringes Oberbayern, Oğuz Taşdelen, „Jugenddemokratie kann nicht gelehrt werden, dies muss man verstehen und aktiv leben“.

Auf die Frage, warum Jugenddemokratie wichtig sei, antwortete Traunsteins 3. Bürgermeister Josef Kaiser, „auch im Land der Glückseligen braucht es Projekte zur Meinungsbildung, es ist sehr wichtig, junge Menschen früh politisch zu bilden“. Für den stellvertretenden Landrat und Trostbergs Bürgermeister Karl Schleid, „ist es nicht wichtig, ob etwas immer die ganz große Sichtbarkeit hat – nachhaltig muss es sein“, so seine Aussage zur Frage, ob es Erfahrungen gibt von Verhaltensweisen, die keine große Sichtbarkeit erlangt haben.

„Sophie Scholl wurde richtig populär, andere wurden in der Geschichte weniger bekannt. Sie sind aber genauso sichtbar“, so eine zentrale Aussage des Impulsvortrages von Dr. Hildegard Kronawitter, der Vorsitzenden der „Weißen Rose Stiftung“. Den Worten Kronawitters nach ist es ein großes Ziel der Ausstellung, „aus der Geschichte zu lernen“ und dazu einen Lernprozess im Landkreis Traunstein anzustoßen. Dabei soll einerseits der historische Widerstand, aber auch die Möglichkeiten eines modernen Widerstands in der heutigen Zeit beleuchtet werden.

Mit ihrer Aussage „Widerstand ist ein Menschenrecht und das muss es auch bleiben“ zielte die Rednerin unter anderem auf das aktuelle Kriegsgeschehen in der Ukraine sowie dem Angriffskrieg Russlands ab. „Junge Menschen müssen lernen, aus der Flut an Informationen diese zu bewerten und beurteilen sowie daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen“. Früher waren Flugblätter aufgrund einer funktionierenden Pressezensur die einzige Möglichkeit im Widerstand zu informieren. Insbesondere die sozialen Medien sowie multimediale Medien sind in der Gegenwart der Einschätzung Kronawitters nach wichtige Medien.

Die multimediale Ausstellung unter der Leitung von „Q3. Quartier für Medien. Bildung. Abenteuer“ wird von zahlreichen Kooperationspartnern getragen. Beteiligt waren unter anderem der Bildungscampus St. Michael, die Evangelische Jugend im Dekanat Traunstein, die Katholische Jugendstelle Traunstein, die DGB-Jugend Traunstein und Rosenheim, die Stadtkirche Traunstein, das K1 in Traunreut und die Weiße Rose Stiftung. Gefördert wurde es vom Bayerischen Jugendring aus Mitteln des Kinder- und Jugendprogramms der Bayerischen Staatsregierung sowie dem Landratsamt Traunstein und dem Bezirksjugendring Oberbayern. Der Lichtkünstler Jan Kuck hat sich außerdem mit einigen Neonlichtexponaten beteiligt.

Neben dem Q3 Geschäftsführer Danilo Dietsch traten einige der Beteiligten am Ende des Abends zusammen auf die Bühne, um ihre Beweggründe zu schildern, das Projekt zu unterstützen. Die Ursprungsidee hatte Johannes Tusspass als er durch Zufall über den Namen von Jakob Schmid gestoßen ist und neugierig wurde. Weitere Vertreter waren Bernd Rohrbach von der Evangelischen Jugend, Martin Zillner von der Grünen Jugend, Chynthia Senner vom AKG Traunstein, Dr. Rebecca Rogers-Fuchs vom Studienseminar St. Michael sowie die Projektleiterin Veronika Pummerer. Als zentralen Tenor des Antriebs kristallisierte sich in den kurzen Statements insbesondere die Notwendigkeit politischer Bildungsarbeit sowie der Werteerhalt der demokratischen Grundordnung heraus.

Die Ausstellung ist bis zum 21. Oktober jeweils montags bis donnerstags zwischen 14 Uhr und 18 Uhr sowie an den Samstagen zwischen 9 Uhr und 14 Uhr geöffnet. Neben zahlreichen Workshops für Jugendliche und Schulklassen ist am 15. Oktober ab 14 Uhr eine Familienführung geplant. Ein Abend des Netzwerks „Bunt statt Braun“ im Landkreis Traunstein findet am 18. Oktober ab 19 Uhr statt. Am 19. Oktober ist die Ausstellung auch abends ab 19 Uhr speziell mit einem Angebot für Jugendliche geöffnet. Den Abschluss bildet am 20. Oktober um 19 Uhr eine offene Veranstaltung, bei der die Ausstellung reflektiert werden soll und zu Gesprächen einlädt.

„Ich hätte niemals damit gerechnet, dass heute 60 Besucher kommen“ freute sich am Ende des Abends Veronika Pummerer und brachte gleichzeitig ihre Hoffnung zum Ausdruck, dass in den kommenden Tagen der Zuspruch und das Interesse an der Demokratieausstellung „Jeder macht Geschichte – aber nicht jeder wird dabei so sichtbar!“ anhalten wird. Gleichzeitig sagte sie, „dass derzeit noch nicht alle Kosten gedeckt sind und wir uns über finanzielle Unterstützung freuen würden“.

Hob

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