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Begeistert von einer technischen Meisterleistung

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Otto Huber hat in den vergangenen Jahren viel Freizeit geopfert: Zusammen mit Helfern hat er in ehrenamtlicher Arbeit eine Ausstellung über die Soleleitung Traunstein-Reichenhall erarbeitet. Auch ein »Röhrlkasten«, den man benötigte, um die Durchflussmenge zu bestimmen (auf unserem Bild), ist zu sehen. Die Ausstellung im Albertistock in der Au ist fast fertig, sie kann bereits besichtigt werden. (Foto: Pültz)

Traunstein – Seltsam muten die Zeugnisse an, die aus einer längsten vergangenen Zeit stammen, eigenartig und geheimnisvoll klingen ihre Bezeichnungen. In einem Raum der neuen Dauerausstellung steht ein »Röhrlkasten«, in einem anderen liegen einige »Deicheln«.


Die Soleleitung, die von 1619 bis 1912 die Saline Traunstein mit Salzwasser aus Reichenhall versorgt hatte, fasziniert Otto Huber schon seit seiner Kindheit. Und so kennt der heute 78-Jährige auch die Geschichten, die die Exponate in der Ausstellung erzählen. Mit dem »Röhrlkasten«, einem großen Holzgestell mit kleinen Löchern, habe man die Durchflussmenge messen können, erzählt der Traunsteiner, die »Deicheln« seien mit Bohrern ausgehöhlte Baumstämme gewesen, die – aneinandergereiht – die Soleleitung bildeten.

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Nach jahrelanger, ehrenamtlicher Arbeit biegt der Heimatforscher nun auf die Zielgerade: Bis auf einige Filme, die noch fehlen, ist die Ausstellung im Albertistock, einem Arbeiterwohnhaus in der Au aus der Gründerzeit der Saline im 17. Jahrhundert, fertig. Und Huber ist guter Dinge, dass er den Rest auch noch schafft – und dass dann der Förderverein Alt-Traunstein, der das Projekt trägt, und die Stadt Traunstein, die das Vorhaben unterstützt und die Räume kostenlos zur Verfügung stellt, wie geplant in knapp einem Monat eröffnen können.

Begleitet von anderen Geschichtsbegeisterten aus dem Förderverein – von Dietrich von Dobeneck und vor allem auch von Vorsitzendem Richard Kraft – hob Otto Huber die Ausstellung aus der Taufe. Nicht zum ersten Mal engagiert er sich ehrenamtlich, im Gegenteil schon oft stellte er seine Arbeitskraft unentgeltlich zur Verfügung. Deshalb bekommt er am Dienstag auch vom Historischen Verein für den Chiemgau zu Traunstein den Max-Fürst-Preis verliehen.

»Ich bin emotional mit der Soleleitung verbunden«, sagt Huber. Wenn der 78-Jährige – mütterlicherseits – in die Familiengeschichte zurückblickt, dann stößt er auf viele »Brunnwarte«: auf Bedienstete des bayerischen Staats, die in kleinen Häusern an der Soleleitung lebten und genau drauf achteten, dass das Salzwasser immer weiter floss. Einen von ihnen hatte Otto Huber als Kind sogar noch selbst kennen lernen dürfen. Er erzählt: »Als kleiner Bub habe ich immer wieder meinen Opa besucht« – seinen Großvater Franz Strobl, den vorletzten Brunnwart in Bergham, einem Ortsteil der Gemeinde Bernau, an der Soleleitung von Reichenhall nach Rosenheim, die der bayerische Staat zu Beginn des 19. Jahrhunderts gebaut hatte.

Ausstellung ergänzt Freilichtmuseum

Die Ausstellung in drei Räumen im Erdgeschoß des Albertistocks erhebe, wie Huber sagt, »nicht den Anspruch, ein Museum der bayerischen Salzgeschichte zu sein«. Vielmehr sei sie als Ergänzung zum angrenzenden Freilichtmuseum Salinenpark konzipiert. Sie thematisiere allein die Geschichte der 1617 bis 1619 gebauten Soleleitung von Reichenhall nach Traunstein – einer, wie Huber nimmermüde sagt, »technischen Meisterleistung« seiner Zeit.

Ein glücklicher Zufall hatte die Konzeption der Ausstellung ermöglicht: Die Firma Infra-Serv GmbH & Co, die den Chemiepark Gendorf betreibt, schenkte der Stadt Traunstein zahlreiche Gegenstände. Ein früherer Werksleiter hatte sie gekauft und aufbewahrt. Eine alte Pumpe für die Soleleitung etwa benutzte die Firma, um einen Springbrunnen zu betreiben. Zuletzt hatte sie keine Verwendung mehr. Die Schenkungen bilden den Grundstock der neuen Ausstellung in Traunstein.

In den Räumen im Albertistock sind viele Exponate zu sehen. »Besonders stolz« ist Huber, wie er sagt, dass er auch eine Kopie des Vermessungsblatts von Tobias Volkmer bekommen hat. 1616 habe der Mathematiker, Goldschmied und Geometer die Strecke von Reichenhall nach Traunstein allein mit einer Wasserwaage und einer Eisenkette vermessen – und zwar, wie man heute weiß, ziemlich genau. So habe Volkmer damals zutage gefördert, dass vom tiefsten Punkt Reichenhall bis zum höchsten Inzell genau 259,17 Höhenmeter zu überwinden waren.

Huber freut sich, dass er den Arbeitsplatz, wie er für einen Brunnwart typisch war, komplett darstellen kann. So hat er die Einrichtung aus dem 1958 vom Staat geschlossenen Brunnhaus Bergham bekommen. Und so kann er nun Werkzeuge und Geräte, die früher üblich waren, zeigen – angefangen von allerlei Hämmern und Zangen bis hin zum Sekundenpendel, zur Tabelle und zum Röhrlkasten, die der Brunnwart benötigte, um die Durchflussmenge und den Salzgehalt in der Sole zu messen.

Einen Hauch der früheren Zeit verbreiten vor allem auch die Deicheln. Unter ihnen ist nicht zuletzt ein Exemplar, das man in der unmittelbaren Nachbarschaft gefunden hat: ein Holzrohr, das in der Daxerau zutage gekommen ist. Außerdem sticht eine besonders alte Deichel hervor, die – wie Huber sagt – vermutlich aus dem 17. Jahrhundert stammt.

Wenn der 78-Jährige über die Deicheln spricht, weiß er viel zu erzählen: wie die Arbeiter zuerst einen kleinen Bohrer durch den Baumstamm trieben, das Loch mit einer Eisenkette weiteten und schließlich mit vereinten Kräften einen großen Bohrer durchstießen. Und er berichtet dann auch, wie sie die fertigen Stücke in die »Deichenbeize« legten: Jahrelang blieben die durchgebohrten Baumstämme in dem Teich liegen, ehe sie keine Risse mehr hatten – bis sie also dicht waren und in die Soleleitung eingebaut werden konnten.