weather-image

150 Teilnehmer beim Ostermarsch in Traunstein

3.7
3.7
Bildtext einblenden
Der afrikanische Trommler Seydou Ba begleitete die Demonstration auf dem Stadtplatz musikalisch. (Foto: Wittenzellner)
Bildtext einblenden
Ihre Forderungen zeigten die Teilnehmer des Ostermarsch mit vielen Transparenten und zogen damit durch Traunstein. (Foto: Wittenzellner)
Bildtext einblenden
Foto: Wittenzellner

Traunstein – „Empört euch, engagiert euch, kommt zum Ostermarsch.“ Der Aufforderung eines breiten Bündnisses aus politischen Gruppierungen und Initiativen, Gewerkschaften, Parteien und kirchlichen Gruppen folgten nach Angaben der Polizei rund 150 Personen, um damit für Frieden und soziale Gerechtigkeit, gegen Rassismus, Abschiebung und Ausgrenzung zu demonstrieren. Wie in den Vorjahren setzte man am Ostersamstag in der Traunsteiner Innenstadt mit dem Marsch auch ein Zeichen gegen Aufrüstung, Waffenexporte und Krieg und protestierte gegen die Klimapolitik der Bundesregierung.


Initiatorin Dr. Renate Schunck von der Friedensinitiative Traunstein-Traunreut-Trostberg lobte einleitend das Schüler-Engagement „Fridays for Future“: „Ihr macht uns Mut und sagt dass jetzt etwas passieren muss, damit unsere Erde nicht den Bach heruntergeht.“ Gemeinsam mache es Spaß, „gegen den Wahnsinn etwas in Solidarität zu unternehmen.“ Mit Blick auf die bevorstehende Europawahl forderte sie „ein Europa des Friedens, des sozialen Ausgleichs und der Toleranz und nicht eine EU, die Krieg mit dem Wort Sicherheit umschreibt.“

Anzeige

Rainer Thiemann vom VNN-Bund der Antifaschisten blickte zurück auf die amerikanischen Abwürfe der Atombomben auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagaski zum Ende des Zweiten Weltkrieges: „Diese schrecklichen Ereignisse sind Mahnung, die Welt von Atomwaffen zu befreien.“ Er forderte in seiner Rede an die „lieben Friedensfreunde“ eine Ächtung und Abschaffung aller Atomwaffen, Auslandseinsätze wie die der Bundeswehr in Mali seien keine sinnvolle Entwicklungsstrategie für die Bevölkerung. „Sie dienen ausschließlich imperialen Interessen.“  

Horst Trüdinger von der Caritas artikulierte seine Forderungen auf dem zur Rednerbühne umfunktionierten Brunnen am Stadtplatz: „Weltweite militärische Abrüstung, fairer Handel mit einem gerechten, transparenten und vertrauenswürdigen Welthandel auf Augenhöhe und die Rettung des Klimas.“ Hermann Hofstetter, Kreisvorsitzender der ÖDP forderte, „zerstörerische Lebensstile und falsche Vorbilder zu benennen und abzuschaffen“ und sah im erfolgreichen Bienen- und Artenschutzvolksbegehren einen großen Schritt in die richtige Richtung. Gleichzeitig sei eine radikale Wende in allen Wirtschaft- und Lebensbereichen erforderlich, um die Zukunft der kommenden Generationen nicht zu zerstören.

Fotos vom Ostermarsch in Traunstein:

Michael Raufer, Mitglied im Kreisvorstand der Partei Die Linke kritisierte mit markigen Worten den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder, der mit dem Raumfahrtprogramm des Freistaats „Bavaria One“ zwar Geld für die Raumfahrt zur Verfügung stelle, gleichzeitig aber zu wenig für die Stärkung der Pflege tue. Zusammen mit der Didgeridoo-Spielerin Sina Aschenbrenner ging er musikalisch auf die Themen des Ostermarsches ein und rief zum „Widerstand gegen die Dummheit und die Kälte hier im Land“ auf.

Gertraud Angerpointner, Landesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft, warb dafür, „gegen ein verlogenes neoliberales System Widerstand zu leisten“, das letztlich nur dazu diene, dass Konzerne und ihre Lenker noch mehr verdienen würden. Den Bogen in die Weltpolitik spannend sei sie davon überzeugt, dass die westlichen Staaten an Venezuela nur deshalb Interesse hätten, weil es dort reiche Ölvorkommen gäbe. „Lasst euch nicht anlügen, wenn sie euch sagen der Präsident ist schlecht.“

Bildtext einblenden
Vom Stadtplatz ging es in einem Protestmarsch zum Bahnhofsplatz. (Foto: Wittenzellner)

Bruder Jeremias von den Kapuzinern in Altötting regte zu einer Gedenkminute für die Menschen an, die auf der Flucht gestorben sind. Er prangerte den „menschenverachtenden Umgang mit den Geflüchteten“ an. Den Plänen des Bundesinnenministers Horst Seehofer, Geflüchtete ins Gefängnis zu stecken, hielt er entgegen, dass Täter aus der rechten Ecke ihre Strafe nicht nach rechtskräftiger Verurteilung sofort absitzen müssten. „Wir brauchen eine Debatte darüber, warum die Politik auf dem rechten Auge blind ist.“ Rüstungsexporte brandmarkte er mit den Worten: „Wer liefert ist Mittäter.“ In seiner Rede ging er auf den Brand in der Kathedrale Notre-Dame und die zugesagten Großspenden zum Wiederaufbau ein. „Wie kann man über ein abgebranntes Gebäude so sehr trauern? Nur weil es ein Kulturgut ist, doch sicher nicht.“ Er mutmaßte, dass die Kultur, für das die Kathedrale stand, eine menschlichere als die heutige ist. „Notre-Dame steht für eine Kultur, in der der Mensch noch Mittelpunkt war.“ Er frage sich, warum über ein solches Gebäude mehr getrauert werde, als über die Toten, die wegen der „Festung Europa“ ums Leben gekommen sind.

Bildtext einblenden
Deutsche Rüstungsexporte waren den Demonstranten traditionell ein Dorn im Auge. (Foto: Wittenzellner)

Nach den umfangreichen Reden der Auftaktkundgebung ging es nach dem „Zusammentrommeln“ durch den 17-jährigen Seydou Ba in einem Demonstrationszug durch die Innenstadt zum Bahnhofsplatz, wo nochmals gemeinsam die Slogans des Zugs wie beispielsweise „Grenzen auf überall, Stacheldraht zum Altmetall“ gerufen wurden. Neben der musikalischen Einlage des Rappers KaiSKAjo aus Syrien ging die ehrenamtliche Helferin Sigrid Röhrl auf die Situation von Asylbewerbern aus Afghanistan ein und betonte, dass das Auswärtige Amt das Land als „sicher“ einstufe, obwohl es andere widersprechende Berichte dazu gäbe. Für die Asylbewerber sei die unsichere Bleibeperspektive zermürbend, sie lebten in ständiger Angst vor der Abschiebung. Die Helferin forderte einen Stopp der Abschiebungen nach Afghanistan und eine dauerhafte Bleibeperspektive für gut integrierte Asylbewerber, sowie die Chance eine Ausbildung zu beginnen und zu arbeiten.

Unterstützung kam auch aus Baden-Württemberg: Ludwig Essig vom „Greenteam Schwabenpower“ forderte „eine Welt, in der niemand flüchten muss. Für eine Welt in der jeder überall herzlich aufgenommen wird.“ Man dürfe Europa nicht den Populisten überlassen. Der 17-jährige Gymnasiast forderte die immer noch zahlreichen Teilnehmer auf, für eine „offene, freie, liebende und tolerante Gesellschaft gemeinsam aufzustehen.“

Bildtext einblenden
Sie repräsentierten die neue Jugendbewegung „Fridays for Future“: Miriam Förg und Simon Hüller. (Foto: Wittenzellner)

Miriam Förg von „Fridays for Future“ forderte: „Bio muss das Normale sein.“ Ältere Teilnehmer sollten mit auf die Straße gehen und für gemeinsame Anliegen einstehen: „Jeder kann das, nicht nur Schüler.“ Ihr Freitags-Demonstrations-Kollege Simon Hüller freute sich, dass sich mehr junge Leute wie er für Politik interessieren würden. Die Demonstrationen seien ein „riesiges Zeichen“ dafür. Mögliche Verweise oder gar den Ausschluss aus der Schule ordne man dem Ziel der Klimarettung unter: „Es ist uns egal, es ist unsere Zukunft.“  

Im Nachgang zogen die Demonstranten zum gemeinsamen Friedensgebet zur Kirche Sankt Georg und Katharina. Vor der Gedenkstätte werde einem deutlich, dass „die Toten der Kriege keine Helden sind, sondern Opfer“, betonte der Evangelische Pfarrer Barthel Pichlmaier. Pastoralreferentin Andrea Rosenegger sprach das Gebet der Vereinten Nationen und Segensverse aus dem Neuen Testament, Pichlmaier beleuchtete in dem interreligiösen Gebetsteil die Friedenswünsche aus dem Buddhismus, Hinduismus und Taoismus. Lina Abu-Shab stellte heraus, dass der Islam den Segen über Fremde ausspreche. Mit dem gemeinsamen Singen der inoffiziellen Hymne der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung „We shall overcome“ fand der der Ostermarsch wie in den Jahren zuvor seinen Abschluss. awi

 

Mehr aus der Stadt Traunstein
Schreibwaren Miller