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»Im September brauchen wir die Essen«

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Traunreut: Externe Firma soll Ausschreibung der Speisenlieferung für städtischen Kitas übernehmen
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Woher die Kinderkrippe »Zwergenland« und die anderen städtischen Tagesstätten in Traunreut ab September in den nächsten vier Jahren den Mittagstisch für die Kinder beziehen, hängt davon ab, welcher Speisenlieferant den Zuschlag erhält. (Foto: Rasch)

Traunreut – »Mir wäre es am liebsten, die Jugendsiedlung beliefert uns wieder, aber wir können nicht aus.« Mit diesen Worten versuchte Bürgermeister Klaus Ritter in der letzten Stadtratssitzung seiner Amtsperiode klar zu machen, dass sich die Stadt Traunreut bei der Speisenlieferung für die städtischen Kindertagesstätten wegen des für vier Jahre gesetzlich vorgegebenen Schwellenwerts von über 221.000 Euro an eine europaweite Ausschreibung halten muss.


Nach Hochrechnung der Verwaltung werden sich die Kosten in den nächsten vier Jahren bei zirka 34.000 Essen pro Kindergartenjahr bei über 1,5 Millionen Euro bewegen. Dabei wurde auch eine Vollbelegung des »Schneckenhauses« berücksichtigt. Es ist derzeit noch nicht ganz ausgelastet.

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Wie berichtet, hatte der Hauptausschuss beschlossen, die Ausschreibung der Speisenbelieferung für die städtischen Kindertagesstätten an eine externe Unternehmensberatungsgesellschaft zu vergeben, die Fachkenntnisse und Erfahrung hat.

Die Verwaltung hatte erklärt, dass es aufgrund der Komplexität und aus zeitlichen Gründen nicht möglich gewesen sei, die Ausschreibung, die bereits im Herbst bekannt war, im eigenen Haus durchzuführen. Die Beratungsgesellschaft wurde aber offenbar erst vor einigen Wochen damit beauftragt. Laut Verwaltung sei es »trotz aktueller Gegebenheiten aufgrund der Corona-Krise gelungen, die Beratungsgesellschaft für die Durchführung des gesamten Ausschreibungsverfahrens zu gewinnen«.

»Jetzt sind wir unter Zeitnot«

Diese Verzögerung wurde der Verwaltung angekreidet. »Warum wurde erst jetzt damit begonnen und nicht schon im Januar oder Februar?«, fragte Sepp Winkler (Bürgerliste). Auch Andrea Haslwanter und Reinhold Schroll (CSU) mahnten die Verzögerung an. »Das hätte auch schon vor Weihnachten sein können. Erst letzte Woche haben wird das gekriegt und jetzt sind wir unter Zeitnot«, kritisierte Schroll. Die Verwaltung verteidigte sich, das Verfahren sei sehr komplex. »Wir haben zuerst gedacht, dass wir das Verfahren selber machen, haben uns aber aufgrund der Komplexität für einen externen Berater entschieden«, so Bernhard Ruf. Bürgermeister Ritter verteidigte die Verwaltung, dass wegen der Corona-Krise alles sehr kurzfristig erfolgen musste.

Die Anregung Schrolls, noch mal zu überprüfen, ob eine EU-weite Ausschreibung durch eine Aufteilung der Essenslieferungen der einzelnen Einrichtungen vermieden werden könnte, teilte Ritter nicht. »Wir nehmen jetzt einen Profi an die Hand und jetzt soll das durch einen zweiten Profi, der zusätzliches Geld kostet, erneut geprüft werden. Wir müssen endlich zu Potte kommen«, warnte Ritter. Auf Nachfrage von Sepp Winkler sagte die Verwaltung, dass die Kosten des externen Beraters, der mit der Ausschreibung beauftragt werden soll, bei unter 10.000 Euro liegen.

Kritik am Vergaberecht geäußert

Auch Matthias Bauregger (FW) war gegen einen zweiten Fachmann und verwies auf den Zeitdruck der Ausschreibung. »Im September brauchen wir die Essen.« Sein Fraktionskollege Paul Obermeier kritisierte das Vergaberecht, das seiner Meinung nach nicht den ökologischen Grundsätzen entspräche. »Wir bieten regional beste Qualität und sollen die Kinder auf die Bauernhöfe bringen. Des passt hint' und vorn ned zamm.«

Seit dem Kindergartenjahr 2015/2016 wurden die städtischen Kindertagesstätten von der Jugendsiedlung beliefert. Der Vertrag sei rechtzeitig gekündigt worden. Man habe mit der Jugendsiedlung auch besprochen, sich ein Leistungsverzeichnis zu besorgen, nach dessen Kriterien sie sich bei einer Bewerbung richten könne. »Wir wollen, dass sich die Diakonie und die Jugendsiedlung unter der Auflage der Kriterien bewirbt«, sagte Ruf.

Die wesentlichen Grundlagen und Aspekte, die das Leistungsverzeichnis für ein Zwei-Gänge-Menü beinhaltet, stellte Frank Bartels von der Unternehmensberatungsgesellschaft bereits in der Hauptausschusssitzung vor. Die gesetzlichen Anforderungen beinhalten neben ernährungsphysiologischen und sensorischen Grundsätzen auch Hygiene-Vorschriften. So darf beispielsweise die gesamte Warmhaltezeit nicht länger als drei Stunden dauern und bei Obst und Gemüse sind aufgrund eines höheren Nährstoffgehalts tiefgekühlte Produkte den Konserven vorzuziehen.

Woher die Stadt Traunreut künftig das Essen für die Kinder beziehen wird, hängt jetzt davon ab, welcher Dienstleister unter der Maßgabe des Kriterienkatalogs den Zuschlag erhält. Der Stadtrat muss darüber in der Juni-Sitzung entscheiden.

Dass die Ausschreibung über eine externe Beratungsgesellschaft abgewickelt wird, wurde mit 18:8 Stimmen beschlossen. ga


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