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Heimatpfleger legt Veto ein

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Hinter diesem Wohnhaus im Ortsteil Hölzl in Traunwalchen mit Blick auf Schloss Pertenstein soll ein weiteres Gebäude mit zwei Wohneinheiten entstehen. Ortsheimatpfleger und Dritten Bürgermeister Johannes Danner (Bürgerliste) warnt aber aus ortsplanerischen Gründen vor einer weiteren Bebauung in der früheren Handwerkersiedlung. Bevor der Stadtrat eine Entscheidung fällt, will sich der Bauausschuss die Situation noch einmal anschauen. (Foto: Rasch)

Traunreut – Als Ortsheimatpfleger warnt Johannes Danner (Bürgerliste) vor einer weiteren Bebauung im Ortsteil Hölzl in Traunwalchen. Auch wenn das Grundstück, für das jetzt der Besitzer einen Antrag auf eine Bebauungsplanänderung zugunsten eines Wohnhauses eingereicht hat, im Flächennutzungsplan als Wohnbaufläche vorgesehen ist, sollte nach Auffassung von Danner aus ortsplanerischer Sicht in diesem sensiblen Bereich kein Haus mehr gebaut werden. Deshalb appellierte er in der jüngsten Stadtratssitzung, seine Beurteilung ernst zu nehmen. »Ich werde den Antrag aus heimatpflegerischer Sicht ablehnen«, sagte Danner, der auch dritter Bürgermeister der Stadt Traunreut ist.


Als Begründung führte er aus, dass es sich bei dem Ortsteil um eine ehemalige Handwerkersiedlung handle, deren Charaktererhalt bei der Traunwalchner Dorferneuerung in den 1990-er Jahren eine wesentliche Rolle gespielt habe. »Der Erhalt des Ensembles nach dem alten Vorbild war Voraussetzung im Rahmen der Dorferneuerung«, betonte Danner. Durch eine weitere Bebauung mit einem elf mal acht Meter großen Wohngebäude würde das Siedlungsgebiet zerlegt und zersetzt und das Ziel von damals ins Gegenteil umgesetzt. »Die ehemalige Handwerkersiedlung mit Blick auf Schloss Pertenstein gilt seit jeher zu den reizvollsten Postkartenansichten«, sagte Danner. Deshalb warnte er davor, diesen sensiblen Bereich anzutasten und eine weitere Bebauung zuzulassen.

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Nach Angaben von Stadtbaumeister Thomas Gätzschmann wäre das betroffene Grundstück das letzte Grundstück in Hölzl, das eine Bebauung zulasse. Mit dieser letzten Nachverdichtung wäre dann das Maß einer Bebauung ausgeschöpft, sagte Gätzschmann. Im Flächennutzungsplan, der nach Angaben von Bürgermeister Hans-Peter Dangschat offensichtlich nach der Dorferneuerung geändert worden sein dürfte, sei das betroffene Grundstück auch als Wohnbaufläche dargestellt. Insofern bestünde dort Baurecht. Der Grundstücksbesitzer beabsichtigt, unmittelbar hinter einem Wohngebäude, das sich in seinem Besitz befindet, ein weiteres Gebäude mit zwei Wohneinheiten zu errichten. Dieses Gebäude würde unmittelbar an die Hangkante zur Traun heranreichen. Nach Auffassung der Stadtverwaltung wäre unter Einhaltung der erforderlichen Abstandsflächen ein zusätzlicher Bauraum auch vorstellbar.

Wie berichtet, hatte der Bauausschuss aufgrund der positiven Stellungnahme der Verwaltung, den Antrag einstimmig gebilligt und dem Stadtrat empfohlen.

Nachdem aber der Heimatpfleger jetzt ein Veto eingelegt hat, wurde auf Anregung von Andreas Füssl (AfD) mehrheitlich beschlossen, dass sich der Bauausschuss die Situation bei einem Ortstermin noch einmal anschaut, bevor eine endgültige Entscheidung getroffen wird. Füssl hatte vorgeschlagen, den Tagesordnungspunkt zu verschieben, weil vor allem die neuen Stadträte die Situation nicht kennen.

Die Forderung von Roger Gorzel (Bürgerliste), die Erläuterungen der Bauvorhaben grundsätzlich auch zu bebildern, um sich auch eine konkrete Vorstellung der Örtlichkeiten zu machen, wurde kurzerhand Dank »Google Maps« auch in die Tat umgesetzt. Der Hinweis, den Online-Kartendienst zu »bemühen«, kam von Adolf Trenker von den Freien Wählern, die sich neben Dr. Jürgen Winter (LiZ) geschlossen gegen eine Ortsbesichtigung aussprachen. Für eine Ortsbesichtigung plädierte auch Johann Jobst (CSU): »Sich das Vorhaben anzuschauen, wäre nicht das Schlechteste. Es ist durchaus eine heikle Situation«, sagte Jobst. Seine Fraktionskollegin Steffi Gampert-Straßhofer möchte auch wissen, was die Anlieger dazu sagen.

Die von Jobst angesprochene »heikle Situation« erinnert auch an ein Bauvorhaben in Hölzl vor drei Jahren. Damals herrschte im Bauausschuss ratloses Schweigen, als es darum ging, den Bebauungsplan »Hölzl« zugunsten eines Einfamilienhauses zu ändern, gab es doch schon früher Anfragen für eine Bebauung auf dem Nachbargrundstück, die mit Verweis auf die Freihaltung der Blickachse auf Schloss Pertenstein abgelehnt worden war. Trotzdem wurde der Bau eines Einfamilienhauses vor drei Jahren genehmigt, das mittlerweile bereits bewohnt ist.

ga


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