weather-image
17°

Ab 2015 bleiben am Totensonntag die Geschäfte geschlossen

0.0
0.0

Traunreut. Ab 2015 wird es am Totensonntag keinen verkaufsoffenen Sonntag in Traunreut mehr geben. Das beschloss der Stadtrat einstimmig. Gleichzeitig soll sich die Verwaltung mit der ARGE Werbegemeinschaft zügig darum bemühen, einen Ersatzsonntag für einen vierten verkaufsoffenen Sonntag zu finden. Diesen Zusatzbeschluss lehnten die Grünen ab. Den Beschlüssen war ein Antrag der Traunreuter Kirchen vorausgegangen, den Totensonntag nicht mehr als verkaufsoffenen Sonntag zu deklarieren (wir berichteten).


Während die Vertreter der Kirchen ob des klaren Votums »frohlockten«, äußerte sich der Vorsitzende der ARGE, Eduard Schlögl, bestürzt. »Ich bin entsetzt, jetzt nimmt man den Mittelständlern den stärksten Umsatz weg«, sagte er dem Traunsteiner Tagblatt. In den Augen des ARGE-Vorsitzenden gibt es auch keinen Ausweichsonntag. Mit Nachdruck stellte er heraus, dass eine Verschiebung des nachweislich umsatzstärksten verkaufsoffenen Sonntags wegen der Termine der verkaufsoffenen Sonntage der umliegenden Gemeinden und Städte unmöglich sei. Ein Wegfall des letzten verkaufsoffenen Sonntags im Jahr würde bedeuten, dass die Kunden in die Nachbarstädte und -gemeinden abwandern. »Die Mittelständler brauchen diesen Sonntag, denn die Zeiten sind härter geworden«, appellierte er an das Gremium.

Anzeige

Schlögl: Vor Einführung mit den Kirchen gesprochen

Nach Angaben von Schlögl wurde in Traunreut der verkaufsoffene Sonntag 1990 eingeführt. Damit sich die verkaufsoffenen Sonntage mit den Nachbarstädten und -gemeinden nicht überschneiden, seien die Termine klar festgelegt worden. Es sei auch mit den Kirchen gesprochen worden. »So ist er entstanden.« Er, Schlögl, halte persönlich auch nichts von Öffnungszeiten bis 22 Uhr und geöffneten Bäckereien am Sonntag. »Nur, sie werden gefordert und sind von der Bevölkerung gewollt«, erklärte er.

Auch einige Geschäfte meldeten schriftlich massive Bedenken an, sollte sich der Stadtrat der Empfehlung des Hauptausschusses anschließen und den verkaufsoffenen Sonntag streichen, respektive die Verordnung der verkaufsoffenen Sonntage ändern.

Wie berichtet, hatte das Votum gegen den verkaufsoffenen Sonntag am Totensonntag bereits im Hauptausschuss viele Fürsprecher gefunden. In der Stadtratssitzung wurde Pfarrer Stefan Hradetzky in Begleitung von Pfarrer Constantin Bartok (rumänisch-orthodoxe Kirchengemeinde) erneut die Möglichkeit gegeben, den Antrag aus Sicht der Kirche zu schildern. Wie er herausstellte, habe es ihn bei seinem Amtsantritt in Traunreut sehr befremdet, dass es in der Stadt an einem Stillen Tag wie dem Totensonntag einen verkaufsoffenen Sonntag gibt. Rechtlich sei dies zwar grundsätzlich möglich, werfe aus seiner Sicht aber einige Fragen auf. Der Kirchenvorstand, das demokratisch gewählte Leitungsgremium der Paulusgemeinde, zu der über 4000 evangelische Christen in Traunreut gehören, habe sich entschieden, durch ein Votum einen Klärungsprozess darüber anzustoßen, ob ein verkaufsoffener Sonntag am Totensonntag notwendig und sinnvoll sei. Ausdrücklich betonte er, dass er auch im Namen des katholischen Pfarrverbandes und der rumänisch-orthodoxen Gemeinde spreche.

Wichtiger Feiertag der evangelischen Christen

Unabhängig von der Situation vor Ort beobachten die Kirchen mit Sorge die fortschreitende Aufweichung des gesetzlichen Schutzes von Sonn- und Feiertagen und auch der sogenannten Stillen Tage. Es werde in Zukunft immer leichter werden, mit Verweisen auf angeblich bereits erfolgte Dammbrüche weitere Liberalisierungen zugunsten von Wirtschaftsinteressen durchzusetzen. Wenn ausgerechnet Stille Tage, die dem kollektiven Gedenken, der Einkehr und der Besinnung dienen, für wirtschaftliche Zwecke geopfert werden, dann befördere dies den fortschreitenden Verfall gemeinsamen Kulturguts und die Zerstörung verbindender Werte. Der Totensonntag habe für die evangelischen Christen einen ähnlichen Stellenwert wie Allerheiligen für die Katholiken.

In der Diskussion im Gremium tendierte die Mehrheit dahin, dem sogenannten Stillen Tag den Vortritt zu lassen und die wirtschaftlichen Interessen hinten anzustellen. Allerdings mit der Maßgabe, einen Ausweichsonntag zu finden. Wegen der bereits laufenden Planungen des Kunsthandwerkermarktes, der immer am vierten verkaufsoffenen Sonntag stattfindet, sollte man den »Verkaufsoffenen« heuer noch belassen, aber 2015 dann den Riegel vorschieben, schlug Andrea Haslwanter (CSU) vor. Den Vorschlag unterstützte auch Gabriele Liebetruth (Bürgerliste), zugleich Schatzmeisterin der ARGE. Sie stellte außerdem fest, dass die verkaufsoffenen Sonntage auch als Begegnung für Familien und Bekannte sehr gut angenommen werden. Für die kommenden Jahre sollte ein neuer Termin festgelegt oder überlegt gar über eine Reduzierung der verkaufsoffenen Sonntage nachgedacht werden.

Christian Stoib (SPD) meinte, er sei generell gegen die verkaufsoffenen Sonntage, die besser für die Familie genutzt werden sollten. Sepp Winkler (Bürgerliste) mahnte, man sollte den Sonntag wieder mehr achten. Er sei überzeugt davon, dass ein Alternativ-Sonntag keinen Untergang des Einzelhandels bedeuten werde. Nach Ansicht von Alfred Wildmann (FW) sollte es jedem Bürger selbst überlassen werden, wie er diesen Tag gestalten möchte. »Ich bin der Meinung, man sollte den angeblich umsatzstärksten und absolut notwendigen Sonntag beibehalten«, sagte Wildmann, der sich wie Bürgermeister Klaus Ritter zunächst für den Erhalt des verkaufsoffenen Sonntags am Totensonntag aussprach.

Die Aussage von Günther Dzial (SPD), dass das doppelte Gehalt, das dem Personal an den verkaufsoffenen Sonntagen gezahlt werde, nicht das »große Geld« sein werde, wies der Bürgermeister zurück. Als Inhaber eines Optiker-Geschäftes habe er die Erfahrung gemacht, dass das Personal gerne für das doppelte Geld arbeite. Martin Czepan (Grüne) regte an, generell im Landkreis Traunstein eine Initiative zu starten, die verkaufsoffenen Sonntage zu reduzieren. ga