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60 Jahre evangelische Pauluskirche in Traunreut

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Im Oktober 1954 wurde die Pauluskirche in Traunreut eingeweiht.

Traunreut. Die evangelische Pauluskirche in Traunreut wurde im Oktober 1954 eingeweiht. Zum 60-jährigen Bestehen feiert die Kirchengemeinde am Sonntag einen Jubiläums-Gottesdienst mit Dekan Peter Bertram. Am Abend gibt es zudem noch ein Orgelkonzert.


Bereits in den allerersten Tagen der Siedlung im St. Georgener Forst gab es eine kleine evangelische Kirchengemeinde, die sich aus Flüchtlingen und Vertriebenen aus den ehemaligen Ostgebieten zusammensetzte. Anfang der 1950er Jahre war rund die Hälfte der Bewohner in der neuen Siedlung evangelisch. Der erste Pfarrer der noch unselbstständigen Kirchengemeinde war Michael Waadt. Die Gottesdienste fanden damals in einer Holzbaracke, dem sogenannten Betsaal, statt. Diesen Saal teilten sich die evangelische und die katholische Kirchengemeinde. Der Grundstein für eine evangelische Kirche, die heutige Pauluskirche, wurde im November 1953 gelegt. Ein Architektenwettbewerb war von den Münchnern Helmut von Werz und Johann Christof Ottow gewonnen werden. Die Baukosten wurden damals auf 120 000 D-Mark veranschlagt.

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Der 3. Oktober 1954, dem Erntedankfest, war dann der große Tag. Nach einer letzten Abschiedsandacht im Betsaal zog die Kirchengemeinde in einem Festzug zur neu erbauten Kirche an der Carl-Köttgen-Straße und betrat zum ersten Mal den neuen Kirchenraum. Oberkirchenrat Arnold Schabert aus München nahm die feierliche Weihe des Gotteshauses vor. 1956 wurde das Mosaik »Der gute Hirte« vom Maler und Grafiker Martin von Gosen aus Prien gestaltet, das die Wand hinter dem Altar ziert, und die Kirche bekam ihre ersten Glocken.

Inzwischen sind 60 Jahre vergangen und die Kirche stellt heute »unser größtes Sorgenkind« dar, wie Pfarrer Stefan Hradetzky es ausdrückt. Das Dach ist brüchig, bei Regenschauern gibt es Wassereinbrüche über der Empore und im Turm. Die Oberlichter über dem Altar sind vergilbt und lassen längst kein klares Licht mehr herein. Die Innenbeleuchtung ist unzureichend und verursacht hohe Wartungskosten.

Auch Außenfassade und Innenraum müssen dringend renoviert werden. Die Kirchenbänke sollen wieder hell gestrichen werden und Stolperkanten, die sich durch Absenkung des Bodens ergaben, müssen beseitigt werden. Die Kosten für all diese Maßnahmen sind enorm und die Kirchengemeinde muss zwei Drittel davon selber aufbringen, was laut Schätzung circa 50 000 bis 70 000 Euro allein für die dringendsten Arbeiten an der Außenhülle ausmacht. Die evangelische Kirchengemeinde ist daher auf Spenden angewiesen und möchte mit dem Jubiläumsfest gleichzeitig einen Aufruf für finanzielle Unterstützung starten.

Wie Pfarrer Stefan Hradetzky betont, soll der ursprüngliche Entwurf der Gestaltung nicht geändert aber wieder spürbar gemacht werden. »Unsere Kirche hat eine tolle Akustik«, betont der Geistliche, »und sie ist neben der katholischen Kirche das zweite denkmalgeschützte Gebäude in der Stadt.« Ihn beeindruckt besonders der leicht trapezförmige Grundriss des Kirchenraumes, und dass die Sitzbänke durchgehend sind ohne Mittelgang, »das ist für mich ein Zeichen für den Zusammenhalt in der Gemeinde«. Als Besonderheit bezeichnet der Pfarrer auch die Lage des evangelischen Gotteshauses mitten im Zentrum am Stadtplatz, der an beiden Seiten von den Kirchen begrenzt wird. In anderen bayerischen Gemeinden müsse man die evangelische Kirche oft in den Randgebieten suchen.

Beim Gottesdienst am Sonntag will Pfarrer Stefan Hradetzky mit seiner Gemeinde auf die vergangenen 60 Jahre zurückschauen. Dekan Peter Bertram wird die Predigt halten und der Kirchenchor untermalt den Gottesdienst. Anschließend gibt es eine kleine Feier im Gemeindesaal. Um 19 Uhr abends gibt Michael Paschwitz (Orgel) zusammen mit Bernhard Steinhilber (Flöte) ein Benefizkonzert. Der Eintritt ist frei, es wird aber um Spenden für die Kirchenrenovierung gebeten. Auf dem Programm stehen Auszüge aus dem Werk von Johann Sebastian Bach. mix