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Georg Oberlohers bunter »Fuhrpark«, den er mit seiner Frau Evi präsentiert. (Fotos: Donhauser)

Ein Diakon mit handwerklichem Geschick: Der Seebrucker Georg Oberloher ist ein Autofreak

Seeon-Seebruck – Georg Oberloher ist ein Schrauber und Bastler. Seine große Leidenschaft sind besondere Autos. Der Diakon besitzt mittlerweile drei Repliken des Bugatti 35, die er in mühsamer Kleinstarbeit selbst zusammengebaut hat. Das Auto war in den 1920er Jahren eines der erfolgreichsten Rennwagen überhaupt. 


»Im Februar 1988 habe ich die ersten Teile in Frankfurt am Main abgeholt, zweieinhalb Jahre später, im September 1990, wurde er zugelassen«, sagt der Seebrucker über sein erstes Gefährt, das er bis heute besitzt. Der umtriebige Seelsorger, der vor seiner Zeit als Diakon bei der Sparkasse arbeitete, freut sich heute noch darüber. »So hat alles angefangen. Wir waren eine junge Familie, es war nicht so einfach, ein Abenteuer, aber meine Frau hat mich gewähren lassen«, sagt Georg Oberlohner über sein zeitaufwändiges und nicht ganz billiges Hobby.

»Was willst du denn mit so einer Plastikkarre?«

Evi Oberlohner betont im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt, dass sie ihren »Schorsch« bei seinem Hobby immer unterstützt habe. »Wenn er in der Garage war, wusste ich, wo er ist – und ich war beruhigt«. Seine Begeisterung fürs Werkeln entdeckte der Seebrucker schon als Kind: »Die Schrauberei war immer schon eine Leidenschaft, mein Vater hat mich inspiriert, der hat in seinen jungen Jahren einen echten Heuwagen aus Holz gebaut, das hat ihm keiner zugetraut«, sagt der 60-Jährige. Aber er sieht auch: »Die Generation der Schrauber stirbt aus.« Für den Diakon ist das ein toller Ausgleich. »Beim Schrauben kann ich abschalten. Das ist bis heute so.« Ungewöhnliche Autos haben den Seebrucker schon immer fasziniert. Doch er wollte nicht einfach einen Oldtimer kaufen, er wollte kreativ sein. »Die Mechaniker haben mir damals abgeraten, sagten mir: 'Was willst du denn mit so einer Plastikkarre? Kaufe dir lieber einen Echten.' Doch ich habe anders entschieden«, blickt Oberlohner zurück. Neben den drei Repliken des Bugatti 35 hat der Seebrucker auch zwei VW-Buggys zusammengeschraubt.

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Alles Handarbeit: Seine »Oldtimer« hat Georg Oberloher selbst zusammengeschraubt.

»Die Käfer-Technik ist einfach, zuverlässig und Ersatzteile sind auch heute noch problemlos zu bekommen«, sagt Oberlohner, der sich in vielen Fachbüchern schlau gelesen hat. Auch spielt das Thema Rost nur eine untergeordnete Rolle, da die Karosserien der Repliken aus Glasfaser bestehen.

Die Berühmtheit der VW-Buggys beruht auf einem Film der 70er Jahre mit Terence Hill und Bud Spencer. Hier hat ein roter Buggy mit gelber Haube die »Hauptrolle«. »Der hat mich damals mitgerissen und war immer schon schön«, sagt Oberlohner. Nun besitzt er zwei Stück davon.

Der Fuhrpark des Diakons besteht aus einem roten Buggy von 1967 mit schwedischer Karosserie, ein gelber deutscher Maplex-Buggy von 1973, die Bugattis sind von 1972 (weiß), 1969 (blau) und ein Roter von 1967, der noch nicht ganz fertig ist. Sie sind dem legendären Typ 35b nachempfunden.

»Echte Oldtimer kann ich mir nicht leisten«

»Echte Oldtimer kann und will ich mir nicht leisten, darum habe ich es über diese Schiene versucht.« Eine Bugatti-Replik beläuft sich auf 10 000 bis 15 000 Euro, ein Echter kann gut und gerne mal 1,5 Millionen Euro kosten. Oberloher steht zu seinen Repliken, deshalb ist bei den Bugattis auch eine Plakette angebracht, die darauf hinweist. »Ich liebe meine Babys und will niemandem etwas vorgaukeln.« Im Durchschnitt stecken in jedem der Autos 800 bis 1000 Stunden an Arbeitszeit, alles Handarbeit.

Evi und Schorsch Oberlohner sind auch Mitglieder im »ORC«, das ist der Oldtimer Replica Club. Die Treffen sind immer woanders in Deutschland, im nächsten Jahr in Bayern. Der Diakon hat nun fünf solcher Autos, wie geht es weiter? Seine Frau schaut etwas nachdenklich und sagt: »Ich glaube, es reicht!« Schorsch ist da anderer Meinung: »Man sollte niemals nie sagen«, sagt er und lacht.

Besondere Geschichten

Hobbybierbrauer, Dudelsackspieler oder ein Autoschrauber aus Leidenschaft – in loser Reihe ist das Traunsteiner Tagblatt auf der Suche nach besonderen Geschichten. Dabei ist es egal, ob es sich um ein Hobby, eine Leidenschaft, eine Persönlichkeit oder um eine besondere Fähigkeit handelt. Wer sich angesprochen fühlt, meldet sich unter lokales@traunsteiner-tagblatt.de oder unter Telefon 0861/9877-111 oder -113.

td/KR

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