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Keine Lawinengefahr in Raiten

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Polizeihauptkommissar Helmut Weidel zeigte eine Lawinen-Simulation nach dem Abgang 2009. (Foto: Wunderlich)

Schleching – Die Bürger in Raiten müssen nicht besorgt sein: Eine Gefahr durch eine Lawine, die sich möglicherweise an der Hochplatte löst, besteht nicht. Diese Feststellung stand im Mittelpunkt einer Informationsveranstaltung, die Bürgermeister Sepp Loferer angesetzt hatte.


Auch nach der vorübergehenden Evakuierung des Ortes Raiten im Januar herrscht bei den Bewohnern immer noch Unsicherheit. Viele fragen sich, wie die aktuelle Situation ausschaut und wie es weitergeht. Loferer verkündete, dass das Betretungsverbot für Hinterraiten ab sofort aufgehoben sei.

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An seiner Seite stand der Leiter des Bayerischen Lawinenwarndienstes beim Landesamt für Umweltschutz (LfU), Hans Konetschny, der den Bürgern seine fachliche Einschätzung zur aktuellen Situation gab. Seine zentrale Botschaft: Nach menschlichem Ermessen könne Raiten von einer Lawine aus dem Anrissgebiet der Hochplatte nicht getroffen werden.

Konetschny bezog sich auf den Lawinenabgang von der Hochplatte am 25. Februar 2009, der mit Hilfe einer Software zur Lawinen-Simulation ausgewertet worden sei – mit dem Ergebnis, dass die »Lebensversicherung« für Raiten der Felskopf auf der Hochplatte sei. Dadurch würde eine Lawine eine »kurvenbedingte Sturzform« nehmen müssen und somit gewaltig an Energie verlieren und das Ortsgebiet Raiten nicht erreichen.

Konetschny erinnerte an die Situation am 17. Januar 2019 auf der Hochplatte und die Gleitschneerisse an der Hochplatte. Er bezeichnete sie als »normale Erscheinung« bei dem außergewöhnlichen Schnee-Ereignis. Jetzt habe sich die Altschneedecke gut gesetzt, es könnten kleinere oder größere Lawinen abgehen, die aber keine Gefahr für Raiten seien, versicherte er. Im Frühjahr könnten Nassschnee-Lawinen abgehen. Auch in diesem Fall sind seinen Angaben zufolge kleinere und größere möglich, die aber – bedingt auch durch die Geologie des Bodens – keine Gefahr darstellen.

Der Bürgermeister versprach, zeitnah zu erkunden, was zu erwarten sei, falls sehr viel Schnee auf der Hochplatte liegt. Die Szenarien seien mit Hilfe der Simulations-Software und in Zusammenarbeit mit der Lawinenleitzentrale zu entwickeln. »Wir wollen nach vorn schauen und haben viele Hausaufgaben«, meinte er.

Es kamen zahlreiche Fragen aus dem Publikum. »Was ist mit der befürchteten Staublawine?« Der Alpinbeauftragte der Bayerischen Polizei, Helmut Weidel, antwortete, dass es sich bei einer Simulation gezeigt habe, dass eine Staublawine immer gerade runter geht«. Im Fall der Hochplatte würde sie bis zum Felsriegel laufen, dort würde die Wucht extrem minimiert werden, der Staub würde sofort in die Luft gehen und wäre für Raiten nicht existent. Es sei an der Stelle eher »nur« mit Fließlawinen zu rechnen.

Ob ein Absprengen bei der Schneehöhe nicht besser gewesen wäre, war die nächste Frage aus dem Publikum. Die Antwort vom Bürgermeister war, dass er sich immer von Fachleuten beraten lasse. In diesem Fall hätten sie geantwortet, dass man eine Sprengung in bebauten Gebieten nicht durchführe.

Auf die Frage nach einem Schutzwald unterhalb der Hochplatte kam die Antwort, dass die Besitzverhältnisse am Berg geklärt werden müssten, was sei staatlicher Forstbereich, was privat. Außerdem kam in diesem Zusammenhang der Hinweis, dass der Bremseffekt vom Wald nur fünf Prozent ausmache, entscheidender für die Lawinendynamik seien der Hangquerschnitt, die Felsformationen und die Schichtung der Gesteine.

Zum Abschluss versprach der Bürgermeister, aus den Berechnungsmodellen das Beste zu machen in enger Abstimmung mit den Fachleuten der Lawinenwarnzentrale. Bei neuen Erkenntnissen werde er wieder eine Informationsveranstaltung für die Bürger initiieren. Hans Konetschny beruhigte die Raitener Bürger. Es gebe keine bedrohte Infrastruktur, die Gefahrenbereiche würden laufend überwacht. wun