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Beschwerden über Raser in Ruhpolding: Eine ständige Gefahrenquelle

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Ruhpolding: Beschwerden über Raser an Maierschwendter-Straße – ständige Gefahrenquelle
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Sigi Urmann möchte nicht, dass die Kinder nach dem Tennistraining unter die Räder kommen. Die Warnweste soll Verkehrsteilnehmern signalisieren: Tempo runter. (Foto: Schick)

Ruhpolding – Unmut macht sich seit einiger Zeit entlang der Maierschwendter Straße breit. Die Anlieger sind frustriert darüber, dass viele Verkehrsteilnehmer zu schnell fahren und ihr Fahrverhalten nicht den Gegebenheiten anpassen. Vor allem Kinder sind betroffen, um deren Sicherheit sich Eltern, Großeltern und Betreuer große Sorgen machen.


Zwei Bereiche stehen dabei besonders im Fokus: einmal der Straßenabschnitt auf Höhe der Tennisanlage und des Hotels Maiergschwendt sowie die langgezogene S-Kurve, in die beidseitig in kurzer Folge gleich drei Gemeindestraßen einmünden; die Anbindung zum Ortsteil Buchschachen und schräg gegenüber die Zufahrt nach Bacherwinkl/Steinberg-Alm und zu den Blickner-Höfen. Zuständig für die Kreisstraße TS 43 ist das Landratsamt Traunstein. Sie ist auch Zubringer für den Freizeitpark in Vorderbrand.

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»Ich hab' immer Angst, dass mal was Schlimmes passiert,« sagt Sigi Urmann, der im Rahmen der Kooperation »Sport nach 1« mit der Ruhpoldinger Grund- und Mittelschule ehrenamtlich Tennisunterricht gibt. Das Gemeinschaftsprojekt des Kultusministeriums mit dem Bayerischen Landessportverband BLSV kommt seit Jahren sehr gut an. Derzeit hat er Mädchen und Buben im Alter von fünf bis fünfzehn Jahren unter seinen Fittichen.

Seit 1990 bietet der sportliche Mittsiebziger diese Möglichkeit an. Und es macht sichtlich allen Spaß. Doch der hört spätestens nach Trainingsschluss auf, wenn er seinen Schützlingen behilflich sein muss, damit sie nicht unter die Räder kommen. »Hier gilt zwar Tempo 50, aber 90 Prozent von denen ist das scheinbar egal«, ärgert sich Sigi Urmann über die Rücksichtslosigkeit vieler Fahrzeuglenker: »Die sehen doch, dass die Kinder über die Straße möchten.« Manchmal zieht er sogar seine Warnweste an, um mehr Aufmerksamkeit zu erzeugen.

Sein Antrag an das Landratsamt, das außerorts von ursprünglich 100 km/h bereits auf 50 km/h beschränkte Tempo weiter auf 30 km/h zu reduzieren, wurde allerdings von der unteren Verkehrsbehörde nach einer Prüfung abgelehnt, »weil Geschwindigkeitsbeschränkungen generell nur dort angeordnet werden dürfen, wo dies aufgrund der besonderen Umstände zwingend erforderlich und geboten ist«. Eine solche Gefahrenlage sei im besagten Bereich nicht erkennbar, heißt es in der Stellungnahme. Im Übrigen verweist die Behörde »auf die Grundregeln der Straßenverkehrsordnung, wonach die Teilnahme am Straßenverkehr die ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht erfordert und die Geschwindigkeit immer den Straßen- und Sichtverhältnissen anzupassen ist«.

Wie es scheint, ist dies vielen Verkehrsteilnehmern nicht immer bewusst. Dabei wollte Sigi Urmann nur im Sinne der Kinder auf Nummer Sicher gehen. Mit ähnlichen Aussagen argumentiert die Behörde beim zweiten neuralgischen Punkt, der nach Ansicht Urmanns genügend Gefahrenpotenzial birgt: die S-Kurve, in deren Verlauf die besagten Gemeindestraßen abzweigen. Noch dazu, weil sich an diesem Dreieck die Haltestelle für die Ortslinie und den Schulbus befindet.

Auch Sigi Urmanns Tennis-Eleven fahren mit dem Rad diese Strecke entlang, um zurück in den Ort zu gelangen. Warum ausgerechnet hier – im Gegensatz zur schnurgeraden Strecke in Maiergschwendt – kein Tempolimit besteht, ist ihm ein Rätsel. Anwohner berichten laufend von quietschenden Reifen, weil der Kurvenverlauf unterschätzt wird. Oder von Autofahrern, die so in Eile sind, dass sie verkehrswidrig am stehenden Bus vorbeifahren. Nicht auszudenken, wenn da plötzlich ein Kind die Straße überquert. Tempo 50 würde hier sicher positiv auf das Fahrverhalten einwirken, so Urmanns Einschätzung. Noch besser ein Radweg, der die momentane Situation deutlich entzerren würde.

Dazu erklärte Landratsamt-Pressesprecher Michael Reithmeier: »Wir nehmen alle Hinweise sehr ernst und werden die S-Kurve zeitnah gemeinsam mit der Polizei inspizieren und das Gefahrenpotenzial an dieser Stelle fundiert untersuchen.« ls