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Begnadete Träumereien auf Tasten

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William Youn am Flügel spielte wunderbar beseelte Schubert-Sonaten im Bibliothekssaal des Augustiner Chorherrenstiftes auf der Herreninsel. (Foto: Giesen)

»Dass Youn sich Schubert nahe fühlt, ist seinem uneitlen, dem natürlichen Fluss der Musik folgenden, nie seichten Spiel anzuhören. Tief spürt er hinein in Schuberts Weltverlorenheit, kostet das Gesangliche ebenso aus wie die harmonischen Abgründe…«, schrieb ein Kritiker anlässlich William Youns neuer Schubert-CD, die Ende August diesen Jahres erschienen ist. Die Zuhörer im zweimal nacheinander ausverkauften Bibliothekssaal des Augustiner Chorherrenstiftes im alten Schloss auf der Herreninsel lauschten gebannt den Klängen des begnadeten Pianisten William Youn auf dem Steinway-Flügel.


Auf dem Programm standen die beiden A-Dur Sonaten von Franz Schubert (1797 bis 1828). Die so genannte »kleine« Sonate, D 664, schrieb der Komponist 1819 während eines Sommerurlaubs in Steyr, als er in die 18-jährige »Peppi« (Josefine) verliebt war, die Tochter des Kaufmanns Josef von Koller, die nach Schuberts Worten »brav Klavier spielte«, wie Konzertmoderator Dr. Wolf-Dieter Seiffert, auch Vorsitzender des Freundeskreises Inselkonzerte, in seiner kompetenten, lebendigen Einführung zu den Stücken erläuterte. Die A-Dur-Sonate 664, in der Tonart, in der auch Schuberts berühmtes Forellenquintett geschrieben ist, zählte seinerzeit wegen ihrer lockeren, heiteren Atmosphäre zu den beliebtesten Sonaten des Komponisten. Wegen der relativ geringen Anforderungen an den Pianisten bezeichnete sie ein Kritiker später herablassend als Sonate »für kleine Mädchen«, so dass sie bis Mitte des vorigen Jahrhunderts kaum mehr gespielt wurde und erst Mitte des 20. Jahrhunderts wieder entdeckt wurde.

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In Klang, Atmosphäre und kompositorischer Gestaltung ganz anders ist die in Franz Schuberts Todesjahr 1828 geschriebene, viersätzige Sonate A- Dur D 959. Trotz der heiteren Haupttonart weniger fröhlich, mit zahlreichen Piano-Momenten: »Mit dem Zauberstab für harmonische Wendungen durch die Tonarten mäandernd«, wie es Musikwissenschaftler Dr. Seiffert in seiner Einführung beschrieb, war die fast 40-minütige Sonate ein berau-schendes musikalisches Erlebnis für die Zuhörer.

William Youn, 1982 in Korea geboren, ist ein begnadeter Pianist und Interpret, wohl besonders seines Lieblingskomponisten Franz Schubert. Mit seinem wunderbar zarten bis sehr kräftigem Anschlag scheint Youn förmlich mit der Musik zu verschmelzen – eins mit ihr zu sein. Seine bis in die letzte Faser feinfühlige Interpretation versetzt den Raum und mit ihm die Anwesenden in verträumte Schwingungen, die einfach nur beglücken. Dazu kam traumhaftes Spätsommerwetter in der wunderschönen historischen Umgebung – ein unvergessliches Erlebnis. Am Ende des Konzerts natürlich riesengroßer, nicht enden wollender Applaus.

Christiane Giesen

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