Helmut Mayer aus Teisendorf ist neuer Leiter des Staatlichen Schulamts Berchtesgadener Land

Helmut Mayer aus Teisendorf ist neue Leiter des Staatlichen Schulamts Berchtesgadener Land
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Singen und Musik sind für den neuen Leiter des Staatlichen Schulamts Berchtesgadener land, Helmut Mayer aus Teisendorf (sitzend), wichtig. Das stellte er zusammen mit seinem Vorgänger Klaus Biersack bei der Verabschiedung des Neukirchner Schulleiters Dieter Kellner im Juli unter Beweis. (Foto: Archiv Konnert)

Teisendorf – Seit 1. September hat das Schulamt im Landkreis Berchtesgadener Land einen neuen Leiter. Helmut Mayer folgte dem in den Ruhestand getretenen Schulamtsdirektor Klaus Biersack im Amt und ist nun im Landkreis Berchtesgadener Land verantwortlich für 25 Grund- und Mittelschulen mit rund 5000 Schülern. 


Im Gespräch mit unserer Zeitung hat der gebürtige Oberteisendorfer, der nach wie vor in seiner Heimatgemeinde als Single lebt und angibt, »mit seinem Beruf verheiratet zu sein«, einiges über seinen beruflichen Werdegang, sein neues Amt und sein Hobby, die Musik, preisgegeben. Letztere hat ihn schon früh fasziniert, erzählt Mayer. Seine Mutter habe mit Begeisterung im Kirchenchor von Oberteisendorf gesungen, wahrscheinlich sei daher auch sein Wunsch gekommen, Orgel zu lernen. Seit dem neunten Lebensjahr hatte er Orgelunterricht, während des Studiums auch die Fächer Musikpädagogik, Orgel und klassischen Gesang belegt.

Gitarre hat er sich selbst beigebracht

Später hat Mayer zur Unterhaltungsmusik gewechselt und spielt seit 1994 bis heute in der Band »Dramhappad« mit, Hammondorgel, Percussion, Gesang. Gitarre kam erst später dazu. »Als Grundschullehrer war es eben praktisch, schnell ein Instrument zum Gesang mit der Klasse zur Hand zu haben, da hab' ich mir Gitarrespielen selbst beigebracht«, so Mayer. Dafür wird in den nächsten Jahren kaum noch Zeit sein, denn mit dem neuen Amt hat Schulrat Mayer die »normale Lehrerkarriere« beendet. »Die Arbeit mit den Schülern fehlt mir jetzt schon am meisten«, gesteht er im Gespräch, »ich war und bleibe sehr gerne Grundschullehrer.« Der Wunsch, Lehrer zu werden, habe sich bei ihm schon während der Gymnasialzeit in Laufen herauskristallisiert. Nach der Bundeswehr in Regensburg und Bad Reichenhall hat Mayer im Wintersemester 1991 in Passau mit dem Studium für Lehramt Gymnasium, Fächer Englisch und Geographie, begonnen.

Schon bald habe er aber gemerkt, das sei nicht seins und ist nach einem Gespräch mit dem Studienberater zum Studium für Lehramt an Grundschulen gewechselt. Geografie als Hauptfach hat er beibehalten. Nach dem ersten Staatsexamen kam er als Lehramtsanwärter nach Leobendorf und Freilassing. Nach dem zweiten Staatsexamen 2000 folgte 2001 auf Ruf des damaligen Schulleiters die Anstellung in Saaldorf. Dann kam die Versetzung nach Teisendorf, wo Mayer sieben Jahre lang blieb, zuletzt als Konrektor. 2010 wurde er Schulleiter in Anger, 2018 übernahm er die Leitung der Grundschule Freilassing. Auch die Arbeit am Schulamt ist ihm nicht fremd, denn zwischen August 2014 und November 2016 war er bereits als Schulrat dorthin abgeordnet.

Als Leiter der Behörde trägt er jetzt die Verantwortung für die Personal- und Unterrichtsversorgung der Grund- und Mittelschulen im Landkreis, muss dafür sorgen, dass genügend Lehrer für den Fachunterricht – Sport, Religion, Werken und Gestalten, Soziales, Wirtschaft – bereit stehen, muss sich um die Unterrichtsentwicklung und -qualität inklusiv Personalfortbildung kümmern.

Im Fokus ist die Personalentwicklung

»Vor allem die Personalentwicklung muss ein Schulrat im Auge haben«, ist Mayer überzeugt. Da komme es ihm zugute, dass er die Schullandschaft im Landkreis aus seinen vielen Jahren als Grundschullehrer in der Region sehr gut kennt. Ein Bild der aktuellen Situation habe er sich von März bis Juni gemacht, als er Schulen im Landkreis besucht hat, um sich aus erster Hand zu informieren.

Seit seiner Einschulung in Mehring vor vielen Jahren habe sich die Schule grundlegend verändert, erzählt der neue Schulrat. Die Klassengröße, der Frontalunterricht, die Distanz zwischen Lehrer und Schüler, das Pochen auf strenge Disziplin, all das gibt es so nicht mehr. »Dennoch war die Schule in Mehring für mich ein Paradies«, erinnert sich Mayer. Die größten Veränderungen – mit nicht nur positiven Auswirkungen – habe aber der Einfluss der Medien und die Digitalisierung gebracht, die Privatsender, Computer, Handy und Tablet. Bei allem nicht zu leugnenden Fortschritt könne die Digitalisierung aber den direkten Kontakt und die menschliche Nähe zwischen Lehrer und Schüler, aber auch zwischen den Schülern, nie ersetzen, davon sei er überzeugt. »Der Lehrer muss ansprechbar sein, sehen und spüren, was in dem Schüler vorgeht«, so der Schulrat. Das habe auch Corona in verstärkter Weise nochmals klar vor Augen geführt.

»In der Schule auf Distanz zu gehen, soziale Kontakte durch Pandemie-bedingte Verordnungen zu unterbinden, war für uns alle eine nichtvorstellbare Situation.« Das Menschliche im Unterricht wieder ins Lot zu bringen und gleichzeitig die Digitalisierung als Werkzeug, nicht als Lehrerersatz voranzubringen, sei jetzt auch für ihn als Schulrat eine der größten Herausforderungen. Für die Regelungen zu Maskenpflicht, Quarantäne, Schulschließungen, Luftfilter sei das Schulamt nicht zuständig, man müsse aber dafür sorgen, dass der Unterricht im Rahmen solcher Vorgaben vernünftig gestaltet werden kann.

Was die Organisation der Schullandschaft im Landkreis betrifft, ist Mayer ein klarer Verfechter des Grundsatzes »kurze Beine – kurze Wege«. Heißt, bei den Grundschulen sollen Sprengelschulen auch mit Kombiklassen erhalten bleiben. Im Mittelschulbereich werden bei sinkender Schülerzahl mittelfristig Zusammenlegungen wahrscheinlich notwendig werden, so der neue Schulamtsleiter.

Für Schüler wird das schnell normal

Klare Worte findet der neue Schulrat auch zum Thema Inklusion. »Ich wünsche mir, dass Inklusion überall zur Normalität werden könnte, sehe aber auch die Schwierigkeiten, weil die Zahl der notwendigen Betreuer sehr hoch ist.« Mayer weiß, wovon er spricht, denn in der Grundschule Freilassing, wo er zuletzt tätig war, wurde Inklusion in großem Stil gelebt. Kinder mit Behinderung wurden nicht nur in den Unterricht integriert, sondern auch durch eine Schulbegleitung bei alltäglichen Dingen unterstützt. »Für alle Schüler wird das schnell zur Normalität. Dafür musst du es aber vorleben.«

Dies gelte auch für die Integration von Kindern mit Migrationshintergrund. Hier sei die Kenntnis der deutschen Sprache der Schlüssel für den Zugang zu Bildung und Kultur, deshalb seien auch individuelle Deutsch-Förderstunden ganz wichtig. »Wenn Schule bunte Vielfalt lebt, sind Kinder mit unterschiedlichen Möglichkeiten, Begabungen oder Herkunft keine Exoten, sondern normaler Teil des Gesamtbilds.«. Dafür will sich Mayer als Schulrat einsetzen.

kon

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