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»Anfangen ist leicht, Beharren eine Kunst«

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In den Werken von Hildegard Bauer-Lagally spiegeln sich oftmals ihre Eindrücke wieder, die sie bei Aufenthalten in Marokko gewonnen hat. (Foto: Morgenroth)

Im Rahmen der Ausstellungsreihe »Kunst im Amt«, mitinitiiert durch den Kunstverein Traunstein, findet in diesem Frühjahr bereits die dritte Präsentation in den Räumen des Landratsamtes Traunstein statt.


Der Kunstverein Traunstein widmet diese Ausstellung vier Künstlern, die seit mehr als fünf Jahrzehnten kunstschaffend und seit mehr als drei Jahrzehnten aktive Mitglieder im Verein sind. So ist auch der Titel »85 plus« auf diese Künstler abgestimmt. Zu sehen sind Werke von der in Arlaching lebenden Malerin Hildegard Bauer-Lagally, von dem Künstler Hans Herbert Hartwieg aus Prien, von dem Bildhauer Konrad Kurz aus Petting und dem Maler Hermann Wagner aus Seeon.

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Die Ausstellungsgestaltung und Hängung ist sehr durchdacht ausgeführt. So sind im 1. Stockwerk und Treppenhaus des Landratsamtes die Gemälde von Hildegard Bauer-Lagally zu sehen, die mit ihren Themen von »figürlichen« und »landschaftlichen« bis hin zu ornamentalen Formen eher die geerdete Position einnimmt. Bereits im 2. Stock sieht man mit den Arbeiten von Hans Herbert Hartwieg eine völlig unwirkliche und ganz andere Realität sowie ein extremes geometrisches Formenvokabular.

Im 3. Stock, in dem die Arbeiten von Hermann Wagner ausgestellt sind, gelangt man in eine »höhere« aufgelöste Sphäre, die an Meditation und Transzendenz denken lässt. Unterschiedlich verteilt auf diesen Stockwerken sind die ausdrucksstarken Bronzearbeiten von Konrad Kurz präsentiert, die durch ihre Platzierung leider nicht zu ihrer vollen Entfaltung und Wirkung kommen können. Der besondere Reiz dieser Ausstellung liegt darin, dass vier bedeutende Künstler aus unserer Region in einer gemeinsamen Ausstellung einen kleinen Einblick in ihr langes und umfangreiches Kunstschaffen geben.

Hildegard Bauer-Lagally beginnt in verhältnismäßig konventioneller Malweise. Von Beginn ihrer Malerei an zeigen sich schon persönliche malerische Qualitäten und Eigenwilligkeiten im Sujet. Die 96-Jährige lebt und arbeitet seit 1970 auf dem Thomahof in Arlaching bei Seebruck und entwickelt im Laufe ihres künstlerischen Schaffens in dekorbetonten Flächenkompositionen eine originäre Formenvielfalt von koloristischem Reichtum. HBL, so ihre Signatur, beschäftigt sich dabei intensiv mit Formfragen und der Gewichtsverteilung.

Zu sehen sind im Landratsamt Traunstein 18 Arbeiten, in denen sich die Verspannung der Motive zeigt, die zu einer immer größeren Flächenbezogenheit führen. Geprägt von längeren Aufenthalten in Marokko (1969 bis 1980) und unter dem Eindruck orientalischer Kunst gelingt Bauer-Lagally der Verzicht auf tiefenräumliche Darstellungen. Es entstehen Gemälde in Öl in flächig-rhythmischer Vereinfachung. Die häufig stark reduziert wirkenden Gemälde verblüffen durch die spielerische Kombination geometrischer oder figürlicher Muster und ornamentaler Spiegelungen. In ihren Schaukelbildern greifen einzelne Elemente in und aneinander und klingen in ihrer Gesamtheit trotz der leuchtenden Farbigkeit harmonisch zusammen.

Ebenfalls 18 Arbeiten sind von dem 94-jährigen Künstler Hans Herbert Hartwieg zu sehen. Wie es scheint, interessiert sich Hartwieg nicht unbedingt für die »Schönheit« der Landschaft. Vielmehr reizt ihn, dass ein »unwirkliches Motiv den Hauptteil eines Bildes einnimmt. Die dabei gewählten Standpunkte und Perspektiven bewirken einen starken Tiefensog wie z. B. in »Chiemsee am Morgen-Pendent«. In der Farbe und Formgebung sucht und findet Hartwieg dabei seinen eigenen Weg, der zugleich Inhaltliches mitklingen lässt. Einen großen Teil seiner ausgestellten Arbeiten lassen Hartwiegs Vorliebe für Geometrische Formen und Kompositionen erkennen.Die Bildkompositionen bestehen aus einem denkbar einfachen Gerüst rein geometrischer Formen, Kreise sind beispielsweise oft streng symmetrisch aufgebaut.

Hermann Wagner entwickelte im Laufe seines künstlerischen Schaffens seinen eigenen Malstil. Er zählt mittlerweile zu den bedeutendsten bekanntesten Malern in unserer Region. Im Vergleich zu seinen früheren, eher expressiv-informellen Werken ist er in seinen jüngsten Arbeiten zurückhaltender. Die 15 großformatigen Gemälde des 88-Jährigen sind getragen von einer inneren Leuchtkraft und von äußerster Konzentration auf nur wenige »Formen«, die trotz flächiger Anlage eine gewisse Tiefenräumlichkeit spüren lassen. Die Farben sind flächig aufgetragen, wobei vielfach ein Farbton einen Kontrastton überlagert, sodass der untere Ton zur Belegung und zur Harmonisierung des ganzen Bildes beiträgt.

Dabei lässt der Entstehungsprozess von Wagners Werken an die Methoden der fernöstlichen Kunst denken, die mit Charakteristika wie Meditation, Konzentration und Improvisation umschrieben werden. Nicht mehr ein Gegenstand oder Inhalt ist Anlass zu einem Gemälde, sondern das fertige Bild selbst ruft beim Betrachter Assoziationen hervor, mit denen das Gemälde belegt ist. Obwohl Hermann Wagner ähnliche Formen und Bildaussagen immer wieder variiert, gelingt es ihm immer, die innere Kraft beizubehalten. Der Seeoner Maler schafft Arbeiten von intensiver Leuchtkraft, deren oftmals chromatische Effekte insbesondere der Sichtbarmachung des Lichts dienen.

Der Bildhauer Hermann Kurz hat sich in seinem vielgestaltigen Oeuvre über sechs Jahrzehnte mit Problemen und Äußerungen menschlichen Daseins, mit Werten und Idealen des Menschen beschäftigt. Er hat unterschiedlichste Materialien erprobt und hat sich einen Namen als einer der ausdrucksstärksten Bildhauer der Region gemacht. Kurz’ Werk konzentriert sich auf Themen wie Porträts, Akte und Torsi in vielen Variationen, die vorwiegend in Bronze, aber auch in Terrakotta gearbeitet sind. Entscheidend ist für die Arbeiten von Konrad Kurz ist die Auseinandersetzung mit der Antike.

Die in Traunstein präsentierten weiblichen Figuren, Halbfiguren und Torsi bezeugen diesen Einfluss. Sie haben vielfach einen klassischen bildhauerischen Ansatz und die Motive knüpfen an antike und christliche Inhalte an. Die 11 Plastiken sind eher gekennzeichnet von einer ruhigen Stimmung, einer relativen Naturnähe und einer statuarischen Figurenauffassung. In ihnen ist Sinnlichkeit und bisweilen auch Vitalität zu spüren. Der 83-jährige Bildhauer so scheint es, verfolgt ein klassisches Ideal, ohne jemals akademisch-klassizistisch zu sein.

Die sehenswerte Ausstellung ist bis 2. Juni zu sehen und jeweils von Montag bis Donnerstag von 8 bis 12 Uhr und von 13 bis 16 Uhr sowie am Freitag von 8 bis 12 Uhr geöffnet. Gabriele Morgenroth