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Vom Olympia-Helden zum Sportmarketing-Experten

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Trotz einiger Probleme sieht er den Biathlonsport in Deutschland insgesamt positiv: Peter Angerer. (Foto: S. Huber)

»Was macht eigentlich?« in dieser Serie stellen wir Ihnen ehemalige Sportstars aus der Region vor. Diesmal geht es um den »Helden der Olympischen Spiele 1984 in Sarajevo«, Peter Angerer.


»Diesen Begriff habe ich nicht erfunden, das hat sich so ergeben«, meint der heute 54-jährige Ex-Biathlet. Er hatte sich in Sarajevo den gesamten Medaillensatz mit Gold, Silber und Bronze gesichert und damit den Biathlon-Boom in Deutschland ausgelöst.

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Auf die Frage »Was macht eigentlich Peter Angerer?« meint er schmunzelnd: »Ich versuche gerade wieder auf die Beine zu kommen und bin in der Reha.« Schließlich hat er im Sommer gerade zwei neue Hüftgelenke bekommen.

Beruflich ist Angerer selbstständig, und zwar im Bereich Sportmarketing, speziell im Snowboard für den internationalen Skiverband in der Schweiz. Obwohl sich im kommenden Jahr der Erfolg von Sarajevo zum 30. Mal jährt, wird der für den SC Hammer startende Olympiasieger immer noch erkannt und ein Autogramm des 54-Jährigen ist immer noch gefragt. »Vom Ruhm kannst du aber nicht runterbeißen. Das ist mir im Endeffekt aber nicht so wichtig«, sagt er.

Trotzdem sind ihm die Eindrücke der Spiele immer noch persönlich allgegenwärtig. »Das war mein größter sportlicher Erfolg, das ist bleibend. Ich weiß noch viele Details, da könnte ich stundenlang erzählen.« Der Grundstein zum damaligen Erfolg wurde seiner Ansicht nach in einer perfekten Vorbereitung gelegt. Durch die vorherige Jugend-WM in Sarajevo habe er die Strecken in- und auswendig gekannt.

»Wir waren wie eine kleine Familie im Olympischen Dorf. Wir hatten alle Top-Leute dabei, vor allem die Betreuung durch Karl Zellner war optimal. Ich musste nur noch das machen, was ich kann.«

Schockiert über Bürgerkrieg

Nach dem Gewinn der drei Medaillen war der Wirbel um Peter Angerer groß. Zum Beispiel hatten die Österreicher 1984 bei den Spielen nur eine einzige Medaille geholt. Sogar die »Yellow-Press« schlachtete damals das Privatleben Angeres bis ins Detail aus. »Na ja, ich habe das nicht umsonst gemacht«, meint er rückblickend schmunzelnd und fügt hinzu: »Ob ich es noch einmal so machen würde, ich weiß nicht.«

Umso mehr haben ihn Jahre später die Bilder vom Bürgerkrieg im damaligen Jugoslawien erschüttert. »Ich habe damals im Fernsehen gesehen, wie das Olympische Dorf gebrannt hat. Dann haben sie auch noch die Sprungschanze gesprengt, unglaublich.«

Vier Jahre später nahm Peter Angerer erneut an den Olympischen Spielen teil. 1988 rief Calgary die Wintersportler aus der ganzen Welt. »Meine Erwartungen waren da nicht mehr so groß. Da hat es schon bessere und schnellere Biathleten gegeben. Das muss man richtig einordnen, dann ist es auch nicht mehr so wichtig«, meint er rückblickend. Was blieb, war immerhin noch eine Silbermedaille in der Staffel. Im selben Jahr beendete er seine Karriere.

Schießstand selbst gebaut

Gerne erinnert sich Peter Angerer noch an die Anfänge seiner Laufbahn, als es zunächst daran ging, mit dem Ruhpoldinger Biathlon-Urgestein Theo Merkel im Bereich der heutigen Chiemgau-Arena einen Schießstand zu bauen.

»Das ist der Unterschied zu heute«, meint er. »Wir haben unseren Schießstand selber gebaut, die heute wissen nicht mal, welchen Ski sie laufen sollen.«

Peter Angerer sieht den mittlerweile entstandenen »Biathlon-Zirkus« durchaus auch kritisch. »Ich war der einzige Chiemgauer, der es ganz nach oben geschafft hat. Nach mir hat es eigentlich nur Andi Birnbacher geschafft«, sagt er. »Alle anderen sind von auswärts gekommen, auch Fritz Fischer ist ursprünglich ein Kehlheimer.«

Deswegen verfolgt er alles, was sich am heimischen Stützpunkt tut. »Da gibt es gute Talente. Aber der Weg ist sehr weit zur Spitze. Da waren schon viele da, übrig geblieben ist kaum jemand.«

Auch die Entwicklung nach der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten sieht er durchaus kritisch.

»Das war damals immer eine Art geschlossene Gruppe im Weltcup. Da ist kaum einer reingekommen. Die Norweger haben da ein ganz anderes System. Zwei bis drei sind gesetzt, dahinter ist alles offen. Bei uns hat man sechs Leute gesetzt und das war es. Darum hängen wir jetzt ein wenig durch«, meint er.

Mehr Geduld mit Talenten

Man müsse mehr Mut haben, rät er den derzeit Verantwortlichen beim DSV. Bei manchem jungen Biathleten gehe der Knoten halt plötzlich und unvermutet auf.

»Vielleicht hat es der DSV auch so gewollt, weil durch die Erfolge eine Art 'Wohlfühlranzen' entstanden ist.«

Trotzdem sieht Angerer den Biathlonsport in Deutschland positiv. »Die Qualität der Trainer und Sportler ist groß. Manchmal wird auf einem sehr hohen Niveau gejammert. Wir haben derzeit halt nur drei bis vier Topleute.« SHu.