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Nur Training, keine Rennen: »Das schmerzt schon sehr«

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Dieses Bild ist rund ein Jahr alt: In Werfenweng im Salzburger Pongau erlebten die Schlittenhunde-Musher, ihre Tiere und tausende Zuschauer im Januar 2020 noch einen unvergesslichen Winter-Traumtag bei der Deutschen FISTC-Meisterschaft. (Foto: Bittner)

Seit Andi Birkel weiß, was Sache ist – nämlich keine Rennen in diesem Winter – geht es ihm wieder »ganz gut«. Aber natürlich wühlte und wühlt ihn die beklemmende Situation der weltweiten Pandemie auch auf, keine Frage. »Wir haben uns damit abgefunden und da-rauf eingestellt«, sagt der erfahrene Musher.


Für sein Team hatte er sich im Sommer zwei neue Hunde geholt: »Joker«, acht Monate jung, und »Woody«, sieben Monate, beide aus den Niederlanden. »Mit den Hunden aus dem Chiniaks- und dem Canis- Polaris-Zwinger haben wir immer sehr gute Erfahrungen gemacht«, freut sich der Weißbacher. Sie sind jedoch aufgrund ihres Alters erst in der Saison 2021/22 eine Option. Das gilt genauso für »Edge«, siebeneinhalb Monate jung und ebenfalls aus Holland: Er ist der süße Neuzugang im Team der Reichenhallerin Kathi Demmelbauer, zweifache WM-Bronzemedaillen-Gewinnerin in der Skijöring-Klasse.

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Durch den Verband Deutscher Schlittenhundesport-Vereine (VDSV), in dem Andi Birkel, seine Lebensgefährtin Sabine Steinbacher und Kathi Demmelbauer, alle vom SC Weißbach, Mitglied sind – und damit Athleten des deutschen Nationalteams – erreichten die heimischen Spitzen-Musher Kader-Status. Konkret heißt das: »Wir haben die Möglichkeit, Veranstaltungen als Profi-Bewerbe zu deklarieren und letztlich daran teilzunehmen. Freilich bedeutet das für diesen Winter nicht, dass wir jetzt ganz normale Rennen abhalten könnten oder würden«, informiert Birkel.

Gleichwohl schafft es der VDSV in Zusammenarbeit mit dem SC Haidmühle im Bayerischen Wald – 2019 Ausrichter der Weltmeisterschaft – ein Schlittenhunde-Trainingslager auf die Beine zu stellen. »Davon profitiert die dortige Gemeinde ein wenig, die es in einer eher strukturschwachen Gegend nicht einfach hat, sich jedoch sehr um den Schlittenhunde-Sport bemüht«, ergänzt der erfolgreiche Wintersportler.

Ein wenig trainieren im Bayerischen Wald

Das Trainingslager ist seit knapp drei Wochen eingerichtet und kann – je nach Schneelage – noch bis Mitte März besucht werden. Andi Birkel und Sabine Steinbacher werden voraussichtlich Mitte Februar daran teilnehmen, vor allem um ihre beiden »Neuzugänge« schon mal ein wenig an die Gegebenheiten eines Schlittenhunde-Lebens – unter anderem im Stake-out mit vielen weiteren Artgenossen – zu gewöhnen. Selbstverständlich unter Berücksichtigung aller geltenden Corona-Auflagen, unter anderem ist ein negativer Test der Musher für die Anreise Voraussetzung.

»Wir können dort ein wenig unter professionellen Bedingungen trainieren, die Hunde gut bewegen und ihnen somit zumindest das Gefühl vermitteln, als sei es ein halbwegs normaler Winter«, freut sich der 56-Jährige über das Angebot. An Haidmühle hat Andi Birkel ohnehin beste Erinnerungen, vor zwei Jahren gewann er dort WM-Bronze.

In Todtmoos im Landkreis Waldshut in Baden-Württemberg war für das vergangene Wochenende sogar ein Rennen geplant, welches vorab als Profi-Bewerb deklariert wurde. »Im Grunde gibt es bei uns zwar keine reinen Profis, die gibt es, wenn überhaupt, nur in Nordamerika«, informiert Birkel. »Die deutschen Kadersportler erhielten jedoch jenen Status, der ihnen die Teilnahme an Rennen – freilich unter Ausschluss der Öffentlichkeit – erlaubt.« Die örtliche Struktur auf einem Berg mit nur einer Zufahrtsstraße, gut absperrbar, und in einem Wald ohne große Wege hätte einen unkontrollierten Menschenauflauf verhindert. Aufgrund der heftigen Wettervorhersagen vor allem mit Starkregen wurde die Veranstaltung jedoch kurzfristig abgesagt.

»Wir wären nicht hingefahren«, sagt Birkel. »Erstens, weil uns 550 Kilometer als Anreise in diesen Zeiten zu aufwendig erschienen. Zweitens, weil wir uns nicht nachsagen lassen wollen, dass wir jetzt dieses Privileg des Reisens ausnutzen«, ergänzt der Weißbacher. Freilich ist eine Sache richtig bitter: Nach zuletzt schneearmen Winter-Halbjahren und einem mit definitiv zu viel Schnee – Inzell 2019 musste deshalb abgesagt werden – herrschen ausgerechnet in dieser nun mehr oder weniger ausgefallenen Saison perfekte Bedingungen. »Der Schnee ist momentan ein Traum. Das schmerzt schon sehr«, gibt Birkel zu. Momentan kann er, wie alle anderen Schlittenhunde-Kollegen eben auch, nur trainieren.

Einige heimische Veranstalter hofften bis zuletzt, ihre Rennen inklusive umfangreicher Hygiene-Konzepte durchführen zu können, aber letztlich wurde alles abgesagt. Jüngst gab der letzte Veranstalter – Hintersee in der Fuschlsee-Region – entnervt auf und sagte sein Renn-Wochenende, vorgesehen für 20./21. Februar, ab. Letztes Jahr war die dort vorgesehene Premiere aufgrund zu warmer Temperaturen ausgefallen. In Cortina d’Ampezzo in Venezien sind am 27. und 28. Februar noch Schlittenhunde-Rennen geplant.

Planungen für denWinter 2021/22 laufen

Doch schon jetzt konzentrieren sich alle Hoffnungen auf den Winter 2021/22: Die Weltmeisterschaft des globalen Verbands WSA war in Särna, Ramundberget und Åsarna in Mittel-Schweden geplant. Der Ausrichter erhielt nun aber auch die Zusage für März 2022. In dieser Saison wäre Sabine Steinbacher mit einem laut Birkel »richtig starken Viererteam« mit Flow, Mojito, Flip, und Sky, der einzigen Husky-Dame, gestartet. In der kommenden Saison möchte Andi Birkel mit diesem Quartett plus seinen beiden Neuen – also Joker und Woody – in einem konkurrenzfähigen Sechsergespann antreten.

Finanziell sieht es »noch« gut aus. Die so wichtigen Sponsoren bleiben vorerst bei der Stange. »Zumindest ums Futter muss ich mir keine Sorgen machen. Für 2022 gilt es halt, wieder neu zu verhandeln«, sagt Andi Birkel, der dank seiner Erfolge einen Namen in der Szene hat und entsprechende Referenzen vorweisen kann.

bit

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