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»Wir sind durchgehend voll belegt«

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Viele schöne Momente erlebte Ulrike Duda schon mit den Kindern in der Inobhutnahmestelle. Zuletzt kam auch der Nikolaus und hatte für jedes Kind etwas Kleines dabei.

Unterwössen – »Am Anfang gab es viele Hürden, aber summa summarum ist es ganz gut gelaufen.« Dieses Fazit zieht Ulrike Duda aus Oberwössen. Die 48-Jährige betreibt seit etwas mehr als einem Jahr die Inobhutnahmestelle in Litzelau, insgesamt 97 Kinder wurden seitdem aufgenommen. »Wir haben im September 2016 eröffnet und schon zu den Herbstferien waren wir das erste Mal voll. Seitdem sind wir durchgehend voll belegt.«


In der Inobhutnahmestelle finden Kinder, die aus Familien mit Problemen kommen und deshalb vom Jugendamt herausgenommen werden, vorübergehend ein neues Zuhause. Bis zu drei Monate können sie dort bleiben, bis eine langfristige Lösung gefunden ist. Liebevoll betreut werden die Kinder und Jugendlichen in dieser Zeit von Ulrike Duda und ihrer Familie, sieben Erzieherinnen, einer Berufspraktikantin und einer Hauswirtschafterin. Auch ein Hausmeister gehört zum Team, der alle Arbeiten rund ums Haus übernimmt.

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Wie gut es den Kindern in Litzelau geht, hat sich inzwischen herumgesprochen. »Die Ämter schätzen uns wegen unserer fachlichen Arbeit. Sie wissen, dass die Kinder hier zur Ruhe kommen können.« Anfragen kommen daher nicht mehr nur vom Jugendamt Traunstein oder aus dem Berchtesgadener Land, sondern auch aus München oder Bad Tölz. »Das zieht ganz schön weite Kreise.« Auch in den Sommerferien habe es fast täglich Anfragen gegeben, die aber abgelehnt werden mussten, weil einfach kein Platz war. Denn Ulrike Duda darf nicht mehr wie zehn Kinder gleichzeitig aufnehmen.

»Viele Kinder bekommen keine Liebe«

Was die gelernte Erzieherin besonders erschreckend findet, ist, dass die seelische Misshandlung der Kinder stark zugenommen hat. »Viele Kinder bekommen von ihren Eltern keine Liebe.« Diesen emotionalen Missbrauch könne man im Gegensatz zu Schlägen nicht sehen. »Es dauert deshalb auch sehr lange, bis wir an die Kinder herankommen.«

Um aber noch besser herausfinden zu können, was die Kinder wirklich benötigen, ist ab Januar eine Kooperation mit der Kinderpsychiatrie in Prien geplant. In einem sogenannten Clearing-Prozess werden die Kinder ganzheitlich erfasst. Es wird herausgefunden, welche (psychischen) Probleme sie haben und wie man ihnen helfen kann. »Das ist der Hammer in unserem Konzept. Andere Einrichtungen bieten das nicht«, so die 48-Jährige. »Da bin ich auch wirklich stolz drauf.« Außerdem kommt jeden Mittwoch eine Heil- und Traumapädagogin ins Haus und nimmt sich ausführlich Zeit für jedes Kind. »Ebenfalls sehr gut ist die Zusammenarbeit mit einer Ergotherapeutin und einer Logopädin«, freut sich Ulrike Duda.

Größere Zwischenfälle hat es im ersten Jahr des Bestehens der Inobhutnahmestelle nicht gegeben, erzählt Ulrike Duda. »Zwei Kinder mussten notfallmäßig in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen werden, weil sie fremdgefährdend wurden. Das war dann auch für unser Team sehr schwierig.« Aber es gab auch viele schöne Momente. »Häufig melden sich Kinder, die bei uns gelebt haben, wieder bei uns. Man spürt einfach diese große Dankbarkeit, dass man ihnen den Weg geebnet hat.« Zuletzt wurde gemeinsam mit den Kindern das Nikolaus-Fest gefeiert.

Ulrike Duda wünscht sich Spielplatz für Kleinkinder

Doch die Oberwössnerin blickt auch in die Zukunft. Da sehr viele kleine Kinder aufgenommen werden, braucht sie entsprechendes Spielzeug. »Wir wünschen uns einen Spielplatz für Kinder bis vier Jahren. Und auch ein Bodentrampolin wäre toll.« Doch auch gut erhaltene Winterbekleidung wird gerne angenommen, denn oft haben die Kinder nur das Nötigste bei sich, wenn sie in der Inobhutnahmestelle eintreffen. »Und auch die Skikurse und Schulausflüge der größeren Kinder stehen wieder an«, sagt die 48-Jährige. Die Inobhutnahmestelle ist deshalb auf Spenden angewiesen. Wer helfen will, kann Spenden überweisen an IBAN DE77 7105 2050 0040 5172 60. »Das Geld kommt direkt bei den Kindern an«, versichert Ulrike Duda und hofft, vielleicht schon bald den Spielplatz für die Kleinkinder anschaffen zu können. jar

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