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»Weihnachten wird auch bei uns richtig familiär«

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Auch diese beiden Buben werden Weihnachten nicht zu Hause verbringen, sondern das Fest zusammen mit der Familie von Ulrike Duda feiern. (Foto: Artes)

Unterwössen – Für viele Familien ist Weihnachten das Fest der Liebe. An den Feiertagen verbringt man ausgiebig Zeit mit seinen Liebsten. Doch nicht immer herrscht Harmonie, oft gibt es Streit und Gewalt, Kinder müssen im schlimmsten Fall aus den Familien herausgenommen werden und kommen in Pflegefamilien oder Inobhutnahmestellen unter. Genau so eine betreibt Ulrike Duda seit rund  vier  Monaten  in   der Litzelau. Zusammen mit ihrer Familie will sie den Kindern, die dort gerade leben, einen unvergesslichen Heiligen Abend bereiten.


Mehr als 500 000 Euro haben die Oberwössnerin und ihr Lebensgefährte Christian Schmid in die Hand genommen und die Inobhutnahmestelle aus eigener Tasche aufgebaut. Im September wurde das Haus offiziell eröffnet – »und es schlägt ein wie eine Bombe«, erzählt die gelernte Erzieherin. Schon nach wenigen Wochen war das Haus voll und ist derzeit mit zehn Kindern und Jugendlichen zwischen sieben und 17 Jahren belegt. Diese werden von Ulrike Duda und fünf Erzieherinnen rund um die Uhr liebevoll versorgt.

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»So wie es hier ist, sollte es zu Hause auch sein«

Häufig stammen die Kinder aus sozial schwachen Familien, in denen es Probleme gibt, erzählt die 47-Jährige. »Sie werden dann aus den Familien genommen, weil sie dort nicht geachtet oder nicht gesehen werden und kommen zu uns.« In der Inobhutnahmestelle erwartet die Kinder dann ein Kontrastprogramm zu dem, was sie von Zuhause gewohnt sind. »Hier werden sie von uns angenommen. Wir sagen ihnen, dass wir wissen, wie schwer sie es gehabt haben.« Und Ulrike Duda und ihre Mitarbeiterinnen versuchen, den Kindern wieder Geborgenheit und ein Stück Normalität zu geben. »Die Kinder können bei uns erst einmal zur Ruhe kommen und aufatmen.« Schon nach einigen Tagen hört sie dann aber häufig von den Kindern: »So wie es hier ist, sollte es bei uns zu Hause auch sein.«

»Weihnachten nie aus den Augen verloren«

Wie auch in vielen anderen Familien haben die Kinder der Inobhutnahmestelle eine aufregende Vorweihnachtszeit erlebt. »Wir haben Weihnachten nie aus den Augen verloren«, so Duda. An den vier Adventssonntagen wurden kleine Adventsfeiern ausgerichtet, jedes Kind bekam einen eigenen Adventskalender mit Süßigkeiten »und wir haben einen Christkindlmarkt-Marathon hinter uns«. Auch der Nikolaus war bei den Kindern zu Gast und hatte für jedes einen Schlafanzug und Süßigkeiten dabei.

Nun steht der Heilige Abend an, ein Tag, den Kinder normal zusammen mit ihren Familien verbringen. »Auch bei uns wird es richtig familiär«, freut sich Ulrike Duda. Ihre Mitarbeiterinnen haben heute alle frei, stattdessen übernimmt ihre Familie – ihre vier erwachsenen Kinder mit ihren Partnern, ihr eigener Lebensgefährte, ihre beiden Pflegekinder sowie Oma und Opa – die Betreuung der Kinder. Im großen Wohn- und Essbereich wird das Christkind einen geschmückten Christbaum aufstellen, verrät die 47-Jährige.

»Am Nachmittag werden wir dann mit den Kindern in die Kirche nach Oberwössen gehen und dann mit Lichtern wieder nach Hause.« Dort steht dann das gemeinsame Essen auf dem Programm. Die Oma wird für alle Kartoffelsalat und Schinken im Brotteig machen. »Und natürlich gibt's bei uns auch eine Bescherung«. Alle Kinder dürfen sich auf Geschenke freuen. »Ein persönliches, größeres Geschenk bekommen sie von mir«, erzählt Duda. Ein weiteres Geschenk bekommen die Kinder von Geschenkpaten. Außerdem soll gemeinsam gesungen werden und die Kinder wollen ein Gedicht aufsagen. »Dafür haben sie in den vergangenen Tagen fleißig geübt.«

Damit das Christkind auch weiß, was es überhaupt bringen soll, haben die Kinder im Vorfeld Wunschzettel geschrieben und ans Fenster gehängt. Neben ferngesteuerten Autos, Schminke oder Spielen stehen darauf aber auch einige besondere Wünsche wie »Ich wünsche mir, dass meine Mama wieder gesund wird« oder »Ich wünsche mir, dass zu Hause nicht mehr so viel gestritten wird.«

Inobhutnahmestelle ist auf Unterstützung angewiesen

Auch Ulrike Duda hat zwei Wünsche: »Ich brauche dringend noch weitere Mitarbeiter«. Und auch über Spenden würde sich die Oberwössnerin freuen. »Die Kinder haben natürlich Wünsche für die Weihnachtsferien. Da das Projekt schon privat finanziert ist, können wir diese aber kaum erfüllen.« So würden die Kinder zum Beispiel gerne mal ins Kino gehen, zum Schwimmen fahren oder einkaufen gehen. Und auch für Skikurse, die dann nach den Ferien in den Schulen anstehen, wird noch Geld gebraucht, damit die Ausrüstung ausgeliehen werden kann. Sehr hilfreich ist in diesem Zusammenhang eine Spende der Klöpfelkinder aus Mettenham und Raiten: 800  Euro haben sie Ulrike Duda kurz vor Weihnachten übergeben.

Wer die Inobhutnahmestelle unterstützen möchte, kann Spenden auf ein Konto bei der Sparkasse überweisen (BIC: BYLADEM1TST IBAN: DE 77 7105 2050 0040 5172 60 oder dem Förderverein beitreten. »Dieser unterstützt nicht das Haus, sondern das Geld kommt direkt bei den Kindern an.« Mit weiteren Spenden kann vielleicht auch noch der ein oder andere Weihnachtswunsch der Kinder und Jugendlichen nachträglich erfüllt werden. Julia Artes