weather-image

Viel Prominenz bei Festakt im »Waltraud-Tunnel«

4.7
4.7
Bildtext einblenden
Beim Tunnelanschlag (hinten von links) Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner, MdL Klaus Steiner, Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer, Tunnel-Patin Waltraud Bierschneider, Bürgermeister Stephan Bierschneider (verdeckt) und MdB Peter Ramsauer sowie (vorne) MdB Bärbel Kofler. (Foto: Seifert)

Altenmarkt – Der feierliche Tunnelanschlag im Aubergtunnel in Altenmarkt ist am Mittwochabend zu einem kleinen Dorffest geworden: Trotz brütender Hitze kamen neben den Ehrengästen um Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) zahlreiche Altenmarkter Bürger. Sie wollten die seltene Chance nutzen, sich einmal selbst ein Bild von der imposanten Baustelle zu machen. Etliche Meter haben sich die Arbeiter bereits in den Berg vorgegraben – dort erfolgte nach den Ansprachen und der Segnung von zwei Figuren der heiligen Barbara der offizielle Tunnelanschlag. Die Blaskapelle Altenmarkt sorgte für die passende Musik, und in der Werkstatthalle wurden im Anschluss Speis und Trank serviert.


Alle Redner wünschten den Mineuren einen unfallfreien Verlauf der Bauarbeiten. »Wir starten heute in die heiße Phase«, sagte der Chef des Staatlichen Bauamts Traunstein, Christian Rehm. Im Gesamtkonzept für die Traun-Alz-Achse sei man auf einem guten Weg, sämtliche Ortsumfahrungen seien im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans. In Obing werde wie in Altenmarkt bereits gebaut, und er hoffe, so Rehm, für Trostberg und für den zweiten Bauabschnitt der Umfahrung Altenmarkt in Kürze die Planunterlagen aus dem Bundesverkehrsministerium genehmigt zurückzubekommen, »um zügig Baurecht schaffen zu können«. Für Nunhausen/Matzing müsse man erst noch die technischen Unterlagen erstellen.

Anzeige

Scheuer sprach mit Blick auf den Tunnel von einem weiteren Schritt für ein wichtiges Projekt: »Wer hierher fährt, weiß, wie dringend notwendig die Umfahrung ist, um die Bürger zu entlasten und die Leistungsfähigkeit und Verkehrssicherheit zu erhöhen.« Die Bundesstraßen 299 und 304 durch Altenmarkt seien längst an der Leistungsfähigkeit angelangt. Scheuer sprach von 50 Prozent mehr Verkehr als im Schnitt auf bayerischen Bundesstraßen. Ziel müsse sein, mit dem zweiten Bauabschnitt unmittelbar nach der Fertigstellung des Aubergtunnels zu beginnen: »Die Bagger dürfen nicht stillstehen.«

Ramsauer: Mensch hat höchste Priorität

Noch markigere Töne schlug der heimische Bundestagsabgeordnete Peter Ramsauer an: »Egal, von welcher Seite man in diese tolle Marktgemeinde reinfährt: Du erreichst noch gar nicht mal das Ortsschild, dann erstickst Du schon im Verkehr. Wenn man als Autofahrer schon halb erstickt – da kann man sich erst vorstellen, was die Altenmarkter die ganzen vielen Jahre mitgemacht haben.«

Beim Blick auf die jahrzehntelange Planungsgeschichte stieß Ramsauer vor allem die Klage des UVA gegen den Planfeststellungsbeschluss sauer auf: »Eine Klage muss in unserem Rechtsstaat möglich sein. Ich habe aber kein Verständnis, wenn dabei alle möglichen Belange wichtiger sein sollen als der Mensch. Die Belange der Menschen müssen höchste Priorität haben, dafür haben wir so lange gekämpft – übrigens in seltener Einigkeit quer über die Fraktionen hinweg.«

In einem künstlich angelegten Biotop – »gestützt ganz ökologisch von alten Autoreifen« – sei plötzlich eine Froschart aufgetaucht, »die es in Südostbayern nur in der Tierhandlung gibt«, so Ramsauer. Letztlich habe man sich auch noch mit Fledermäusen im Kilometer entfernten Palling befassen müssen. So komme es nicht von ungefähr, dass CDU/CSU und SPD laut Koalitionsvertrag das Verbandsklagerecht überprüfen möchten. »Das ist allerhöchste Zeit, damit uns nicht alles und jeder in die berechtigte Suppe spucken kann.« Für den zweiten Bauabschnitt der Umfahrung Altenmarkt erwarte er Ende 2020 den Planfeststellungsbeschluss. »Diejenigen, die dann klagen, müssen sich warm anziehen.«

Stellvertretende Landrätin Resi Schmidhuber begrüßte den Baubeginn ebenso wie Bürgermeister Stephan Bierschneider. Bayerns Wirtschaftsministerin und stellvertretende Ministerpräsidentin Ilse Aigner sagte, sie kennt die Altenmarkter Verhältnisse nicht nur deshalb gut, weil ihr Großonkel Josef Stigloher über Jahrzehnte Pfarrer von Baumburg war. Aigner dankte dem Bund, der enorme Mittel für den dringend nötigen Ausbau der Infrastruktur in Südostoberbayern zur Verfügung stelle.

Bürgermeister-Gattin ist Tunnel-Patin

Pater Sebastian und Pfarrer Dr. Josef Höglauer von der evangelischen Christuskirche Trostberg segneten zwei Figuren der heiligen Barbara – eine wird am Tunneleingang aufgestellt, die andere erhielt die Tunnelpatin, Bürgermeister-Gattin Waltraud Bierschneider. Höglauer erinnerte daran, dass schon im ersten Jahrtausend vor Christus Tunnel gebaut worden waren – damals zur Trinkwasserversorgung. Ebenso wichtig wie für die Menschen von damals sei der Aubergtunnel für die Menschen von heute. Man solle in aller Weisheit aber auch die Stimmen derjenigen hören, die mit Furcht auf die Baustelle schauten, »weil sie die Natur künftig anders sehen«.

Bauleiter Erich Merkle von der Baufirma Marti taufte in seinem Mineurspruch den Tunnel kurzerhand in »Waltraud-Tunnel« um und übergab Waltraud Bierschneider die kleine Heiligen-Figur. »Ich bin mir der ehrenvollen Aufgabe bewusst«, versicherte die Tunnel-Patin. Sie will die Arbeiter etwa am Barbara-Tag am 4. Dezember mit einer kräftigen Brotzeit versorgen. rse