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»Tragödie, die viele mit ihrem Leben bezahlen mussten«

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Die neu gewählte Gauvorstandschaft: (stehend von links) Zweiter Vorsitzender Anton Linner, Kassier Georg Steiner, Schriftführer Michael Koch, Fähnrich Bernhard Mayer, die Gauausschussmitglieder Hubert Braxenthaler, Matthias Pscheiden, Simon Schreiber und Simon Daxenberger sowie Vorsitzender Michael Bernauer; (sitzend von links) Schorsch Jobst, Vorsitzender der KSK Haslach, die Gauehrenmitglieder Lorenz Plenk, Walter Knott und Peter Stocker sowie Gauehrenvorstand Sigi Engl. (Foto: Buthke)

Traunstein – Im Mittelpunkt der Gauversammlung der Vereinigten Krieger- und Soldatenkameradschaften des Chiem- und Rupertigaus im Alpengasthof Hochberg bei Traunstein stand das Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 70 Jahren. Landrat Siegfried Walch bezeichnete den 8. Mai 1945 als Tag der Befreiung vom verbrecherischen NS-Regime. Bei den anstehenden Neuwahlen wurde Gauvorstand Michael Bernauer von der Krieger- und Soldatenkameradschaft Ising-Truchtlaching einstimmig in seinem Amt bestätigt. Für seine 24-jährige Tätigkeit in der Gauvorstandschaft wurde Gauausschussmitglied Walter Knott zum Gauehrenmitglied ernannt.


Unsere Region sei lange von kriegerischen Handlungen direkt verschont geblieben, aber die Familien hätten tote, vermisste oder verletzte Angehörige zu beklagen gehabt, sagte der Landrat. Am 11. November 1944 sei Traunstein zum ersten Mal bombardiert worden. Am 3. Mai 1945 sei Traunstein von den Amerikanern besetzt worden. Am 8. Mai 1945 habe die amerikanische Militärregierung die Verantwortung übernommen.

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Bevölkerung wuchs nach dem Zweiten Weltkrieg an

Walch schilderte die große Not im Landkreis. Die Bevölkerung habe durch Flüchtlinge und Vertriebene, Evakuierte und so weiter von 64 000 auf 96 000 Menschen zugenommen. Das Gefühl der Befreiung sei bald dem Gefühl der Hoffnungslosigkeit gewichen. »Die Menschen hatten keinen Glaube an eine gute Zukunft mehr«, so Walch. Noch 1945 wurde Al-fons Graf Mels Colloredo von der amerikanischen Militärregierung als Landrat eingesetzt. Er habe sich um den ureigensten Bedarf und um Normalität bemüht.

Der Landkreis habe sich seither mit sauberen und gepflegten Städten und Gemeinden, mit international agierenden Unternehmen sowie einem engmaschigen sozialen Netzwerk unwahrscheinlich entwickelt. »Der Landkreis Traunstein gehört heute zu den reichsten Regionen Europas«, betonte der Landrat. Mit Blick auf die gewaltige Integrationskraft nach 1945 meinte Walch: »Wenn wir etwas daraus gelernt haben, dann ist es die Verantwortung für diejenigen, die auf der Flucht sind und die um Leib und Leben fürchten.« Schuld treffe heute niemanden mehr, so Walch, aber wir hätten die Verantwortung dafür, dass so etwas nicht mehr passiere. Dafür leisteten die Krieger- und Soldatenkameradschaften mit ihrem Gedenken und ihrem Mahnen zum Frieden einen wertvollen Dienst.

Seine Anerkennung für die Krieger- und Soldatenkameradschaften brachte auch der VdK-Kreisvorsitzende Klaus Steiner zum Ausdruck. Ihre Arbeit sei nicht selbstverständlich, denn es gebe Politiker, die sie als reaktionär bezeichneten. Die Tragödie, die die Menschen erleben mussten, habe 1939 ihren Lauf genommen. »Eine Tragödie, die viele mit ihrem Leben bezahlen mussten«, sagte er. Für viele sei mit dem 8. Mai der Krieg noch nicht zu Ende gewesen, meinte Steiner mit Blick auf Kriegsgefangene und Vertriebene.

Der Bezirksgeschäftsführer des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Jörg Raab, gedachte der Opfer von Krieg und Gewalt aller Völker: den Soldaten, die in beiden Weltkriegen gefallen sind und vermisst wurden, sowie den Menschen, die durch Kriegshandlungen ihr Leben verloren.

Bei den Neuwahlen wurde Bernauer Anton Linner von der (Krieger- und Soldatenkameradschaft Seeon) als Zweiter Gauvorstand zur Seite gestellt. Georg Steiner (Siegsdorf) stellte sich wieder als Gaukassier zur Verfügung. Michael Koch (Inzell) war wieder bereit, das Amt des Schriftführers auszuüben. Als Gauausschussmitglieder gewählt wurden Hubert Braxenthaler (Ruhpolding), Simon Daxenberger (Hart), Ernst Hofstetter (Obing), Fähnrich Bernhard Mayer (Siegsdorf), Matthias Pscheiden (Trostberg) und Simon Schreiber (Haslach).

Oberbürgermeister Christian Kegel wies auf den Spruch auf dem Trauerband der restaurierten Gaufahne, »Mortui viventes obligant« (»Die Toten verpflichten die Lebenden«), hin und stellte fest, dass es bei den Krieger- und Soldatenkameradschaften nicht nur um das Gedenken, sondern auch um das Mahnen für den Frieden gehe, denn es sei viel zu viel passiert. »Die Menschen sind nicht gescheiter geworden«, sagte Kegel. Deshalb sei es wichtig, dass es Leute gebe, die sich für den Frieden einsetzten.

Mit der Organisation der Gauversammlung war die Krieger- und Soldatenkameradschaft Haslach betraut. Deren Vorstand Schorsch Jobst stellte die Haslacher Kameradschaft vor, die 1898 gegründet worden ist. Aktuell hat die Krieger- und Soldatenkameradschaft Haslach 131 Mitglieder; unter ihnen sind noch 17 Kriegsteilnehmer.

Fast »Punktlandung« bei Finanzierung der Gaufahne

Den Tätigkeitsbericht 2014/2015 verlasen Gauvorstand Bernauer und Zweiter Gauvorstand Linner. Demnach nahm die Gauvorstandschaft 49 Termine wahr. Linner betonte zudem, wie wichtig die Restaurierung der Gaufahne gewesen sei. Sie sei zu wertvoll, um sie verkommen zu lassen. 43 der 46 im Gauverband zusammengeschlossenen Kameradschaften hätten sich finanziell beteiligt, sodass es bei der Deckung der Kosten fast eine »Punktlandung« gegeben habe. Darüber freute sich natürlich auch Gaukassier Steiner, der über den Kassenstand berichtete. Bjr