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Sebastian Schuhbeck ist »bis heute ein großes Vorbild«

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Strandcamping-Geschäftsführer Andreas Barmbichler (links) und Zweiter Bürgermeister Christian Reiter enthüllten das Schild, das künftig den Platz in der Waginger Ortsmitte als Bürgermeister-Sebastian-Schuhbeck-Platz ausweist. (Foto: H. Eder)

Waging am See. Im Rahmen einer kleinen Zeremonie, umrahmt von der Musikkapelle Waging, ist der Bürgermeister-Sebastian-Schuhbeck-Platz in der Waginger Ortsmitte offiziell eröffnet worden. Damit hat die Marktgemeinde nach Sepp Daxenberger, dem vergangenes Jahr bereits ein Platz gewidmet worden war, einen weiteren verdienten früheren Bürgermeister geehrt. Und noch eine dritte solche Ehrung steht an: Nach Ex-Bürgermeister Alois Heigermoser soll im neuen Baugebiet in Otting, das derzeit noch in Planung ist, eine Straße zu benannt werden.


Es gebe gute Gründe, so Zweiter Bürgermeister Christian Reiter, den bisherigen Gästeplatz in Bürgermeister-Sebastian-Schuhbeck-Platz umzubenennen: Zu einen symbolisiere er wie keiner anderen den Aufstieg von Waging zum Tourismusort und zum anderen sei dieser Platz im Eigentum von Sebastian Schuhbeck beziehungsweise seiner Nachfolger. Reiter schilderte den Lebenslauf von Schuhbeck, von 1948 bis 1953 Waginger Bürgermeister, und erwähnte die wichtigsten Maßnahmen, die von ihm realisiert worden waren.

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In Sachen Tourismus ein Visionär

In Sachen Tourismus sei Schuhbeck ein Visionär gewesen. Nicht nur habe Schuhbeck durch seine Kontakte zu dem Hannoveraner Reiseunternehmer Wilhelm Scharnow für Waging den Anschluss an den großen Fremdenverkehr gefunden, sondern er habe auch in Waging selbst ein touristisches Zentrum unten am See geschaffen. Als er seinerzeit seine eigenen hochwertigen landwirtschaftlichen Grundstücke – er stammte ja aus einem Bauern-Anwesen, dem Sailer-Hof an der Salzburger Straße – gegen landwirtschaftlich minderwertige Seegrundstücke tauschte, schüttelten die Bauern den Kopf über ihn; der Erfolg jedoch habe ihm Recht gegeben. Heute stehe hier nicht nur das Kurhaus, sondern auch einer der modernsten Campingplätze Europas.

Dieser überregional organisierte Fremdenverkehr habe, wie Reiter mit einem Schmunzeln anmerkte, noch eine andere, »nicht unwesentliche Seite« beinhaltet. So sei in einer Untersuchung von Scharnow-Reisen aus dem Jahr 1962 berichtet worden, dass »in der Vorsaison heuer auf neun Scharnow-Frauen nur ein Mann« gekommen sei. »Sollte man sich wundern«, so Reiter, »wenn unter diesen Umständen samstags und sonntags die Motorräder und Personenwagen, nur männlich bemannt und mit freien Sitzen, von allen Seiten in Richtung Waging rollten?« Und so sei so mancher weibliche Sommergast in Waging geblieben.

»Ganz nebenbei«, so Reiter weiter, sei Schuhbeck auch ein sehr kunstsinniger Mann gewesen. Über Jahrzehnte hinweg habe er Kunstgegenstände vor allem aus der Barockzeit gesammelt, die heute im Barockmuseum im Kurhaus zu besichtigen sind, dem einzigen dieser Art zwischen München und Salzburg, wie Reiter betonte.

Schuhbeck sei, wie Reiter abschließend würdigte, eine Persönlichkeit gewesen, vor der alle Respekt gehabt hätten. Vielerlei Ehrungen seien ihm angetragen worden, die er aber nie haben wollte. Stets bescheiden sei er geblieben und zurückgezogen habe der Mann gelebt, ohne den Waging nicht das geworden wäre, was es heute ist.

Strandcamping-Geschäftsführer Andreas Barmbichler, der Schuhbecks Vermächtnis weiterführt, meinte in seiner Ansprache, auch wenn Schuhbeck zahlreiche Ehrungen abgelehnt habe, die Benennung dieses Platzes auf seinen Namen hätte ihn bestimmt gefreut. Er habe 13 Jahre lang unter Schuhbecks Regie gearbeitet und gelernt. Dieser sei zwar eine strenge Respektsperson gewesen, habe aber für seine Mitarbeiter stets ein offenes Ohr gehabt. Der Betrieb und die Gemeinde seien ihm über alles gegangen, lediglich bei einer Sache sei er regelmäßig schwach geworden – der Kunst, was in dem grandiosen Barockmuseum seinen Ausfluss gefunden habe, das heute jedermann zugänglich sei.

Schuhbecks Weitblick wäre auch heute wünschenswert

Oswald Pehel, der Waginger »Cheftouristiker«, wie er sich selber vorstellte, präsentierte Schuhbeck mit seinem Elan als nachahmenswertes Beispiel. Es wäre zu hoffen, dass sich, wie seinerzeit Schuhbeck, auch heute immer wieder auch junge Leute finden würden, die Gästezimmer bereitstellten. Schuhbeck habe einst das Waginger Fremdenverkehrswunder bewirkt, nicht zuletzt auch durch Entscheidungen, die zunächst von seinem Umfeld nicht verstanden worden seien. Einen solchen Weitblick würde man sich auch heutzutage immer wieder wünschen.

Danach enthüllten nach einem Tusch der Musikanten Christian Reiter und Andreas Barmbichler das runde Schild, das den neuen Namen Bürgermeister-Sebastian-Schuhbeck-Platz zeigt – mit dem Zusatz: Bürgermeister der Marktgemeinde Waging am See – Wegbereiter des Tourismus.

Zweiter Bürgermeister Christian Reiter nutzte die Gelegenheit auch, Grüße von Bürgermeister Herbert Häusl auszurichten, der immer noch im Krankenhaus liege, aber auf dem Weg der Besserung sei. Allerdings werde es noch einige Zeit dauern, bis er in den Dienst zurückkehren könne. he