Regionalwährung »Chiemgauer« trotzt der Pandemie

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Der Vorstand des Vereins Chiemgauer besteht aus (von links) dem zweiten Vorsitzenden Christophe Levannier, Schatzmeisterin Petra Reszat, Vorsitzendem Stefan Schütz und Schriftführerin Elke Boehringer.

Die Regionalwährung »Chiemgauer« hat sich 2020 trotz Corona überraschend gut entwickelt, berichtete Vorsitzender Stefan Schütz bei der Jahreshauptversammlung des Vereins. Bei den Neuwahlen wurde Schütz ebenso im Amt bestätigt wie der zweite Vorsitzende Christophe Levannier und Schriftführerin Elke Boehringer. Neu gewählt wurde als Schatzmeisterin Petra Reszat, die auf Susanne Leitner folgt. Leitner zieht ins Allgäu um. Zu Rechnungsprüfern wurden Konrad Sauro und Martin-Christoph Ziethe gewählt. 


Laut Schütz wuchs der Umsatz um acht Prozent auf über sechs Millionen Euro. Über 50.000 Chiemgauer wurden an geförderte Vereine ausgeschüttet. Besonders die digitale Version des Chiemgauers komme bei Bürgern und Unternehmen immer besser an, doch auch das Chiemgauer-Bargeld habe viele Fans.

Die Bundesbank zeige in einer aktuellen Ausstellung »Die Geldmacher« Exponate des Chiemgauers. In wissenschaftlichen Konferenzen äußerten sich inzwischen sogar Experten der Europäischen Zentralbank positiv zum Regionalgeld, weil dadurch der regionale Umsatzmultiplikator vervielfacht werde. Der amerikanische Professor James Stodder, der an der Universität Boston Ökonometrie lehrt, weise in einer Studie nach, dass ein in Chiemgauer getauschter Euro einen dreifachen Multiplikator habe und die regionale Wertschöpfung erhöhe. An der Studie hat auch Chiemgauer-Gründer Christian Gelleri mitgewirkt, der an der Universität Würzburg zu Regionalwährungen forscht.

Im Zuge der Corona-Pandemie wurde laut Schütz ein Corona-Solidarfonds eingerichtet, um betroffenen Unternehmen zu helfen. Mehr als 30 Firmen haben von den Hilfen Gebrauch gemacht. Gespeist wird der Fonds durch 60 Bürger, die Euro in Chiemgauer tauschen und drei Prozent dem Solidarfonds zugute kommen lassen.

Ausführlich berichtet wurde über das Projekt »Klimabonus«, das drei Jahre vom Bundesumweltministerium gefördert wird. Besonders stolz ist der Vorstand auf ein Förderprojekt mit der Stadt Traunstein, um einen Beitrag zu den Klimaschutzzielen der Kommune zu leisten. Wer Solaranlagen auf sein Dach installiert oder sein Haus energetisch saniert, erhält einen Klimabonus zwischen 500 und 5000 Chiemgauern. So seien bereits viele Hundert Tonnen CO2 eingespart worden. Die Besonderheit des Klimabonus' ist die Verknüpfung mit der Regionalwährung Chiemgauer und die ausschließlich regionale Verwendung von Ausgleichszahlungen für CO2-Emissionen. Damit verwirklicht der Chiemgauer seinen Vereinszweck der Nachhaltigkeit.

Außerdem besteht seit eineinhalb Jahren eineKooperation mit dem Unterguggenberger-Institut in Wörgl. Der Verein Chiemgauer hat mit der österreichischen Partnerorganisation ein Interreg-Kleinprojekt zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit durchgeführt. Ziel ist die Schaffung eines grenzüberschreitenden Kompetenzzentrums für Regionalgeldentwicklung. Verhandlungen mit einer Hochschule als drittem Projektpartner sind im Gange.

In der abschließenden Diskussion über die künftige wirtschaftliche Entwicklung und die Rolle des Chiemgauers wurde auf eine Kreditwährung in Sardinien verwiesen, die mit einem Netzwerk von über 5000 Unternehmen und einem Umsatz über 50 Millionen Euro einen rasanten Aufschwung erlebe. Auch in Spanien, Frankreich, Belgien und anderen Ländern gebe es immer mehr Regionalwährungen. Dies zeige, dass Impulse für regionale Wirtschaftskreisläufe wieder einen höheren Stellenwert erlangt haben. fb

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