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Bahnstrecke stärken

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Traunstein – Mit einem neuen Nahverkehrsplan und Mobilitätskonzept will der Landkreis Traunstein die Nutzung und Akzeptanz des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) verbessern. Wie bereits berichtet, soll dazu die Stelle eines neuen Verkehrsmanagers im Landratsamt eingerichtet werden.


Ergänzend dazu sollen auch die Verbindungen der Traun-Alz-Bahn verbessert und ausgebaut werden. Dazu verabschiedeten die Mitglieder des Kreisentwicklungsausschusses einstimmig eine Reihe von Maßnahmen.

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Erstaunt zeigten sich die Kommunalpolitiker, wie im Zeitalter der Digitalisierung die Schließanlagen an den Bahnübergängen in Altenmarkt und Matzing betätigt werden: Hier muss der Lokführer den Zug anhalten, aussteigen und den Schließmechanismus per Hand betätigen. »Angesichts dieser zeitraubenden Uralt-Technik   brauchen   wir dringend eine zeitgemäße und automatische Technik«, forderte Landrat Siegfried Walch.

Wie er weiter erläuterte, möchte die Staatsregierung den Bayerntakt flächendeckend einführen. Vor diesem Hintergrund zeigte sich die Bayerische Eisenbahngesellschaft erstmalig offen für Gespräche, die Traun-Alz-Bahn besser zu bedienen. Sie fuhr heuer unter der Woche mit fünf Zugpaaren. Erste Verbesserungen gab es zum Fahrplanwechsel am 9. Dezember. Bereits bis Ende 2019, so die Pläne, sollte die Strecke im Zwei-Stunden-Takt jeweils in Richtung Garching und Traunreut bedient werden. In Traunstein würde damit jede Stunde ein Zug mit unterschiedlichem Zielort abfahren.

Mehr Fahrgäste für Bahn gewinnen

Um für diese zusätzlichen Zugverbindungen auch mehr Fahrgäste zu gewinnen, seien allerdings weitere Verbesserungen und schnellere Fahrzeiten notwendig, gab sich Walch überzeugt. Details dazu stellte Abteilungsleiterin Alexandra Wolf vor. So verkehrt aktuell zwar nahezu stündlich ein Zug zwischen Traunstein und Traunreut. Die Weiterfahrt über Trostberg nach Garching und Mühldorf ist dagegen nur unregelmäßig möglich. Eine Anbindung von Umsteigern aus Traunreut in Hörpolding in Richtung Garching ist nicht gegeben. Aktuell gibt es nur fünf Zeitlagen für eine Fahrt von Traunreut nach Garching oder Mühldorf, die noch dazu mit langen Wartezeiten verbunden ist. Wer eine zuverlässige Zuganbindung zum Flughafen in Erding sucht, hat so oft das Nachsehen.

Neben einer verlässlichen Zwei-Stunden-Taktung in Richtung Norden soll ergänzend bis Ende 2019 ein Zubringer von Traunreut nach Hörpolding eingerichtet werden. Als Basis sollen Bürgerbefragungen und Fahrgasterhebungen die-nen. Überlegt wird, das Angebot des Citybusses entsprechend auszuweiten.

Flankierend zur dringend erforderlichen Modernisierung der Technik soll auch der Bahnübergang in St. Georgen wegfallen. Den Mitgliedern des Kreisentwicklungsausschusses wurden dazu die Vorplanungen für eine Tieferlegung des Kreuzungspunktes der Bundesstraße 304, der Irsinger Straße und der Kreisstraße TS 42 in St. Georgen vorgestellt. Diese sieht eine Überführung der Schiene über die Straßenkreuzung vor. Das Staatliche Bauamt hat signalisiert, die Baumaßnahme nach Abschluss des 2. Bauabschnitts für die Ortsumfahrung Altenmarkt anzugehen.

Modell der Sonderbaulastträgerschaft

Walch stellte dazu das bisher ungewöhnliche Kon-zept einer Sonderbaulastträgerschaft mit dem Bund in Aussicht, bei dem der Landkreis den Bau vorfinanzieren und dadurch beschleunigen könnte. Mit dem Freistaat funktioniere dieses Modell sehr gut.

In der Diskussion brachte Andreas Huber (ÖDP) eigenständige Überlegungen der Bahn für eine Bahngleisverlegung ab Matzing in Richtung Traunreut zur Sprache. Walch entgegnete, mit den Überlegungen wolle der Landkreis seine eigene Position deutlich machen. Die Planungen könnten die Überlegungen der Bahn ergänzen. »Wir müssen die Bahn aus der Hängemattenmentalität rausholen«, erklärte Stephan Bierschneider (CSU). Uralttechnik, Fahrausfälle ohne Busersatz, fehlende Ticketautomaten: »Da muss sich etwas tun.«

Martin Czepan (Grüne) ergänzte: »Wir brauchen eine Elektrifizierung der Strecke, um deutlich schneller zu werden.« Auch aus seiner Sicht stehe die Planung des Landkreises nicht im Widerspruch zu den Verlegungsplänen der Bahn.

Ernst Ziegler (SPD) schlug vor, den Bahnhof in Hörpolding mit seiner veralteten Seilzugtechnik zur Signalsteuerung durch neue Haltepunkte an der Gleisanbindung von St. Georgen in Richtung Traunreut zu ersetzen. Sepp Hohlweger (Grüne) unterstützte mit Blick auf mehr Fahrgäste die Bahnpläne, Traunreut über eine neue Südtrasse direkt und durchgängig auf der Strecke anzubinden.

Ergänzend zu dem gebilligten Maßnahmenpaket sollen laut Beschluss auch eine Verlegung des Bahnhofs Hörpolding und Planungsalternativen zur Entflechtung von Straße und Bahn geprüft werden. eff

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