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Drei Orgelbauer haben ihre Konzepte vorgestellt

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Waging: Drei Orgelbauer haben ihre Konzepte vorgestellt
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Das Innere der jetzigen Waginger Orgel ist eng bepackt. Von daher sind die Pfeifen schlecht zugänglich, was eine Wartung des Instrumentes schier unmöglich macht. Dies soll bei der neuen Orgel anders werden. (Foto: Michael Müller)

Waging am See – Nun geht das Orgelprojekt der Pfarrei Waging in die entscheidende Phase, nämlich die Auswahl auf einen Orgelbauer und dessen Konzept. Drei Firmen waren dazu nach Waging gekommen und stellten ihr Unternehmen, ihre Firmenphilosophie und ihr handwerkliches Können sowie ein konkret ausgearbeitetes Konzept für eine neue Orgel in der Pfarrkirche St. Martin vor.


Die Teilnehmer dieses nichtöffentlichen Treffens konnten feststellen, dass alle drei Orgelbauer – ausgehend von der ursprünglichen Ausschreibungsdisposition – interessante, aber auch sehr unterschiedliche Klangkonzepte entwickelt hatten.

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Alle drei hatten aber auch klar gemacht, dass sich die Konzeptionierung in St. Martin als besonders schwierig erweist. Zum einen bietet die Einbausituation auf der zweiten Empore nicht viel Platz in der Höhe, und es muss mehr in die Breite gebaut werden. Zum anderen muss die Orgel mit ihrem Klang einen großen Kirchenraum füllen können, was von der zweiten Empore aus zwar nicht unmöglich ist, aber dennoch die Orgelbauer vor große Herausforderungen stellt.

Durch die wohlüberlegte Vorauswahl der beiden Kirchenmusiker, Dekanatsmusikpfleger Manfred Müller und der Waginger Kirchenmusiker Michael Müller, ging die Vorstellung mit der Überzeugung zu Ende, dass jedem Orgelbauer die Lösung dieser schwierigen Aufgabe zugetraut werden könne, sodass alle drei weiterhin im Rennen sind.

Bevor die Angebotsvorstellung stattfinden konnte, war viel Vorarbeit zu erledigen gewesen. Zuallererst hatte sich die Frage gestellt, welche klanglich stilistische Ausrichtung die spätere Orgel bekommen sollte. Für Waging war sehr schnell klar, dass bei einem barocken Kirchenraum, wie er in St. Martin zu finden ist, eine vom süddeutschen Barock geprägte Orgel gebaut werden sollte.

Der zuständige Orgelsachverständige der Erzdiözese München und Freising, Prof. Friedemann Winklhofer, sowie Manfred Müller und Michael Müller hatten dazu eine Disposition erarbeitet. Dann mussten Orgelbauer gefunden werden, die neben der gewünschten Klangrichtung auch handwerklich auf allerhöchstem Niveau bauen. Dazu war viel recherchiert worden und etliche Orgeln wurden besichtigt. Angeschrieben wurden schließlich vier Orgelbauer, die alle im Februar zu einer Besichtigung nach Waging gekommen waren, von denen dann aber nur drei ihre ausgearbeiteten Konzepte eingereicht hatten.

Für ein so stattliches Orgelbauprojekt, wie es Waging ist, hatte sich Michael Müller für eine persönliche Angebotsvorstellung aller Orgelbauer entschieden, damit sich alle Beteiligten der Orgelbaukommission einen persönlichen Eindruck der Orgelbauer machen konnten. Denn letztendlich, so Müller, basiere das Projekt immer noch auf sehr viel Vertrauen, und so sollte im Idealfall auch die Chemie zwischen Orgelbauer und Orgelbaukommission stimmen.

Der erste Versuch einer Angebotsvorstellung Ende März war den Corona-Beschränkungen zum Opfer gefallen. Dafür klappte der zweite Versuch umso besser. Jeder Orgelbauer hatte eine halbe Stunde Zeit, sich und sein Konzept vorzustellen. Im Anschluss stellten die Mitglieder der Orgelbaukommission – Kirchenverwaltung, Pfarrer Andreas Ager, Professor Winklhofer und die beiden Kirchenmusiker – den Firmenvertretern noch eine Reihe von Fragen. Zwischen den Vorträgen hatte die Orgelbaukommission etwas Zeit, erste Gedanken auszutauschen, während Michael Müller, unterstützt vom ehemaligen Organisten von St. Martin, Alfons Schmuck, die Orgelbauer aneinander »vorbeischleuste«. Die Orgelbauer dürfen nämlich nichts voneinander wissen, bis die Vergabeentscheidung getroffen ist. Und auch in der Öffentlichkeit sollte nicht über deren Identität bekanntwerden.

Zwischenzeitlich wartet man in der Pfarrei schon mit Spannung auf eine Aussage zu den Kosten für die neue Orgel. Hier vertröstet die Orgelbaukommission die Pfarreimitglieder auch weiterhin noch, da die Kostenaufstellungen noch in verschlossenen Briefumschlägen im Tresor liegen. Die Orgelbaukommission hatte sich bewusst dafür entschieden, dass die ersten Diskussionen zur Entscheidungsfindung ohne Kenntnisse von Preisen stattfinden. Erst für die finale Entscheidung, an wen der Auftrag vergeben wird, sollen die Angebotspreise aufgedeckt werden.

So ist es nun die verantwortungsvolle Aufgabe der Orgelbaukommission, genau abzuwägen. Am Ende geht es nicht nur um das Instrument selbst, sondern auch um das Gesamtkonzept: Wie fügt sich die Orgel auch als Kunstwerk in das Raumgefüge der Kirche ein? Wieviel Platz räumt man der Orgel ein, damit festliche Gottesdienste mit Chor und Orchester auch weiterhin möglich sind? So müssen bis zur finalen Entscheidung noch etliche Fragen geklärt werden. Als nächster Schritt folgt eine Fahrt der Orgelbaukommission zu Referenzorgeln, die der gewünschten neuen Orgel von St. Martin klanglich sehr ähnlich sind. he

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