Immer höher und weiter: Langstreckenläuferin aus Übersee überzeugt von Rennen zu Rennen

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Die Olympiateilnehmerin von 2016, Anna Hahner, mischt derzeit so einige Berglauf-Rennen auf. Auch beim Chiemgau-Trail-Run (unser Foto) zeigte sie eine Top-Leistung und kam als erste Frau ins Ziel. (Foto: Philipp Reiter)

»Liebe Grüße vom Rennsteig. Ich bin im Ziel« – Mit diesen Worten meldete sich die deutsche Langstreckenläuferin Anna Hahner auf Instagram bei ihren über 50 000 Followern. Die Profisportlerin wohnt seit zwei Jahren in Übersee und ging – genauso wie der Hochfelln-Berglauf-Gewinner Filimon Abraham (wir berichteten) – beim Crosslauf im Thüringer Wald an den Start. Und das mit einem beachtlichen Erfolg: Hahner kam bei der Marathon-Distanz nach 3:01:14 Stunden als erste Frau ins Ziel und gewann vor Vanja Cnops aus Belgien und Aoife Quigly aus Deutschland.


Anna Hahner ist als Marathonläuferin und Olympiateilnehmerin von 2016 seit diesem Jahr in der Trailrunning-Szene aktiv. Warum es die deutsche Leichtathletin in den Chiemgau verschlagen hat und wieso sie erst einmal nicht mehr bei einem Straßenrennen teilnehmen wird, erzählte die 31-Jährige in einem Gespräch mit unserer Redaktion.

Aber erst einmal von vorne: Anna Hahner kommt ursprünglich aus Hessen und hat mit 18 Jahren zusammen mit ihrer Zwillingsschwester Lisa Hahner das Laufen begonnen. Die beiden legten einen Senkrechtstart in der Marathon-Welt hin, starteten für das Nationalteam und belegten bei internationalen Junioren-Wettkämpfen sowie später bei den Frauen die vorderen Ränge. 2016 qualifizierten sich die »Hahnertwins«, wie sie sich in der Öffentlichkeit und bei Social Media präsentieren, für die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro. Dort liefen sie, nachdem sich Anna Hahner verletzt hatte, gemeinsam ins Ziel und erreichten den 81. und den 82. Platz, wofür sie von vielen Seiten stark kritisiert wurden. Seitdem war es um die beiden Profisportlerinnen ein bisschen ruhiger geworden. Doch mit dem Laufen aufgehört haben sie nicht.

Vor zwei Jahren ist Anna Hahner nach Übersee gezogen. Sie war früher schon für Trainingslager nach Unterwössen gekommen und kannte die Region. Nachdem sie zuvor ein halbes Jahr in München gewohnt hatte, beschloss sie 2019 ihren Umzug nach Übersee. Warum? »Weil es zu den schönsten Regionen in ganz Deutschland gehört«, erzählt sie und lacht.

Klar, dass man im Chiemgau nicht um die Berge herumkommt, und so fing Anna Hahner, die seit kurzem für das Adidas-Terrex-Team startet, mit dem Traillaufen an. Im Juni begann sie mit ihren ersten Wettkämpfen, startete unter anderem beim Kaiserkrone-Speed-Trail am Wilden Kaiser und belegte dort bei den Frauen den ersten Platz. Auch bei »ihrem« Heimrennen dem Chiemgau-Trail-Run lief sie der nationalen Konkurrenz davon und erreichte über die 42-Kilometer-Distanz nach 4:51:51 den 6. Rang im international stark besetztem Starterfeld. Doch damit nicht genug: Beim Infinite-Trail-Run in Bad Gastein startete sie im Team mit Victoria Kreuzer aus der Schweiz und Ekaterina Mityaeva aus Russland. Jede im Team übernahm jeweils eine der drei Runden (S, M oder L). Anna Hahner entschied sich für die mittlere Distanz – 34 Kilometer und 2700 Höhenmeter – und legte die Strecke, die unter anderem über den Gamskarkogel führte, in 4:19:10 Stunden zurück. Am Ende des Rennens wurden die drei Zeiten der Läuferinnen addiert – und ihr super Ergebnis reichte für den 2. Rang. Für Anna Hahner lief es bei diesem Rennen »sehr gut«, erklärte sie. Sie sei gut durchgekommen, konnte am ersten und zweiten Anstieg richtig Gas geben und am Ende hatte sie einen klaren Vorteil auf der flachen Schlussstrecke. Zwar spüre sie nach jedem Rennen noch die Höhenmeter in den Beinen, aber sie merke, dass sie mit jedem Rennen stärker werde.

Mit dem Traillaufen möchte sie auf jeden Fall noch ein oder zwei Jahre weitermachen und hat dafür »derzeit mit der Straße aufgehört. Ich möchte meinen Fokus auf eine Sache legen und ich habe den Anspruch, mich im Trail Run zu verbessern«, erzählt die 31-Jährige.

Mit den Höhenmetern vom Bad Gasteiner Trail Run in den Beinen ist Anna Hahner auch in den Rennsteiglauf gestartet. Schon die Tage zuvor hat sie ihre Follower zu ihren Vorbereitungen zum Lauf mitgenommen. Ihren Account nutzen die beiden Schwestern, um sich selbst zu vermarkten, werben für ihr Laufcoaching, nehmen ihre Follower zu ihren Rennen sowie zu ihren Trainings mit – und wollen für den Laufsport begeistern.

Und so wundert es nicht, wenn man auch am Lauftag so einiges von Anna Hahner mitbekommt. Lange lag die Sportlerin beim Rennsteiglauf hinter der Vanja Cnops auf dem zweiten Platz. Nach 35 Kilometern überholte sie die Belgierin und konnte bis zum Ende den 1. Platz verteidigen. Bei der letzten Verpflegungsstation vertauschte Anna Hahner zwei der Getränkebecher. Statt Cola hatte sie Schwarzbier erwischt – etwas das sie eigentlich sonst nie machen würde. Aber immerhin habe es sie die letzten Kilometer den Berg hinauf getragen – lieber ein Bier, als gar keine Flüssigkeit, so ihr Fazit am Ende des Wettkampftags.

Für Anna Hahner heißt es nun fleißig trainieren. Denn vom 20. bis 24. Oktober geht es für sie zum Finale der National Golden Trails auf die Azoren. Dort möchte sie ihre Top-Leistungen bestätigen.

aha