weather-image
16°

Truppenübungsplatz in Kammer ist »beliebter Ort für Radtouren und Spaziergänge«

4.0
4.0
Traunstein: Truppenübungsplatz in Kammer ist »beliebter Ort für Radtouren und Spaziergänge«
Bildtext einblenden
Noch ist der Standortübungsplatz in Kammer ein »Militärischer Bereich«. Außerhalb der Übungszeiten dürfen ihn Zivilisten betreten. Die Bundeswehr plant eine Umwandlung in einen »Militärischen Sicherheitsbereich«. Dann darf der Übungsplatz generell nicht mehr betreten werden – was in den Reihen der Bürger in Kammer auf Kritik stößt. (Foto: Pültz)

Traunstein – Auf Kritik unter den Bürgern in Kammer stoßen die Pläne der Bundeswehr, im Sommer den Zivilisten das Betreten des Standortübungsplatzes voll und ganz zu verbieten. Das Sprachrohr der Anlieger ist der Verein Dorfentwicklung Kammer-Rettenbach.


Max Hiebl vom Vorstand sagte auf Anfrage des Traunsteiner Tagblatts, dass die Pläne der Bundeswehr »auf sehr viel Unverständnis« gestoßen seien. Denn: »Der Standortübungsplatz ist seit jeher ein beliebter Naherholungsort.« Die Bundeswehr pocht jedoch auf ihr Vorhaben. Der Standortübungsplatz sei, wie ein Sprecher betonte, »Eigentum der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben und kein Naherholungsraum«. 

Anzeige

Den Übungsplatz in Kammer betreibt die Gebirgsjägerbrigade 23 »Bayern« mit Sitz in Bad Reichenhall. Er gilt als »Militärischer Bereich« – womit das Betreten während der Übungszeit für die Bürger untersagt, davor und danach jedoch erlaubt ist.

Weil die Brigade den Übungsbetrieb in Kammer ausweiten will – aber auch weil sie sich immer wieder von Zivilisten gestört fühlt –, hat sie im November des vergangenen Jahres angekündigt, den »Militärischen Bereich« in einen »Militärischen Sicherheitsbereich« umzuwandeln. Unterm Strich bedeutet diese Umwidmung, dass der Übungsplatz nicht mehr nur zu den Übungszeiten, sondern dann generell für die Zivilsten gesperrt ist. Die Bundeswehr plant, die Umwandlung zum 1. Juli vorzunehmen. 

Allen voran der Verein Dorfentwicklung Kammer-Rettenbach wehrt sich gegen die Totalsperrung. Bereits im Dezember hatte sich Vorstandsmitglied Max Hiebl schriftlich an die Gebirgsjägerbrigade 23 in Reichenhall gewandt. 

»Natürlich sind wir uns bewusst, dass die Anforderungen an die Bundeswehr in der heutigen Zeit deutlich gestiegen sind und deshalb natürlich auch der Trainingsaufwand größer geworden ist«, schrieb Hiebl an die Brigade in Reichenhall. »Darüber hinaus bedauern wir es, wenn es während der Übungen zu Störungen durch uneinsichtige Bürger gekommen ist.« Auf der anderen Seite sei der Standortübungsplatz für die Bürger aber »immer noch ein beliebter Ort für Radtouren und Spaziergänge«. Aus diesem Grund habe die »recht plötzliche Ankündigung vielerorts für Verwunderung und Unverständnis« gesorgt. 

Den Bürgern seien »ein gutes Miteinander und eine gute Nachbarschaft sehr wichtig«. Aus diesem Grund freue sich der Verein, wenn sich die Bundeswehr wieder an einer öffentlichen Diskussion im Rahmen einer Informationsveranstaltung beteilige. Eine solche Veranstaltung habe vor zwei Jahren bereits »sehr gut funktioniert«. 

Mit diesem Schreiben habe der Verein, so Hiebl im Rückblick, das Ziel verfolgt, das Gespräch zu suchen und zusammen eine Lösung zu finden – ein Ziel, das bislang jedoch noch nicht in Sicht gekommen ist. »Leider haben wir auf unsere Anfragen bis heute keinerlei Stellungnahme erhalten.« Weil der Verein nichts von der Bundeswehr hörte, wandte er sich an die Stadt. 

Im Februar beantragte der Vorstand, dass die Stadt mit der Bundeswehr Kontakt aufnimmt – und zwar mit dem Ziel, »eine einvernehmliche Lösung zu suchen, die sowohl den Interessen der Bürger als auch denen der Bundeswehr gerecht wird.« 

Ein generelles und dauerhaftes Betretungsverbot sei, so der Vorstand in seinem Antrag, »in höchstem Maße bedauerlich, da sehr viele Bürger das landschaftlich reizvolle Gelände in der Vergangenheit gerne und häufig genutzt haben«. Seines Wissens nach seien sie dabei nie in ernsthafte Konflikte mit der Bundeswehr oder dem dortigen Übungsbetrieb geraten. 

Im Großen und Ganzen halten sich Anwohner und Besucher laut der Bundeswehr an die Einschränkungen. »Leider gibt es aber auch immer wieder Ausnahmen, die einerseits zu Ausbildungs- beziehungsweise Übungsunterbrechungen oder auch zu einer Gefährdung der Zivilbevölkerung führen«, so ein Sprecher der Gebirgsjägerbrigade in Reichenhall. »Uneinsichtigkeit und ein überzogenes Anspruchsdenken sind keine Seltenheit.« 

Im Sommer letzten Jahres habe das Landeskommando Bayern die dringende Empfehlung ausgesprochen, den Standortübungsplatz in Kammer in einen »Militärischen Sicherheitsbereich« umzuwidmen, so der Sprecher weiter. Hintergrund für diese Empfehlung seien einerseits das Verhalten der Zivilbevölkerung und andererseits neue Rahmenbedingungen – höhere Geräuschemissionen, vermehrter Schießbetrieb, Einsatz von Lasern, Drohnen, andere Fahrzeuggenerationen und Ähnliches – für die Ausbildung und Übung auf diesem Platz gewesen. Oberstes Ziel dabei sei, den Bürger vor Gefahr für Leib und Leben zu schützen. 

»Da uns an guter Nachbarschaft gelegen ist und wir hier in Traunstein und Kammer besondere Verhältnisse in Bezug auf das Nebeneinander von Bevölkerung und Bundeswehr haben, möchten wir diese Umwandlung so vollziehen, dass einerseits die Sicherheit der Zivilbevölkerung gewährleistet werden kann und andererseits auch die Interessen der Bevölkerung berücksichtigt werden«, so der Sprecher.

Durch einige schwerwiegende Vorfälle auf Standort- und Truppenübungsplätzen habe sich die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben gezwungen gesehen, die »Militärischen Bereiche« in »Militärische Sicherheitsbereiche« umzuwandeln. »Der Verein kann gerne das Gespräch mit uns suchen.«  

Mehr aus der Stadt Traunstein