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Viele Schüler an den Gymnasien in Traunstein arbeiten im Unterricht mit Tablets.

Tablets erfreuen sich in den beiden Gymnasien großer Beliebtheit

Traunstein – Leicht ist er, klein und handlich. Der Tablet-Computer oder kurz das Tablet gehört mittlerweile in vielen Klassen der beiden Gymnasien in Traunstein zum Schulalltag. Die einen Lehrer setzen ihn mehr, die anderen weniger im Unterricht ein – jeder auf seine Weise, alle jedoch auf eine gewinnbringende Art. Nils Bödeker, der Systembetreuer am Chiemgau-Gymnasium (ChG), sagt, dass der Unterricht mit den Tablets schlicht und ergreifend »Spaß macht« und vor allem Lehrer wie Schüler gleichermaßen motiviere, im Stoff voranzuschreiten. Und Thomas Dietersberger, Mitarbeiter der Schulleitung am Annette-Kolb-Gymnasium (AKG), spricht von einer »großen Bereicherung des Unterrichts«.


Die Digitalisierung schreitet voran – in allen Lebens- und Arbeitsbereichen. Auch die Gymnasien in Traunstein sind schon längst auf den Zug der Zeit aufgesprungen und machen sich fit für die Zukunft. Mittlerweile überaus viele Schüler lernen Deutsch, Mathematik und vieles andere auch und gerade an und mit tragbaren, flachen Computern. Als Sachaufwandsträger der beiden Gymnasien in Traunstein hat der Landkreis den Weg für den Einsatz der Tablets geebnet: Gekauft und zur Verfügung gestellt hat er Berge von Geräten, die in den Schulen dankbare Ausleiher finden.

Sechs Tablet-Klassen in der Mittelstufe

Weit fortgeschritten ist die Einbindung der Tablets in den Unterricht am Chiemgau-Gymnasium. Von Jahr zu Jahr bildet die Schule immer wieder in der Mittelstufe eigene Klassen mit Schülern, die – freiwillig – mit den Flachrechnern hantieren wollen. Sie arbeiten jeden Tag mit ihren Tablets im Unterricht. Die digitale Wissensaufnahme läuft web- und appbasiert. Zum einen recherchieren die Schüler im Internet und gelangen online zu den virtuellen Klassenzimmern der jeweiligen Fächer auf der Plattform mebis. Zum anderen verwenden sie im Unterricht ausgewählte Programme: Notiz-Apps wie Notability ersetzen zum Beispiel größtenteils die klassische Heftführung.

Tablet-Klassen bildet das CHG schon seit geraumer Zeit. Bödeker sagt, dass heuer ein Jubiläum ansteht: Vor mittlerweile zehn Jahren hat die Schule dieses Angebot gestartet. Und dass sie damit auf eine große Nachfrage gestoßen ist, belegen die aktuellen Zahlen, die der Systembetreuer aus der Tasche zieht. Insgesamt sechs Tablet-Klassen führe das ChG in diesem Jahr, drei in der achten Jahrgangsstufe, zwei in der neunten und eine in der zehnten. Mit iPads arbeiten 81, 54 und 26 Schüler – insgesamt also 161 oder rund 50 Prozent aller Acht-, Neunt- und Zehntklässler am ChG.

Bödeker sagt, dass das Chiemgau-Gymnasium in der Region der Vorreiter in Sachen Tablet-Klassen sei. So seien zwei Lehrer aus dem Kollegium des CHG durch Oberbayern gereist, um andere auf den neuen Weg mitzunehmen. Das Kollegium in Traunstein strebe danach, den von der Politik beschlossenen Digital-Pakt Bayern mit Leben zu füllen und in diesem Sinne die digitale Bildungsinfrastruktur auszubauen. Und so verfüge das ChG mittlerweile auch über 25 Lehrkräfte, die das Wissen und die Fähigkeiten besitzen, in den Tablet-Klassen zu unterrichten – mit eben dem Flachcomputer, der zu bedienen zwar einfach ist, aber doch gelernt sein will.

Die Tablets werden laut Bödeker im Unterricht als Werkzeuge eingesetzt, die nachhaltiges Lernen optimieren. So könnten die Schüler aktiver und motivierter mitarbeiten, Unterrichtsinhalte selbstständiger erarbeiten, individueller lernen sowie ihre Lern- und Arbeitsprozesse besser reflektieren. Und auch die Lehrer profitieren seinen Angaben zufolge. Sie könnten den Unterricht ein Stück weit vielseitiger und abwechslungsreicher gestalten, indem sie etwa noch mehr Bilder, die sie aus dem Internet holen, mit einfließen lassen.

Einsatz nach Bedarf im Unterricht

Tablet-Klassen hat das Annette-Kolb-Gymnasium nicht. »Wir haben ein anderes System«, sagt Thomas Dietersberger. Das AKG habe dieses System in den vergangenen beiden Jahren – in Zeiten der Corona-Pandemie, die neue Wege zu gehen verlangte – aufgebaut und biete nun den Oberstufenschülern an, sich iPads, die der Landkreis zur Verfügung stellt, auszuleihen und dann nach Bedarf im Unterricht einzusetzen. Und die Nachfrage in diesem Schuljahr ist seinen Angaben zufolge groß: 115 der insgesamt 150 Schüler in der Qualifizierungsstufe 11 und 12 haben sich ein iPad geholt. Zusätzlich zu diesen einzelnen Geräten, die sich die Oberstufenschüler ausleihen können, stehen im AKG laut dem Mitarbeiter der Schulleitung auch sieben mobile iPad-Koffer mit jeweils 20 Computern zur Verfügung. Lehrer und Schüler der verschiedenen Jahrgangsstufen könnten diese Tablets nach Bedarf nutzen.

Thomas Dietersberger ist überzeugt, dass die kleinen und leichten Geräte, die in jede Schultasche passen, Vorteile mit sich bringen. Mit den Tablets sei ein »optimaler, digital gestützter Unterricht« möglich. Wie er dann im Einzelfall ausschaue, bleibe dem Lehrer überlassen. Denn die Schulleitung erteile keine Anweisungen. »Der Einsatz von Computern liegt in der Verantwortung der Lehrer«, sagt der Mitarbeiter der Schulleitung.

Pädagogisch betrachtet sei die Nutzung von digitalen Geräten sinnvoll, sie bereichere den Unterricht. Dietersberger sagt aber auch, dass das AKG »nicht blind« auf die Tablets setze und alles andere dann außer Acht lasse. Vielmehr gelte nach wie vor, dass die Pädagogik vor der Technik komme. Der Mitarbeiter der Schulleitung spricht in diesem Sinn auch vom »Primat der Pädagogik«.

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