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Im besten Sinne ein Priester vom alten Schlag

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Die Brüder Joseph (rechts) und Georg Ratzinger holten Rupert Berger am Tag seiner Primiz in dessen Elternhaus ab. Eine Woche später feierten sie selber ihre Primiz.

TraunsteinTrauer um Dr. Rupert Berger: Der Traunsteiner Geistliche ist im Alter von fast 94 Jahren gestorben. Er wird am Montag auf dem Traunsteiner Waldfriedhof beerdigt.


Der am 26. Juni 1926 geborene Rupert Berger, dessen Vater später in Traunstein Oberbürgermeister war, wurde am 29. Juni 1951 zusammen mit den Brüdern Georg und Joseph Ratzinger – dem späteren Papst Benedikt XVI. – und weiteren 42 jungen Männern im Freisinger Dom zum Priester geweiht. Am 1. Juli 1951 feierte er in der Stadtpfarrkirche St. Oswald seine Primiz, eine Woche vor den Brüdern Ratzinger. Mit beiden verband ihn stets eine gute Freundschaft. Ebenfalls in der St.-Oswald- Kirche feierte er vor knapp vier Jahren, an seinem 90. Geburtstag, sein 65-jähriges Priesterjubiläum, wobei Rupert Berger die Messe noch selbst zelebrierte.

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Anlässlich seines Eisernen Priesterjubiläums hatte Berger in einem Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt berichtet, es sei schon sehr früh sein Wunsch gewesen, Priester zu werden: 1933, als er gerade mal sechs, sieben Jahre alt gewesen ist. Die Nationalsozialisten hatten seinen Vater, der Mitglied der Bayernpartei und bekennender Nazi-Gegner war, ins Konzentrationslager Dachau gesteckt. Schon als kleiner Bub habe er damals empfunden, »dass in so einer Situation Gott der einzige Halt ist«.

Eines der großen Lebensthemen von Dr. Berger war die Liturgiereform nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Berger promovierte in Liturgiewissenschaft, verfasste wichtige Fachschriften und wegweisende Übersetzungen. Er war einer der wenigen Träger des Ehrenrings des Deutschen Liturgischen Instituts. Von 1957 bis 1968 war er Dozent und Professor in Freising, von 1968 bis 1997 Stadtpfarrer in Bad Tölz und anschließend Ruhestandspfarrer in Traunstein.

Seelsorger und Wissenschaftler

Für Stadtpfarrer Georg Lindl war Rupert Berger eine »beeindruckende Priesterpersönlichkeit, die gleichermaßen im Glauben und im Leben verankert war«. Für den Professor der Liturgiewissenschaft Rupert Berger waren Seelsorge und Wissenschaftlichkeit kein Widerspruch, er habe diese beiden Elemente stets miteinander verbunden. Nahe an den Gläubigen zu sein, war ihm genauso wichtig wie die Wissenschaft. Daher lehnte er auch Ämter und Ehrentitel ab, obwohl er einmal Weihbischof werden sollte. »Er hat sich bewusst für die Seelsorge entschieden«, sagt Lindl.

Dabei sei Berger »im besten Sinne ein Priester vom alten Schlag« gewesen. Der an die Liturgie aber hohe Ansprüche gestellt habe und auch nicht davor zurückschreckte, Priesterkollegen zu kritisieren. »Ich habe einmal beim 'Geheimnis des Glaubens' die Formulierung 'Geheimnis unseres Glauben' gesagt«, erinnert sich Lindl. Das habe Berger sofort angesprochen und ihm erklärt, warum das falsch sei. »Diese Formulierung habe ich daher kein zweites Mal verwendet.«

Wie genau es Berger mit der Liturgie nahm, zeigte sich auch an einem anderen Punkt, wie Lindl weiß: »Beim Hochgebet knieten die Gläubigen nicht, wenn Berger die Messe zelebrierte, sondern standen«, erinnert sich Lindl. Hier habe er die Formulierung aus dem Hochgebet »Wir danken Dir, dass Du uns berufen hast, vor Dir zu stehen und Dir zu dienen« wörtlich genommen – »aber liturgisch mit Argumenten fundiert«. Dass er hier einen anderen Standpunkt als der Erzbischof von München und Freising vertrat, habe Berger nicht gestört. Die Ernsthaftigkeit und Würde der Liturgie stand für Berger an oberster Stelle. Lindl: »Bei ihm gab es keinen Gottesdienst ohne 'saubere Liturgie'«.

Dennoch sei Rupert Berger nie jemand gewesen, der andere belehrte. »Er hat immer Argumente in der jeweiligen Sache vorgebracht, und versucht, sein Gegenüber damit zu überzeugen.« Als Gelehrter habe er sich nicht mit Dummheit abfinden wollen.

Auch sei er immer am Puls der Zeit gewesen, habe Neuerungen in der Kirche nicht abgelehnt. Den Lockerungen von Papst Franziskus, etwa dass wiederverheiratete Geschiedene in bestimmten Fällen wieder zu den Sakramenten zugelassen werden, stand er positiv gegenüber, wie er im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt im Juni 2016 sagte. Die Kirche müsse für die Gläubigen attraktiv sein – ohne jedoch im Zeitgeist beliebig zu werden.

Auch wenn Rupert Berger Papst Franziskus in manchen Punkten näher stand als seinem Jugendfreund Joseph Ratzinger, verband den Liturgiewissenschaftler bis zu seinem Lebensende eine tiefe Freundschaft mit Papst emeritus Benedikt XVI. Gegenüber Lindl hat Berger seinen Jugendfreund Ratzinger als »seinen besten Freund« bezeichnet. Per Brief oder in den letzten Jahren auch per Telefon standen die beiden Freunde und Gelehrten – Joseph Ratzinger hatte bis zu seiner Ernennung zum Erzbischof von München und Freising Lehrstühle an verschiedenen Universitäten als Professor für Fundamentaltheologie und Dogmatik inne – regelmäßig in Kontakt. »Berger und Ratzinger verband ein Leben lang die Einigkeit in der Frömmigkeit und im Intellekt«, beschreibt es der Stadtpfarrer.

Bis zu letzt kümmerte sich seine Nichte, die Sopranistin Nicoletta Göttlicher, um Rupert Berger. Am vergangenen Sonntag starb Rupert Berger in Traunstein, knapp drei Wochen vor seinem 94. Geburtstag. m/vew

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