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Wie sich der Wunsch nach mehr Umweltbewusstsein kreativ umsetzen lässt, diskutieren hier die Jungkünstler der Mittelschule Traunreut (von links): Umut Jusufi, Julia Ettmayer, Marie Hruschka, Hanis Ismailoski und Zin Mohammad. (Foto: Effner)

Schüler präsentierten im k1 Kunstprojekte der Aktion Zukunftsatelier

Traunreut – Unsere Gesellschaft durch gemeinschaftliches Handeln positiv zu verändern – das war die Idee des weltbekannten Künstlers Joseph Beuys.


Im Sinne seiner Idee einer »Sozialen Plastik« ist jeder Mensch ein Künstler, der gestalterisch auf Gesellschaft und Umwelt einwirken und diese verändern kann. Im Rahmen des Projekts Zukunftsatelier am Traunreuter Museum DASMAXIMUM hatten Lernende aus fünf Schulen die Möglichkeit, selbst in Gemeinschaftsarbeit an einer »Sozialen Plastik« mitzuarbeiten. Die Idee dabei war, für einen Bereich ihres Lebens, in dem sie sich Veränderung wünschen, ein künstlerisches Zeichen zu setzen.

Video, Soundtrack, Plakate und mehr

Die dabei entstandenen Kunstwerke – ein Video, ein Soundtrack sowie Plakate, Fotomontage und Landschaften aus Papier und Karton – stellten die Mitwirkenden jetzt zusammen mit den Projektpartnern und Betreuern bei einer Abschlussveranstaltung vor. In spannenden Präsentationen und Performances im Veranstaltungszentrum k1 in Traunreut wurden die Zuschauer dabei mit den Themen psychische Gesundheit und Druck, Bodyshaming, Massentierhaltung oder Umweltverschmutzung konfrontiert. Finanziell ermöglicht worden war das Projekt durch den Freundeskreis des Museum DASMAXIMUM, das Netzwerk Stadtkultur und die Münchner Stiftung »Zukunft Jetzt!«.

»Die Dinge, die ihr zu sagen habt, sind extrem wichtig«, lobte José Hazañas, der Vorsitzende des Freundeskreises, das große Engagement der Schülerinnen und Schüler. Das Zukunftsatelier sei als Erfahrung wichtig, sich durch Kunst auszudrücken und damit Veränderungen anstoßen zu können.

Museumsleiterin Dr. Maria Schindelegger erinnerte an den Einsatz von Joseph Beuys als Vorbild für das Projekt. Der Jahrhundertkünstler hatte angesichts städtischer Ödnis und des Waldsterbens 1982 mit seinem Projekt »7000 Eichen – Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung« auf der Kunstmesse Documenta in Kassel ein Zeichen gesetzt. Seit 2015 führt DASMAXIMUM mit regionalen, landes- und bundesweiten Eichenpflanzungen das Projekt fort. »Zu zeigen, dass jeder zum Künstler werden kann und gestalterisch auf die Gesellschaft und die eigene Zukunft einwirken kann, war ein wichtiges Anliegen des Projekts Zukunftsatelier«, stellte Schindelegger heraus. Das Vorgehen zeige auch, dass »die Zukunft nicht automatisch passiert, sondern schöpferisch erfunden werden« müsse. Die Diskussionen, Ideensammlung und die Umsetzung der gefundenen Themen in der Gemeinschaft von Klasse und Lehrer veranschauliche dabei das Zitat von Beuys: »Das Atelier ist zwischen den Menschen«. In zwei jeweils vierstündigen Modulen im Museum und in den jeweiligen Schulen hatte die Kunstpädagogin Susanne Frigge die Projekte angeleitet. Für Gänsehautmomente sorgten die 13- bis 15-jährigen Schüler des Hertzhaimer-Gymnasiums in Trostberg bei der Präsentation. Ein einzelner Stuhl, der auf der verdunkelten Bühne angestrahlt war, erzeugte Spannung. Aufhorchen ließen die Stimmen der Schüler, in denen die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper, der Wirkung auf andere und überzogene Ideale der Gesellschaft zum Ausdruck kamen. Aber auch die Wünsche »nach mehr Toleranz«, »mehr Freunde« oder »die eigene Bedeutung« machten betroffen.

Wünsche nach mehr Umweltbewusstsein

Schüler der Mittelschule in Traunreut zeigten kunstvoll gebastelte Landschaften, Bauwerke und Szenerien, in denen der Wunsch nach mehr Umweltbewusstsein zum Ausdruck kam. Die Kreativen aus dem Traunsteiner Chiemgau-Gymnasium machten anhand eines Videos mit zerquetschtem Obst und Gemüse das Thema psychischer Druck in der Schule deutlich. Als befreiende Lösung zerschnitten sie bei einer Scheren-Performance auf der Bühne eine Schulkarte mit Gefühlsausdrücken wie »motivationslos«, »Angst«, »Druck« oder »Korsett«.

»Psychische Gesundheit«

Schüler des Johannes-Heidenhain-Gymnasium in Traunreut präsentierten ganz in Schwarz gewandet das Thema »Psychische Gesundheit« in Form von übergroßen, doppelseitigen Buttons mit Slogans wie »Ignorier es nicht!«, »Du auch?«, »Achte auf mich!« oder »Schau hinter die Mauer«. Im Gespräch erzählten sie, dass die Aktion durch die Einrichtung eines Krisentelefons oder von Info-Tafeln mit Tipps und Hilfen für Notsituationen in der Schule eine Fortsetzung gefunden habe. Bei Fotoaktionen mit aufgesetzten Schweinemasken in dunklen und beengten Räumen im Schulgebäude spürten wiederum die Schüler des Theresien-Gymnasiums in München den Bedingungen moderner Massentierhaltung nach und dokumentierten dies in Bildern.

Viele der Mitwirkenden berichteten, wie die anfänglich bestaunten Kunstprojekte tatsächlich das gemeinsame Engagement in der Gruppe befeuert, die Perspektiven verändert und den Mut zu Zivilcourage zum Aufzeigen von Missständen beflügelt habe.

eff

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