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Dorfladen Traunwalchen: »Wenn das so umgesetzt wird, ist das eine super Sache«

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Dorfladen Traunwalchen
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So könnte der Dorfladen in den Räumen der früheren Sparkassenfiliale aussehen. Neben dem eigentlichen Laden, der Produkte des täglichen Bedarfs anbietet, soll es auch eine BistroEcke mit Produkten der Traunreuter Jugendsiedlung geben. Später könnte ein Anbau für ein Tagescafé (Grafik oben rechts) erfolgen.

Traunreut – Sollte der in Traunwalchen geplante Dorfladen einen ebenso überwältigenden Zuspruch erfahren, wie die Informationsveranstaltung, hat das Projekt der Jugendsiedlung Traunreut auch gute Chancen auf eine Zukunft. Rappelvoll war der Saal des Gasthauses Auszeit. Einige Besucher mussten sogar im Flur verweilen, so groß war der Andrang bei der Veranstaltung, in der die Vertreter der Jugendsiedlung, der Stadt Traunreut sowie der Fachberater für Bürger- und Dorfläden, Wolfgang Gröll, über das Vorhaben informierten. Am Ende der rund einstündigen Veranstaltung wurde deutlich, dass die Besucher von dem Konzept sehr angetan waren: »Wenn das Konzept so umgesetzt wird, wie es heute vorgestellt wurde, ist das eine super Sache«, sagte Marianne Preisach aus Oderberg. »Das hat sich sehr vielversprechend angehört«, schwärmten auch drei junge Mütter.


Auch für Alois Glück, der sich für den Dorfladen eingesetzt hat und durch den Abend führte, hatte es den Anschein, dass das Projekt bei den Bürgern gut angekommen ist. »Ich habe noch keine Veranstaltung erlebt, wo so viele Leute so zufrieden heimgegangen sind«, sagte Glück. Jetzt liege es an den Traunwalchnern, dass wir es auch wirklich nutzen.«

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Das überwältigende Interesse begrüßte auch der Geschäftsführer der Jugendsiedlung Traunreut, Heiner Roth. Auch er hoffe, dass sich der große Zuspruch dann im Einkaufsverhalten widerspiegele. Aus Sicht der Jugendsiedlung handle es sich bei dem Projekt um keinen normalen Dorfladen, erklärte Roth. Der Dorfladen in den Räumen der früheren Sparkassenfiliale in der Carl-Orff-Straße ermögliche jungen Menschen mit Förderbedarf die Möglichkeit einer Ausbildung zum Verkäufer oder Fachpraktiker Verkauf. Gleichzeitig bat er auch um Nachsicht, wenn am Anfang noch nicht alles reibungslos verläuft.

Grundsortiment des täglichen Bedarfs

Nach Angaben von Wolfgang Gröll, seien in dem Projekt alle Bereiche der Jugendsiedlung – von der Gärtnerei, Schreinerei bis hin zur Mensa – integriert. In dem Dorfladen werde ein Grundsortiment des täglichen Bedarfs angeboten, wie Obst, Backwaren oder Milchprodukte. Gröll versprach einen attraktiven Frischeversorger, bei dem die Regionalität ganz oben stehe. Regionale Produkte würden dabei mit einem klassischen, nationalen und internationalen Sortiment ergänzt. »Sie werden allerdings keine 15 verschiedenen Erdbeerjoghurt Sorten vorfinden«, sagte Roth. Man wolle aber versuchen, das Sortiment mit den Käufern abzustimmen. Im Gespräch seien auch eine Lotto-Toto-Annahmestelle sowie ein sogenannter Post-Point und ein kleiner Bistro-Bereich mit Produkten der Jugendsiedlung. Die Bistro-Ecke, für die es spontanen Applaus gab, soll auch als sozialer Treffpunkt dienen.

Nach Angaben des Prokuristen der Jugendsiedlung gGmbH, Andreas Weisshaupt, sei zu einem späteren Zeitpunkt im Süden des Gebäudes auch ein Anbau für ein Tagescafé als Begegnungsstätte geplant. Weiter teilte Weisshaupt mit, dass in Verbindung mit dem Projekt auch die Carl-Orff-Schule und der katholische Kindergarten mittags von der Jugendsiedlung verpflegt werden sollen.

Die Eröffnung des Dorfladens wird im Mai/Juni sein. Die Umbauarbeiten, die größtenteils von den Handwerkern der Jugendsiedlung vorgenommen werden, sind bereits in vollem Gange. »Die Bank ist schon fast entfernt«, scherzte Weisshaupt. Der Dorfladen soll an sechs Tagen offen haben: Montag bis Freitag von 7.30 bis 18 Uhr und samstags bis 12 Uhr. Der Prokurist betonte auch: »Für uns ist es wichtig, den Dorfladen gemeinsam mit den Traunwalchnern zu entwickeln.« Dazu konnten sich im Anschluss an die Präsentation auch die Besucher äußern.

Nachhaltigkeit bei Kunden gewünscht

In der Diskussion wurde deutlich, dass das Konzept mit den Wünschen und Anregungen einhergeht. Lebensmittel aus der Region und ein umweltbewusster Umgang mit der Verpackung, waren wichtige Aspekte, die dabei angeschnitten wurden. Angeregt wurde, unter anderem eine einheimische Bäckerei zu berücksichtigen und zu eruieren, ob die Möglichkeit bestehe, die sogenannte »Chiemgau Kiste« der Lebenshilfe und auch Frischfleisch mit ins Boot zu nehmen. Zu den zusätzlichen Dienstleistungen wie einem Bankomat oder eine Poststelle erklärte Gröll, dass ein sogenannter Post-Point (Erwerb von Briefmarken oder Abgabe von Paketen) kein Problem sein werde, eine vollwertige Postagentur werde aber nicht möglich sein. Es werde auch keinen Sparkassen-Bankomaten geben. Dafür aber eine Geldabhebung an der Ladenkasse.

Weitere Fragen betrafen die Parkplatzsituation und die Dauer des Mietvertrags mit der Sparkasse. Nach Ansicht von Gröll seien die jetzigen bestehenden Parkplätze ausreichend und auch die Zufahrt für die Anlieferung sei gesichert. Man gehe auch davon aus, dass viele Kunden zu Fuß oder mit dem Fahrrad kommen. Der Mietvertrag mit der Kreissparkasse sei auf mehrere Jahre geschlossen worden, so Gröll. Der Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse Traunstein-Trostberg, Roger Pawellek, erklärte dazu, dass die Räume der ehemaligen Traunwalchner Filiale zu einem symbolischen Preis vermietet würden, damit das Projekt auch wirtschaftlich erfolgreich werde. Auf die Frage eines Besuchers, ob das Projekt auf gewinnorientierter oder auf gemeinnütziger Basis ausgerichtet sei, erklärte Weisshaupt: »Wir wollen zumindest mit einer schwarzen Null rausgehen.« All die Fragen und Anregungen sollen jetzt bei der weiteren Umsetzung, soweit möglich, berücksichtigt werden.

Für die Stadt Traunreut sei es ein großes Glück, dass sich die Jugendsiedlung dafür einsetze, dass in Traunwalchen wieder ein Lebensmittelladen entstehe, betonte Bürgermeister Klaus Ritter. Die Nahversorgung in Traunwalchen sei der Stadt immer enorm wichtig gewesen. Nach der Schließung des Edeka-Geschäfts vor zwei Jahren habe auch die Stadt Traunreut mit ihrem Stadtmanager Christian Ehinger Überlegungen angestellt, den Lebensmittelnahversorger wieder zu beleben. Dass diese intensive Arbeit jetzt zum Erfolg geführt habe, sei lobenswert. ga


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