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Aufgrund seiner großen Verdienste um die Erforschung der Geschichte der Gemeinde Taching wurde Siegfried Müller (Zweiter von links) zum Ehrenbürger ernannt. Bürgermeisterin Stefanie Lang (links) und zweiter Bürgermeister Hans Steiner (Zweiter von rechts) gratulierten. Dritter Bürgermeister Christoph Wamsler überreichte ein Bild mit einer Ansicht auf Tengling, die Altbürgermeister Hubert Schmid gemalt hat. (Foto: Caruso)

Siegfried Müller zum Tachinger Ehrenbürger ernannt

Taching am See – Bei einem kleinen Festakt im Landhaus Tanner wurde Siegfried Müller für seine großen Verdienste um die Heimatpflege und um die heimatkundlichen Forschungen zum uralten Dorf Tengling in der heutigen Gemeinde Taching zum Ehrenbürger der Gemeinde ernannt. 


Müller zeigte sich berührt, dass eine kleine Gemeinde die Bemühungen um ihre Geschichte auf diese Weise hervorhebt. Bürgermeisterin Stefanie Lang verwies darauf, dass der entsprechende Beschluss des Gemeinderats einstimmig gefasst worden ist. Das Gremium und sie selbst seien sehr angetan gewesen von der eindrucksvollen Rede, die er vor dem Rat auf Einladung der Gemeinde gehalten hat. »Darin hast du nicht nur von deinem Leben in Tengling erzählt und die Gründe genannt, die dich bewogen haben, die Geschichte deiner Heimatgemeinde zu erforschen, sondern auch mahnend aufgezeigt, welche gesellschaftlichen Entwicklungen und politischen Strömungen derzeit vorherrschen.«

Müller hatte darauf hingewiesen, dass Geschichte sich zwar nicht wiederhole, aber wir, die Menschen, aus der Geschichte lernen könnten. Am aktuellen Beispiel Russlands führte er an, »dass das fehlende Bekenntnis zu den eigenen Verbrechen die verheerenden Folgen zeitigen würde, die wir derzeit am Beispiel des verbrecherischen Kriegs in der Ukraine erleben«. Wir alle seien gefordert, klar gegen die Bedrohung durch Diktatoren und Extremisten eine eindeutige Haltung für Freiheit und Demokratie einzunehmen, die auch Risiken einschließen kann.

Besonders diese Einstellung ist nach Aussage der Bürgermeisterin einer der Gründe, warum der Wunsch aus dem Gemeinderat kam, Müllers Verdienste um die Gemeinde zu würdigen. Vor allem mit seinem Buch »Tengling. Geschichte eines Dorfes in den Jahren 1932 – 1946« habe er anhand von Zeitzeugenberichten und eigener Recherche eindringlich die Haltung und den Zwiespalt der Tenglinger in den Jahren des Nationalsozialismus aufgezeigt und ein bemerkenswertes Werk verfasst. »Du wolltest zunächst Bauer, dann Priester, Fußballstar und später Opernsänger werden. Wir sind froh, dass du dich für das Lehramtsstudium entschieden und deine Leidenschaft für Geschichte, insbesondere Heimatgeschichte, entdeckt hast.« Mittlerweile ist die Zahl der Bücher zur Heimat- und Kirchengeschichte auf zehn angestiegen. In den vergangenen Jahren hat sich Müller mit der Geschichte der Ortsnamen in den historischen Dörfern Taching, Tengling und Törring beschäftigt.

Siegfried Müller hatte zuvor daran erinnert, dass Heimatgeschichte eine zeitaufwändige, aber spannende Detektivarbeit ist. Er lobte seine Frau Traudi dafür, dass sie mit großer Toleranz die monatelange Arbeit an einem neuen Buch unterstützt habe. Ein frisch Zugereister hätte ihn einmal als »Kulturfritzen« beschimpft, erzählte Müller, aber er hört nicht auf, zu mahnen, die Vergangenheit nicht gering zu schätzen und zu bewahren, was bewahrenswert ist. »Unsere Gegenwart hat ihre Basis in der Vergangenheit und wir sollten die positiven Traditionen pflegen.«

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