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Bürgerinitiative für sinnvolle Nutzung von Geothermie – »Wir verfolgen das gleiche Ziel«

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Diskussion in Nußdorf – und das nicht nur zur Geothermie
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Ein Bohrturm für eine Geothermie-Anlage in Bayern. Foto: Richard Bartz/Wikipedia

Taching am See – Eine »Bürgerinitiative gegen die Verschwendung von Energie und Grundwasser bei der Nutzung von Erdwärme« (BIENE) ist im Gasthaus Obermeier in Weilham gegründet worden. Wie Ingo Tönnesmann auf Anfrage des Traunsteiner Tagblatts erklärte, seien über 100 Bürger aus Taching, Törring und Tittmoning zu der Info-Veranstaltung gekommen. Dass man das gleiche Ziel wie die BI verfolge, machte im Rahmen eines Gesprächs mit unserer Zeitung auch der Projektplaner, die Geoenergie Bayern, deutlich.


Die Initiative kritisiert das in Haus bei Tengling, in der Nähe des Kieswerks Oppacher, geplante Geothermie-Projekt der Geoenergie Bayern GmbH. Bisher seien die Bürger nur sehr oberflächlich über das Vorhaben informiert worden, so Tönnesmann. So sei die Veranstaltung im Juni in Tengling seiner Meinung nach zu wenig bekanntgemacht worden.

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Nach ihm vorliegenden Informationen sollen auf Tachinger Gemeindegebiet vier Tiefenbohrungen niedergebracht werden. Aus zwei davon würde dann heißes Tiefengrundwasser zu Tage gefördert und zur Stromerzeugung genutzt. Die ist ein Hauptkritikpunkt der Geothermie-Gegner. »Die Stromerzeugung aus Erdwärme ist physikalisch durch den sogenannten Carnot-Prozess begrenzt. Das heißt, dass nur gut zehn Prozent der Erdwärme in Strom umgewandelt werden können, der Rest ist Abwärme.« Und mit Blick auf den Klimaschutz ergänzt er, es sei unverantwortlich, 90 Prozent der Wärme in die Atmosphäre zu blasen – »und das auch noch auf Kosten des Steuerzahlers«.

Brauchen ein Konzept für Nutzung der Abwärme

»Das wird mit BIENE nicht zu machen sein«, betont Tönnesmann. »Wir brauchen ein Konzept für die Nutzung der Abwärme. Erdwärme ist schließlich ein kostbarer Bodenschatz, der auch vollständig genutzt werden muss. Ein Filetbergbau darf nicht stattfinden.« Tönnesmann hat bis zu seiner Pensionierung über zehn Jahre lang das für die Genehmigung von Geothermie-Vorhaben zuständige Bergamt Südbayern bei der Regierung von Oberbayern geleitet und dort den gesamten Bohrloch-Bergbau bearbeitet.

Hinzu komme, dass offenbar vier weitere Brauchwasser-Brunnen geplant seien, die die Tiefenbohrungen und das spätere Kraftwerk mit Spülung und Kühlwasser versorgen sollen. Offenbar sollte dazu in 45 Metern Tiefe Grundwasser in erheblicher Menge entnommen werden. Zahlreiche Quellen, Brunnen, unter anderem die Trinkwasser-Brunnen der Achengruppe, sonstige Gewässernutzungen wie zum Beispiel Wasserkraftwerke könnten dadurch Schaden nehmen. »Hier gehören belastbare Zahlen und Unterlagen auf den Tisch. Der Schutz des Grundwassers überwiegt die privaten Interessen der Geoenergie Bayern bei Weitem«, sagt Tönnesmann, der in Tengling selbst ein eigenes kleines Wasserkraftwerk betreibt.

»Wir sind nicht gegen die Geothermie, aber für die verantwortungsvolle Nutzung«, so Tönnesmann auf Anfrage. Denn die vollständige Nutzung der gewonnenen Energie, also auch der Abwärme, sei im Bundesberggesetz vorgeschrieben.

Dabei werden im Primärkreislauf aus zwei der vier Bohrungen laut Tönnesmann aus rund 4000 Meter Tiefe 200 Liter 125 Grad heißes Wasser gepumpt und im Sekundärkreislauf mittels des Kältemittels Iso-Pentan abgekühlt. Der Dampf erzeugt über eine Turbine Strom, das abgekühlte Wasser wird über die beiden anderen Bohrungen wieder zurückgepumpt, erklärt Tönnesmann.

Erhebliche Mengen an Spül- und Kühlwasser

Die erheblichen Mengen an Spül- und Kühlwasser, die aus den vier zusätzlichen Brunnen entnommen würden, können aber bedingen, dass zahlreiche benachbarte oder auch entfernter gelegene Quellen trockenfallen – »das hätte auch Auswirkungen auf den Naturschutz«, sagt Tönnesmann weiter.

Wichtig wäre seiner Meinung nach vor allem die Überwachung der Fördermengen, »aber wer soll das überwachen? Wie ist sichergestellt, dass dieser Überwacher auch wirklich unabhängig ist?« Zu überlegen wäre seiner Meinung nach auch der Verzicht auf Wasserkühlung und stattdessen die Nutzung einer Luftkühlung, was allerdings teurer wäre und mehr Flächen bräuchte. Froh sei er, dass sich der Geschäftsführer der Geoenergie Bayern, Bernhard Gubo, bereits bei ihm gemeldet und Gesprächsbereitschaft signalisiert habe. »Auch er ist offenbar ein Verfechter der Abwärmenutzung.«

Beim nächsten Treffen der Bürgerinitiative am 10. Dezember um 19.30 Uhr im Gasthaus Glück in Ledern (Tittmoning) werde er selbst über Geothermie informieren. Weiterer Referent sei Werner Müller von der BI Geothermie Landau/Pfalz, der über dortige Probleme mit Erdbeben berichten wird, die man der Geothermie zuschreibe.

»Wir verfolgen das gleiche Ziel«

Wie viel Strom in dem geplanten Geothermiekraftwerk tatsächlich gewonnen werden kann, »wissen wir erst, wenn wir tatsächlich gebohrt haben«, sagt Hubertus Prinz zu Hohenlohe-Langenburg von der Geoenergie Bayern, die das Projekt plant.

Aber aufgrund der Erfahrung mit vergleichbaren Anlagen wie etwa der in Bruck bei Garching gehe man davon aus, etwa 20.000 Haushalte mit Strom versorgen zu können. Die Restwärme zu nutzen, wie es die Bürgerinitiative fordert, sei durchaus auch im Interesse der Firma: »Geothermie wird nur wirtschaftlich und ökologisch, wenn man Strom und Wärme nutzt.«

Dabei werde das Fernwärmenetz wahrscheinlich von den Gemeinden gebaut. Bisher gebe es bereits Gespräche für die Versorgung von Privathaushalten in Törring und Tengling mit Fernwärme, aber auch die Ausweisung eines mit Fernwärme versorgten Gewerbegebiets werde diskutiert.

Zum Kritikpunkt des Wirkungsgrads von nur zehn Prozent bei der Stromerzeugung mit Geothermie sagt zu Hohenlohe-Langenburg, mit Nutzung der Restwärme liege man da weit darüber – »wenn wir es gut nutzen können«. Deshalb arbeite man stark an der Nutzung der Wärme und Gewinnung weiterer Kunden.

»Insofern stoßen wir da ins gleiche Horn wie die Bürgerinitiative.« Man habe zum Beispiel vor, mit der Stadt Tittmoning Gespräche über eine eventuelle Fernwärmenutzung zu führen. »Denn klar ist, dass wir da nicht 40 Kilometer lange Pipelines bauen können, da würden wir zu viel Wärme verlieren. Das muss sich im näheren Umfeld abspielen, wenn es effektiv sein soll.«

Geothermiekraftwerke seien Infrastrukturprojekte, »da muss ich immer auch langfristig denken, also etwa auf die nächsten 50 Jahre.« Er selbst sehe die Förderung der Geothermie über die Erneuerbare-Energie-Umlage als Anschubfinanzierung des Gesetzgebers, ohne die die Nutzung der Erwärme nicht möglich wäre. »Aber Fakt ist, wir brauchen angesichts der Endlichkeit fossiler Brennstoffe Alternativen für Strom und Wärme.«

Im Gegensatz zur Befürchtung der BI sieht zu Hohenlohe-Langenburg keine Gefahr, dass benachbarte Gewässer durch die Nutzung der geplanten – im Übrigen nur zwei, nicht wie von der BI angegeben vier – Trinkwasserbrunnen trocken fallen könnten.

»Die Wasserentnahme ist ja auch nur vorübergehend während der Bohrungen. Und man zieht da nicht auf einmal große Mengen Wasser ab. Das geschieht kontinuierlich in überschaubaren Mengen. Uns ist aus unseren anderen Geothermiekraftwerken im Übrigen kein einziger Fall einer Grundwasserabsenkung bekannt.«

Mit der BI sei man aber selbstverständlich auch bereits in Kontakt. Und man verfolge das gleiche Ziel, die möglichst effektive Nutzung der Restwärme des Kraftwerks. coho