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Kaniber nimmt Verbraucher beim Thema Bio in die Pflicht

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Begeistert zeigte sich Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (Zweite von rechts) vom Hof der Familie Schrobenhauser in Surberg, dem offiziell 10 000. Bio-Betrieb in Bayern. Beim Rundgang ließ sie sich alles genau erklären – von Monika und Thomas Schrobenhauser, und natürlich von der vierjährigen Tochter Cecilia. (Foto: Hohler)

Surberg – »Ich platz ja fast vor Stolz, dass wir so viele tolle Höfe haben in Bayern«, so Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber bei der offiziellen Begrüßung des 10 000. Biobetriebs in Bayern, des Hofs von Thomas und Monika Schrobenhauser in Surberg.


Sie habe in 18 Monaten als Landwirtschaftsministerin schon viele Betriebe besucht, aber dieser Laufstall hier sei »wirklich einzigartig – so viel Luft, Licht, Bewegungsmöglichkeiten, so viele Liegeplätze und die Kühe haben sogar die Auswahl zwischen Silo und Heu!«

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»Als Bärenmarke uns Anfang 2016 gekündigt hat, hatten wir schon mit der Umstellung auf bio geliebäugelt«, sagt Monika Schrobenhauser dazu. Der Besuch eines Demeter-Betriebs in Chieming gab den Ausschlag, selbst auch mit dem eigenen Vollerwerbsbetrieb diesen Weg zu gehen. Doch das war gar nicht so einfach. Denn da zeitgleich etwa 200 Landwirte eine neue Molkerei brauchten, dauerte es etwa ein Jahr, bis die Molkerei Berchtesgadener Land die Abnahme von Milch zusagte, die nach Demeter-Richtlinien produziert wird.

Umstellung auf Demeter dauert ein halbes Jahr

Erst dann konnte Thomas Schrobenhauser mit dem Stallbau beginnen. Ende März zogen die damals 29 Fleckvieh-Milchkühe aus der Anbindehaltung in den neuen Laufstall, der für bis zu 60 Kühe Platz bietet. Am 4. April 2017 kam die erste jetzige Kalbin zur Welt, die ihre Hörner behalten durfte. »Sieben kalben demnächst, dann haben wir 40 Milchkühe«, sagt Monika Schrobenhauser. Und ab 1. Oktober, wenn die Umstellungsphase von einem halben Jahr vorbei ist, sind Schrobenhausers offiziell Demeter-Bauern.

Der alte Stall dient jetzt als Melkstand. Über einen beheizten, eingezäunten Weg werden die Kühe zweimal am Tag hinüber und wieder zurückgetrieben. Gemolken werden sie wie früher mit Melkmaschinen – zum einen hielten diese länger als Melkroboter, zum anderen habe man so einen direkteren Kontakt zur einzelnen Kuh und könne sie zweimal täglich auf Krankheiten oder Verletzungen kontrollieren, so Thomas Schrobenhauser.

Probleme mit Hörnern habe er bisher nicht beobachtet, auch die hornlosen Kühe kämen gut zurecht. »Wir sind bei etwa zwölf Quadratmetern Platz pro Kuh. Die können sich schon aus dem Weg gehen.« Ein bisschen Bedenken hatten sie dem offenen Laufstall gegenüber zunächst schon wegen der Kälte im Winter, so Monika Schrobenhauser. »Aber die mögen's ja am liebsten so zwischen minus fünf und plus 20 Grad, und wenn's regnet, stellen sie sich direkt in den Regen in der Mitte, wo die Dächer nicht überlappen.«

Schlechtes Ansehen macht Landwirten zu schaffen

Was der gebürtigen Kölnerin, die einst als Immobilienmaklerin ihr Geld verdiente, aber zu schaffen macht, ist nicht etwa das frühe Aufstehen um 3.30 Uhr – damit der Stall fertig ist, bis die vierjährige Tochter Cecilia aufsteht; es ist das schlechte Ansehen ihresgleichen in der Gesellschaft. »Ich find das sehr traurig. Wir arbeiten 365 Tage im Jahr, und wenn ich sehe, was mein Mann alles kann, das sind ja locker sieben, acht Berufe. Das geht von der Homöopathie über die Klauenpflege, Maschinenbedienung und -reparatur bis Futteranbau, Ernte und Holzernte und -verarbeitung.« Immer aber bleibe der Druck, der Wettlauf gegen das Wetter und die Sorge um das Vieh. »Wenn eine kalbt, schauen wir alle halbe Stunde nach, wenn auch inzwischen vom Handy aus über die Kamera im Stall.«

Das begegne ihr im Kontakt mit Landwirten immer wieder, so Ministerin Michaela Kaniber dazu: »Neben dem immer mehr an Vorschriften wird nichts so schlimm empfunden, als die permanente Kriminalisierung als Bodenvergifter und Tierquäler. Umso wichtiger ist es, den Verbraucher aufzurütteln. Denkt dran, wer Euch ernährt. Und wer die Landschaft pflegt.«

Den Anteil des Biolandbaus von heute 10 bis 2030 auf 30 Prozent der Fläche auszubauen, sei hoch ambitioniert. Wichtig sei es ihr, die Verbraucher in die Pflicht zu nehmen. »84 Prozent der Verbraucher finden Ökoprodukte super, 18 Prozent haben das Volksbegehren für mehr Artenschutz unterstützt. Aber in Bayern kaufen nur acht bis zehn Prozent der Bevölkerung bio. Bundesweit stagnieren wir bei etwa fünf Prozent.« Klaglos würden im Restaurant für einen Liter Mineralwasser zwischen vier und sechs Euro gezahlt, »aber wenn die Milch 1,29 Euro kostet, ist das zu viel.«

Produkte müssen auch gekauft werden

Um das Ansehen der Landwirtschaft zu verbessern, sei es wichtig, den Kontakt zwischen Landwirten und Verbrauchern zu fördern, »den Menschen zu zeigen, wie Landwirtschaft in Bayern passiert«, so Kaniber weiter. »Die verpönte Massentierhaltung ist hier ja nicht verbreitet.« Das sei ein Herzanliegen der bayerischen Agrarpolitik: »Wir wollen die kleinstrukturierte Landwirtschaft erhalten.« Aber der Ausbau des Ökolandbaus könne nur am Markt entlang erfolgen. »Es nutzt nichts, wenn die Produkte am Markt nicht abgenommen werden.«

Man dürfe die Landwirte bei Vermarktung und Beratung nicht allein lassen und müsse auch die Bildung fördern. Flächendeckende Ökomodellregionen seien ein Teil des Ganzen, »da können wir auch die konventionellen Landwirte mit rein nehmen, vielleicht stellt ja langfristig doch noch der eine oder andere um.« Aber auch das Bewusstsein zu schärfen im Tourismus gehöre dazu. »Schön wären mehr Bio-Produkte in Gasthäusern, Hotels und Pensionen.«

Bei allem Respekt vor der Aufgabe, den Ökolandbau deutlich auszubauen, »solange es mutige Familien gibt wie Sie, glaube ich daran, dass wir das schaffen können«, gab sich Kaniber optimistisch. coho