Einzelhandelskonzept als Grundlage für Planungen

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Das Bild zeigt den Kardinal-Faulhaber-Platz in Siegsdorf, eines der dringend anstehenden Projekte bei der weiteren Entwicklung der Siegsdorfer Ortsmitte. (Foto: Krammer)

Siegsdorf – Bereits seit dem Herbst beschäftigt sich die Gemeinde Siegsdorf mit einem Einzelhandelskonzept für die Entwicklung des Ortskerns und hat sich dazu auch zu einer Klausurtagung getroffen, bei der die beauftragte Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung mbH/München (GMA) ihren Entwurf vorstellte. Ansichten und Argumente des Gemeinderats wurden dann soweit möglich in den Entwurf eingearbeitet. Das vorerst abgeschlossene Konzept stellte jetzt Projektleiter Dr. Gino Meier per Video im Gemeinderat vor.


Aufgabe des Konzepts war vorrangig eine Analyse von Angebot und Nachfrage in der Gemeinde, aus der dann Entwicklungspotenziale für die Gestaltung des Ortskerns etwa im Bereich des Kardinal-Faulhaber-Platzes oder der »Neuen Mitte« abgeleitet werden können. Zudem umfasst das Konzept vorstellbare Steuerungsinstrumente zur weiteren Einzelhandelsentwicklung und gibt der Gemeinde Empfehlungen für Planungen.

Für die Analyse erarbeitete das Büro mit Zahlen von 2019 eine Angebots- und Nahversorgungssituation für den Ortskern und das Umland und bewertete diese Daten auch mit Blick auf die aktuelle Sortimentsverteilung und die Vorstellungen der Bürger aus einer Befragung des Siegsdorfer Gewerbeverbunds. Die Vorteile Siegsdorfs liegen demnach in einer positiven Bevölkerungsprognose mit steigender Kaufkraftentwicklung, dem attraktiven Arbeitsstandort, aber auch im touristischen Potenzial des Orts sowie einer erkennbar zukunftsgerichteten Ortsentwicklung und der Arbeit aktiver Akteure in Verwaltung und Gewerbe.

Nachteilig wirke sich hingegen die unmittelbare Nähe zu leistungsstarken Nachbarstandorten wie Traunstein, Rosenheim und Salzburg aus. Auch der zunehmende Onlinehandel und wesentliche städtebauliche Einschränkungen in der Ortsmitte etwa durch die hohe Verkehrsbelastung bremsen die Entwicklung, hieß es. Das Konzept schätzt die jährliche Umsatzleistung der knapp 40 Einzelhandelsbetriebe mit etwa 11 850 Quadratmetern Verkaufsfläche auf rund 36,5 Millionen Euro. Die Kaufkraft von Handel und Handwerk in der gesamten Gemeinde mit ihren 8400 Einwohnern wird auf rund 53,5 Millionen Euro geschätzt.

In der städtebaulichen Entwicklung sollte die Gemeinde eine Neuordnung der Ortsmitte in vier Bereichen anstreben. Für den Umgriff des Kardinal-Faulhaber-Platzes schlägt das Konzept unter dem Schlagwort »vom Parkplatz zum Begegnungsraum« eine Bildungs-, Handels- und Treffpunkt-Funktion vor, rund um das Rathaus sollten öffentliche Einrichtungen, Verwaltung und der Tourismus bevorzugt werden. Kultur und Tourismus stellt das Gutachten für den Umgriff des Museums in den Raum und die geplante »Neue Mitte« zwischen Bahnhof und Hauptstraße wird als »übergeordnete Handelsfunktion mit kleinteiligen Sortimenten aus dem Innenstadtbereich« definiert.

Das Konzept geht neben dem »zentralen Versorgungsbereich Ortsmitte« auch auf die gesamte Standortstruktur der Gemeinde und daraus resultierende Entwicklungsziele in den städtebaulich nicht integrierten Bereichen außerhalb des Ortskerns ein und schlägt Steuerungsregeln für den Einzelhandel vor.Als Empfehlung schlug Dr. Meier abschließend eine Verbesserung der fußläufigen Verbindungen und eine attraktivere Gestaltung in der Ortsmitte vor, die alle Alters- und Sozialgruppen in den Blick nimmt. Zudem sollte die Gemeinde eine Wiedernutzung von Problemimmobilien (Anreize und Fördermittel für Eigentümer) und ein ganzheitliches Vermarktungs- und Marketingkonzept für den lokalen Einzelhandel anstreben. Dazu könnte auch das Engagement des Gewerbeverbunds und weiterer starker Akteure genutzt und mit einer konsequenten Onlinestrategie die digitale Sichtbarkeit verbessert werden.

Bürgermeister Thomas Kamm würdigte Dr. Meier für die verständliche Vorstellung des Konzepts und hob auch die Unterstützung der Analysen durch den Gewerbeverbund hervor. Auf eine Frage von Willi Geistanger (Grüne) zur weiteren Vorgehensweise bei den Planungen zum Kardinal-Faulhaber-Platz hielt der Referent ein Gesamtkonzept sinnvoller als Einzelplanungen für bestimmte Gebäude.

Der einstimmige Beschluss des Gremiums zum Konzept ermöglicht nun dessen planungsrechtliche Verankerung bei künftigen Entwicklungen, erfordert aber sinnvoller Weise auch ein regelmäßiges Monitoring und sollte mit flankierenden Maßnahmen wie etwa einem Verkehrs- oder Leerstandskonzept begleitet werden.

FK

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